Ein Stürmer und seine Tormisere
Und immer ist Mario Gomez schuld

Mario Gomez ist schuld. An allem. Egal ob im Klub oder der Nationalmannschaft, kein Spieler muss so viel Häme ertragen wie Deutschlands einstiger Fußballer des Jahres. Das ist schon verwunderlich, ist Gomez doch einer der besten Stürmer Deutschlands. Ein Plädoyer für den Geplagten.
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HAMBURG. Am vergangenen Sonntag hätte er es wieder einmal allen zeigen können. 26., 41. und 44. Minute: Mario Gomez fasste sich im Spiel gegen Dortmund an den Kopf, raufte sich die Haare und ließ die Arme verzweifelnd herabfallen. Er traf das Tor nicht und Zehntausende beschimpften ihn dafür.

Es gibt beliebte Fußballer. Es gibt unscheinbare Fußballer. Aber es gibt keinen Fußballer, der so viel Missmut ertragen muss wie Mario Gomez. Wer Sündenbock denkt, sagt Gomez. Der Stürmer ist die personifizierte Schuld, egal ob im Spiel des FC Bayern oder der DFB-Auswahl.

Es begann vor mehr als zwei Jahren mit dem Beinahe-Tor von Wien. EM-Endscheidungsspiel gegen Österreich. Fünfte Minute. Miroslav Klose passt von rechts. Mario Gomez steht drei Meter vor dem leeren Tor. Millionen Zuschauer beginnen zu jubeln. Doch Gomez lässt den Ball von seinem Fuß in die Höhe prallen, so lasch, dass ihn ein herangestürmter Österreicher rausköpfen kann. "Den hätte meine Oma rein gemacht", schreien die Fans im Stadion.

Als Mario Gomez in der 60. Minute ausgewechselt wird, geht er als Verlierer. Die Leute glauben: Im entscheidenden Moment, tut dieser Mann das Falsche. Das Stigma des Versagers trägt er bis heute.

Kurz nachdem Gomez am Sonntag eine Chance gegen Dortmund vergeben hatte, schrieb jemand auf die Facebookseite des Nationalspielers: "Mario, du bist so'n Versager". In Berlin schoss nach dem Spiel ein Jugendlicher in einem dieser Fußballkäfige so weit vorbei, dass der Ball aus dem Käfig flog. Seine Mitspieler schimpften: "Gomez!" Fußball ist ein rauer, fieser Sport. Und am meisten haben die Stürmer zu leiden.

Auf Youtube haben sich Tausende die Filme, "Gomez, das Beinah-Tor", "Gomez, der Blindgänger" oder "Gomez, die Gurke" angeschaut. Auch in Waldis-EM-Club soll ihn mal jemand als Gurken-Gomez bezeichnet haben. Weitere Spitznamen: Pommes-Gomez und Glas-Flasche (weil eine PET-Flasche widerstandsfähiger sein soll als Gomez). Der Ausdruck "ich habe gegomezt", heißt, dass jemand eine hundertprozentige Chance vertan hat. Handkes Ängste des Tormannes vor dem Elfmeter sind ein Wellness-Urlaub im Vergleich zu dem, was Mario Gomez aushalten muss.

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Kommentare zu " Ein Stürmer und seine Tormisere: Und immer ist Mario Gomez schuld"

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  • @emden: Entschuldigung aber was ist das denn für ein beitrag? Sie haben sicherlich noch nie Fußball gespielt, oder? Abgesehen natürlich vom passiv vor dem Fernseher sitzen und sich darüber aufregen was Andere falsch machen.

    Etwas unabsichtlich falsch zu machen (gemeinhin auch als Fehler bezeichnet) macht einen also sofort zum Looser? Absolut jeder macht mal etwas falsch, ein beckenbauer war auch der Eigentorkönig in seiner Zeit. ist er deshalb nach ihrer Definition auch ein Looser?
    Nennen Sie mir doch überhaupt einen Menschen, der noch nie in seinem Leben etwas falsch gemacht hat! Ach ja natürlich ich vergaß -> sie haben bestimmt noch nie einen Fehler gemacht.

    Zum Thema Gomez: er ist und bleibt der beste Stürmer den Deutschland hat. Er hat in seiner ach-so-schlechten letzten Saison bei bayern 14 Tore gemacht. Und zuvor 3 Saisons in Folge über 20 Tore -an Toren gemessen kann in den letzten Jahren in der bundesliga also bestenfalls Dzeko mithalten. Abgesehen davon zieht er meist mehrere Gegenspieler auf sich. Als bayern Fan graut es mir schon davor, wenn er zu einem anderen CL Verein wechselt und wir dagegen antreten müssen...

  • Gomez ist für mich ein typisches beispiel für einen (mindestens aktuell, wenn nicht schon lange) grassierenden Ungeist: Wenn etwas nicht funktioniert, wird nach Entschuldigungen gesucht.

    Es interessiert aber niemanden wer, wann etwas UNAbSiCHTLiCH FALSCH gemacht hat. Was interessiert und den Star vom Looser unterscheidet ist etwas AbSiCHTLiCH RiCHTiG zu machen.

    Planlos falsch zu agieren ist immer leichter als geplant richtig.

    Das ist Siegermentalität im Gegensatz zum Entschuldiger-Ungeist. Letzteres gelingt Gomez nicht. Entschuldigungen und Ausflüchte machen es nur schlimmer. Denn wer sich entschuldig klagt an.

    Wer plant gewinnt.

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