Ein Beispiel von vielen
„Mir könnte Hawaii gehören“

Der Niedergang von Rot-Weiß Oberhausen steht beispielhaft für die Probleme kleiner, ambitionierter Vereine.

OBERHAUSEN. Dass irgendwann der Absturz kommen würde, war Hermann Schulz schon lange klar. „Als kleiner Verein hast du auf Dauer keine Chance. Es ist ein Tod auf Raten“, sagt der Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, dessen Verein vor 16 Monaten den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga um nur einen Punkt verpasste und nun in die Abstiegszone der Regionalliga rutschte. Die Aussichten, die Talfahrt zu stoppen, sind begrenzt; Schulz und seine Vorstandskollegen haben zum 12. Oktober ihren Rücktritt eingereicht. Morgen Abend soll die Mitgliederversammlung einen Aufsichtsrat wählen, der dann den neuen Vorstand bestellt. Schulz war neulich nach einem Spiel von frustrierten Anhängern bespuckt worden und konnte das Stadion nur unter Polizeischutz verlassen. „Das muss ich mir nicht antun“, sagt der 65-Jährige, der als Chef der Baufirma „Konvent“ auch Hauptsponsor des Vereins ist.

Schulz versucht bei diesen Worten einen gefassten Eindruck zu vermitteln. Illusionen habe er sich nie hingegeben. Die Beschimpfungen des Publikums, an denen sich auch VIPs auf der Tribüne beteiligten, seien Ausdruck der überhöhten Ansprüche gewesen. „Alle sehen im Fernsehen die Bayern und denken, wir müssten da irgendwann mithalten können. Wird bei uns aber der Mitgliedsbeitrag erhöht, meldet sich schon die Hälfte ab“, sagt der Unternehmer, dessen Leben in den vergangenen Jahrzehnten ganz stark von RWO geprägt war. Mehrere Millionen Euro pumpte er über seine Firma und auch aus seinem Privatvermögen in den Klub, dessen Vorsitz er 1991 übernahm. „Es war ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt er.

Damals dümpelte RWO gerade in der Verbandsliga. Mit viel Aufbauarbeit gelang dem finanzgebeutelten früheren Bundesligisten (1969 bis 1973) das Comeback in der Zweitklassigkeit. „Wir haben uns da sieben Jahre gehalten und vor allem immer die Lizenz bekommen“, sagt Schulz zufrieden.

Denn im Dunstkreis der Traditionsvereine aus Dortmund, Schalke, Duisburg und Mönchengladbach gewann RWO weder Sponsoren noch Zuschauer. Durchschnittlich 5 000 Fans besuchten in der Zweiten Liga die Heimspiele. Öffentlichkeitswirksame Attraktivität konnte sich nicht entfalten. „Manche Zweitligisten bekamen für drei Meter Werbebande 20 000 Euro, wir waren froh, wenn uns jemand 5 000 Euro bot“, erzählt Schulz. Auch das Fernsehen kam selten zu Live-Übertragungen vorbei. „In diesem Dilemma steckt du ewig drin“, sagt der Präsident, der RWO nach Gutsherrenart regierte. Schulz gab das Geld, hatte die Macht, holte und feuerte Personal. Andere Meinungen ließ er nicht gelten: „Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, aber es war ja kein anderer da, der sich engagieren wollte.“

Wer ins Oberhausener Umfeld hinein horcht, mag dem zustimmen. Zwar brandete manchmal verhaltene Kritik an den selbstherrlichen Inszenierungen des Präsidenten auf, doch keiner mochte dessen finanzielle Zuwendungen missen. Längst haben sich die Krakeeler, die Schulz nicht mehr hören möchte, klammheimlich verzogen; im Verein herrscht Migräne ob der ungewissen Zukunft - und alles trauert dem gekränkten Mäzen hinterher.

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