Ein erstes Resumeé der deutschen Wirtschaft nach der WM
Deutsches Finale

Die Wirtschaft zieht nach dem Schlusspfiff der Fußball-Weltmeisterschaft eine erste Bilanz. Was haben die vier Wochen Fußball-WM in Deutschland dem Markt gebracht und was wird sie noch bringen wird.

Nach dem Abpfiff des Endspiels in Berlin dauerte es nicht mehr lange: Dann gab es bald den Finalrasen dieser 18. Fußball-Weltmeisterschaft stückchenweise und in Acryl gegossen für 75 Euro bei Quelle zu kaufen. Die Einrichtung der Pressezentren an den zwölf Spielorten verhökert das Hamburger Auktionshaus Dechow, darunter Designersofas, Empfangstresen und Computerplätze, schon jetzt. Die Kamerapositionen sind geräumt, tausende Tonnen Plastikmüll von den Fanmeilen auf dem Weg zur Wiederaufbereitung - nach mehr als vier Wochen WM-Party ist Aufräumen angesagt.

Auf ein Fest hatte auch die Wirtschaft gehofft. Und immerhin: Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts steigert sich in diesem Jahr dank der WM um schätzungsweise 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte. Rund 50 000 - meist befristete - Arbeitsplätze wurden geschaffen. Fähnchenhersteller und Bierbrauer machten das Geschäft ihres Lebens. Adidas freute sich über 1,5 Millionen verkaufte Deutschlandtrikots, Puma stattete Italien aus und feierte einen Image-Gewinn. Und auch der Standort insgesamt profitierte, sagt Bettina Knape von der Agentur Invest in Germany. Das Deutschlandbild habe sich bei vielen Ausländern positiv gewandelt. "Das wird auch verstärkte Investitionen in Deutschland nachziehen." Doch nicht alle WM-Träume erfüllten sich: In Handel, Gastronomie und Hotellerie oder bei den Medien hatten sich viele Manager mehr vom Kick versprochen. Wie das im Einzelnen aussah, hat die WirtschaftsWoche in den vergangenen vier Wochen vor Ort beobachtet.

9. Juni, München: Deutschland - Costa Rica 4:2 (Eröffnungsspiel)

Noch sieben Stunden bis zum Anpfiff. In der taubenblauen U-Bahn treffen Welten aufeinander: Jugendliche Trommler, die später gemeinsam mit der Berliner Reggae-Gruppe Seeed auf der Eröffnungsfeier einheizen wollen, stehen im gleichen Waggon wie Gamsbart- und Lederhosenträger: "Die sind voll krass synchron, wenn die schuhplatteln, das ist echt geil", sagt ein Bursche mit Sonnenbrille und schulterlanger Mähne. Vor annähernd 1,5 Milliarden Menschen zwischen Grönland und Feuerland werden sie in wenigen Stunden für ein neues Deutschland-Bild stehen - bodenständig und modern zugleich. Diese WM wird Zuschauerrekorde am laufenden Band knacken: In Argentinien, Brasilien, selbst in China, dessen Team sich nicht qualifizieren konnte, sorgt die WM für den Ausnahmezustand: Die Einschaltquote des chinesischen Sportsenders CCTV 5, der die Spiele nachts live überträgt und sie nachmittags wiederholt, steigt während der WM um den Faktor zwölf.

Auch ARD und ZDF, die das Gros der Spiele übertragen, erreichen im Laufe des Turniers Höchststände: Jeweils mehr als 20 Millionen Fußballfans verfolgen die Partien der deutschen Mannschaft vor dem Fernsehschirm. Trotz des hohen Zuschauerzuspruchs hat sich die WM für ARD und ZDF jedoch nicht gerechnet: 230 Millionen Euro haben die Öffentlich-Rechtlichen für die Rechte bezahlt. Nach Berechnungen von Andrea Malgara von SevenOneMedia, dem Werbezeitenverkäufer von ProSieben und Sat.1, dürfte die Konkurrenz jedoch im WM-Zeitraum nicht einmal 100 Millionen Euro durch zusätzliche Werbespots eingenommen haben - die Differenz müsse der Gebührenzahler übernehmen.

20. Juni, Berlin: Deutschland - Ecuador 3:0 (Vorrunde)

Drei Stunden vor dem Anpfiff sitzt im 15. Stock des Intercontinental-Hotels in Berlin Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Seifert ist 37 Jahre alt, war früher Vorstand bei KarstadtQuelle und will aus der Kultveranstaltung Bundesliga das Produkt Bundesliga machen. Seifert trägt ein dunkles Strenesse-Sakko wie Bundestrainer Jürgen Klinsmann und erzählt, warum auch die Bundesliga von der WM profitieren wird: Die Welt sieht tolle Stadien, und auch in Deutschland wird der Appetit auf Fußball geweckt. Seifert hat es jedoch auch aufs Ausland abgesehen: "Wir nutzen die WM, um die Bundesliga international als Marke zu positionieren." Seiferts Ziel: den niedrigen Auslandsrechteumsatz der Liga von elf Millionen Euro nachhaltig steigern. Allein in der kommenden Spielzeit auf mindestens 20 Millionen Euro - was immer noch weit weg wäre von den bis zu 170 Millionen Euro, die die englische Premier League kassiert, aber immerhin. Potenzial sieht Seifert vor allem auch in Osteuropa und Indien, das chinesische Fernsehen zeigt künftig sechs statt bisher vier Bundesliga-Partien live, und im Dubai Sports Channel läuft künftig ebenfalls Fußball made in Germany.

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