Ein Spiel Sperre
Jogi Löw und das Leiden von Wien

Joachim Löw hat in seiner Trainerkarriere wohl selten so gelitten: Vom Spielfeld verbannt verbrachte er mehr als 45 lange Minuten auf der Tribüne. Nach dem Feldverweis spendete Kanzlerin Angela Merkel ihm den ersten Trost - für die Erlösung des Bundestrainers sorgte allerdings erst Michael Ballack. Doch Löws Feldverweis hat Folgen.

HB WIEN. Bundestrainer Joachim Löw ist für das EM-Viertelfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Donnerstag in Basel gegen Portugal vorläufig gesperrt. Allerdings fällt die Kontroll- und Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (Uefa) erst am Mittwoch eine endgültige Entscheidung über Löw und Österreichs Teamchef Josef Hickersberger. Dies kündigte Uefa-Mediendirektor William Gaillard am Dienstag an.

In Paragraf 9, Absatz 1 des Uefa-Reglements heißt es, dass ein Spieler oder ein Offizieller automatisch für mindestens ein Spiel gesperrt wird, wenn er des Feldes oder aus dem „technischen Bereich“ verwiesen wird. Das letzte Wort hat allerdings die Kontroll- und Disziplinarkommission. Das Uefa-Gremium befindet am Mittwoch über den Fall Löw/Hickersberger. Theoretisch kann die Sperre wieder aufgehoben oder eine längere Sperre verhängt werden.

Im Falle einer Bestätigung der Sperre dürfe Löw keinen Kontakt zur Mannschaft und den Spielern nach der Ankunft im Stadion halten oder aufnehmen, so Gaillard. Da Gastgeber Österreich durch das 0:1 gegen Deutschland am Montag in Wien das Viertelfinale verpasst hatte, würde eine mögliche Sperre bei Hickersberger während der EURO 2008 nicht mehr greifen. Er müsste im nächsten Pflichtspiel die Sperre verbüßen Im letzten Vorrundenspiel am Montagabend waren Löw und Hickersberger vom spanischen Schiedsrichter Manuel Enrique Mejuto Gonzalez (Spanien) in der 41. Minute jeweils auf die Tribüne verbannt worden. Die beiden Trainer hatten sich zuvor mit dem Vierten Offiziellen angelegt. Löw hatte lautstark moniert, dass der Vierte Offizielle ihn und Hickersberger in der Arbeit in der Coaching-Zone behindere.

Beim Stand von 0:0 wurde Löw beim EM-Gruppenfinale um den Einzug ins Viertelfinale in der 41. Minute gemeinsam mit Österreichs Coach Josef Hickersberger auf die Tribüne verbannt. Acht Minuten später durfte er in den Armen von Bastian Schweinsteiger aus ungewohnter Ferne, aber umso überschwänglicher über das so wichtige 1:0 durch den Freistoß seines Kapitäns jubeln. Zwar hatte das Spiel gegen Österreich durch das 1:0 (0:0) letztlich ein glückliches Ende für Löw, aber lange Leiden wie die mehr als 45 Minuten im Ehrengast-Bereich hätte sich der 48-Jährige in seinem 25. Länderspiel als Chef gerne erspart.

Erhitzt hatten sich die Gemüter der beiden als besonnen bekannten Trainer im Wiener Ernst-Happel-Stadion kurz vor der Pause nach einem Foul an Per Mertesacker im deutschen Strafraum. Schiedsrichter Manuel Enrique Mejuto Gonzales fühlte sich durch die beiden gestört, die beiden Trainer ihrerseits sahen sich in der Ausübung ihrer Arbeit als Coach behindert. „Wir sind Trainer und haben das Recht, Anweisungen zu geben. Wir müssen in unserer Coaching-Zone arbeiten können. Ich habe die Coaching-Zone nicht verlassen", sagte Löw.

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