Einladung von Geschäftspartnern
WM-Tickets für lauter nette Menschen

Die Mehrzahl der Karten zur Fußball-WM soll von Unternehmen gekauft worden sein, die sie nun weiterverschenken wollen. Wer die begehrten Fußball-Karten als Geschenk von Geschäftspartnern annehmen darf - und wer es lieber nicht riskieren sollte:

DÜSSELDORF. "Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen dürfen keine WM-Einladungen anderer Firmen annehmen, das verstößt gegen die Corporate-Governance-Richtlinien", erklärt Anton Winkler, Oberstaatsanwalt in München. Schließlich ist so eine Firmeneinladung kein privates Geschenk. Dem Einladenden geht es weniger um den Eingeladenen als netten Menschen als vielmehr um den Funktionsträger. Dessen Wohlwollen will er sich versichern für die Zukunft.

Dabei hatten sich das viele Unternehmen und ihre Marketingprofis so schön ausgedacht. Die Mehrzahl der Karten zur Fußball-Weltmeisterschaft soll von Unternehmen gekauft worden sein, nur der kleinere Teil kam in den offiziellen Handel. Dadurch stieg ihr emotionaler Wert zusätzlich: Ein Top-Anwalt - der ungenannt bleiben will, um nicht als Spielverderber dazustehen-schätzt: "Eine WM-Karte ist 2 500 Euro wert." Die Bagatellgrenze aber dürfte schon mit dem normalen Preis überschritten sein. Umso stärker sind alle unter Beobachtung, die solchen Einladungen folgen. Wegen der aufgeheizten Diskussion sei die Wahrscheinlichkeit von Ermittlungsverfahren sehr groß, meint Strafrechtler Jürgen Wessing aus Düsseldorf.

Der einzige, wenngleich nicht völlig risikolose Ausweg: "Vorstände können sich solche WM-Einladungen vorher vom Aufsichtsrat genehmigen lassen. Aufsichtsräte hingegen müssten die Hauptversammlung um Genehmigung bitten." Am sichersten ist es, wenn gar keine Geschäftsbeziehung zum Schenker besteht.

Völlig unschädlich ist es dagegen, WM-Tickets an Privatkunden zu verschenken. Wessing macht deutlich: "Kauft ein Anwalt jedes Jahr für sich persönlich eine neue Nobelkarosse und wird deshalb vom Autohaus eingeladen, ist das nicht strafbar. Kauft derselbe Mann dort aber auch die ganze Wagenflotte seiner Sozietät, sollte er auf die Einladung vorsichtshalber verzichten." Anwalt Wessing: "Immer dann, wenn?s ein Geschmäckle hat."

Strafrechtler einer weiteren Kanzlei - die ungenannt bleiben will - suchen schon nach Argumenten zur Verteidigung: Zu den Aufgaben von Firmenchefs gehört auch das Repräsentieren ihrer Firma, so dass nicht unbedingt eine Treuepflichtverletzung und damit auch keine unerlaubte Vorteilsnahme vorliegt. Der Einladende sollte klarstellen, dass das Ticket ein Geschenk aus Dankbarkeit für die Vergangenheit ist. Und Schenker und Beschenkter sollten prüfen, dass es keine Geschäftsbeziehung gibt, bei der Bevorzugung stattfinden kann. "Das wird schwierig für Konzernvorstände, die kaum überblicken können, ob Verquickungen irgendwelcher Tochterunternehmen bestehen." Und die Vorstände börsennotierter Unternehmen sind nicht die Einzigen. Auch ein Einkaufschef, den ein Kunde einlädt, könnte Probleme bekommen, meint Oberstaatsanwalt Winkler. Die sind immer in einer "strafrechtlichen Gefährdungslage" und auf dem "Glatteis der Strafjustiz". Auch wenn normale Werbung plus Werbegeschenke unbedingt möglich bleiben muss, so der Münchener. Nur wo die genaue Grenze liegt, da zweifeln selbst Strafrechtler.

Besonders heikel wird die Sache bei Beamten und Politikern, die sich - wenn es nicht offiziell von ihrer Behörde genehmigt ist - durch Annehmen von WM-Tickets wegen Vorteilsnahme strafbar machen können. Und der Schenker auch: wegen Vorteilsgewährung. EnBW-Chef Utz Claassen ist deshalb schon im Visier der Staatsanwaltschaft, der Vorwurf heißt Korruption. EnBW hatte unter anderem Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister WM-Karten geschickt.

Klar ist aber: Die Beschenkten müssen ihre WM-Karten in der Steuerklärung angeben - als Zuwendung. Einziger Trost: "Nicht zu einem irren Ebay-Versteigerungspreis, sondern zum aufgedruckten Eintrittspreis", stellt Wessing klar.

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