Ein Ökonom beim FC Barcelona
Ronaldinhos Professor

Der Ökonom Xavier Sala-i-Martin hat in den vergangenen zwei Jahren daran mitgearbeitet, die Finanzen des FC Barcelona zu sanieren. Doch der Mann ist mehr als nur für die Zahlen zuständig. Wie ein renommierter Wirtschaftswissenschaftler von der New Yorker Columbia-Universität bei einem Fußballclub die Strippen zieht.

NEW YORK. Der Mann hat keine Zeit zu verschwenden. Deshalb trägt er zwei Uhren – an jedem Handgelenk eine. Links ein wuchtiges, silbernes Exemplar, rechts eine schlichte Variante. „Wenn ich mal in der linken Hand eine Tasche trage, brauche ich sie nicht in die andere Hand zu tun, um auf die Uhr gucken zu können“, sagt er. Ist das sein Ernst?

Kein Zucken im Mundwinkel, kein Blitzen in den braunen Augen. Er schiebt hinterher: „Das mit den zwei Uhren bewährt sich vor allem, wenn man einen Kaffee in der Hand hat, dann riskiert man nicht, sich zu bekleckern beim Blick auf die Uhr.“

War das nun ein Witz? Schwer zu sagen, vielleicht meint er es wirklich ernst. Verschwendung ist seine Sache nicht – schon von Berufs wegen: Xavier Sala-i-Martin ist Ökonom, einer der profiliertesten. Er lehrt an der Columbia University in New York und ist einer der meistzitierten Wirtschaftswissenschaftler weltweit. Für das Weltwirtschaftsforum in Davos entwickelte er einen neuen Indikator, um die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern zu messen – die Grundlage für den „Global Competitiveness Report“ des Forums.

Deutlich glamouröser ist da schon Sala-i-Martins Nebenjob: Der Professor ist einer der Strippenzieher beim FC Barcelona. Wenn heute Abend der Sieger der Champions League von 2006 gegen den FC Chelsea antritt, kann es gut sein, dass Sala-i-Martin extra aus den USA anreist, um Ronaldinho und Messi gegen Lampard und Drogba live zu genießen.

Doch nach dem Abpfiff wird er wohl anfangen zu rechnen, zu analysieren. Wie viele Tore haben seine Stars geschossen? Wie wahrscheinlich ist es nun, dass sie die im Vertrag festgelegten Ziele erreichen und dadurch eine höhere Gage kassieren? Sind sie als Team aufgetreten? Waren sie Vorbilder für die Jugend?

Offiziell ist Sala-i-Martin beim FC Barcelona Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, im Sommer gab er auch kurz den Interimspräsidenten. Er hat in den vergangenen zwei Jahren daran mitgearbeitet, die Finanzen des Clubs zu sanieren. „Von ihrer Leistung abhängige Gehälter für die Spieler gehören dazu“, erzählt er in seinem Büro in New York, einem schlauchförmigen, mit abgenutzten Möbeln voll gestellten Raum.

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