Einzelvermarktung
Die Bayern wittern den großen Reibach

Karl-Heinz Rummenigge geht erneut auf Distanz zur Zentralvermarktung der Bundesliga. Der Vorstandschef des FC Bayern schlägt vor, dass künftig alle Bundesligaclubs ihre Fernseheinnahmen eigenständig aushandeln sollten.
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MünchenBayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fordert in der Diskussion um die Vermarktung der TV-Rechte ein Umdenken in der Fußball-Bundesliga. Im „Manager Magazin“ (Freitag) schlug er erneut vor, dass alle Bundesligaclubs ihre Fernseheinnahmen künftig eigenständig aushandeln sollten. Damit kleinere Vereine wirtschaftlich nicht zu schlecht dastünden, könne ein Solidartopf eingerichtet werden, in den größere Vereine zum Beispiel 50 Prozent ihrer Erlöse einzahlten, erklärte Rummenigge.

„Mit diesem Modell könnte sich die Bundesliga besser stellen - inklusive der kleineren Vereine“, urteilte er und stellte für den FC Bayern fest: „Würden wir unsere TV-Rechte selbst vermarkten, könnten wir mit 200 Millionen Euro glatt das Vierfache unserer heutigen Erlöse erzielen.“

Bislang werden die Übertragungsrechte zentral von der Deutschen Fußball Liga (DFL) vermarktet. Der derzeitige Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro endet 2017. Die Bayern erhalten nächste Saison inklusive der internationalen Vermarktung und Sponsoring rund 74 Millionen Euro TV-Geld. Aufsteiger Darmstadt 98 kassiert allein aus der DFL-Vermarktung gut 20 Millionen Euro.

In England fließt dagegen trotz Zentralvermarktung wesentlich mehr Geld: Die 20 Vereine der Premier League profitieren von einem saftigen neuen TV-Vertrag, der von 2016 an gilt und den Clubs fast sieben Milliarden Euro für drei Spielzeiten in die Kassen spült.

Zustande gekommen war der Kontrakt auch, weil in England zwei große TV-Konkurrenten die Preise nach oben trieben. „Wenn die zentrale Vermarktung nicht die erhofften Einnahmen und Zuwächse erbringt, sollte man es mit einem neuen Vergabeprinzip versuchen“, sagte Rummenigge mit Blick auf Deutschland.

Die DFL lässt derzeit ihre Vorschläge für einen neuen Medienvertrag von 2017 an vom Bundeskartellamt überprüfen. Ziel ist ein Erlös von mindestens einer Milliarde Euro pro Saison. Bayern München hofft ebenfalls auf Unterstützung durch die Kartellwächter.

Die könnten prüfen, ob eine dezentrale Vermarktung vorstellbar wäre. Dem Bayern-Chef stört auch die Dominanz von Sky auf dem Pay-TV-Markt. „Das Monopol von Sky führt offensichtlich dazu, dass sich die Preise in Deutschland nicht nachhaltig bewegen“, argumentierte Rummenigge.

Nicht zentral vermarktet werden die TV-Rechte derzeit zum Beispiel noch in Spanien. Dort handelten Spitzenclubs wie Triple-Gewinner FC Barcelona und Real Madrid bislang selbst ihre Fernsehverträge aus und erlösten damit große Summen. Kleineren Vereine blieben dagegen nur geringe Einnahmen. Zur Saison 2016/17 soll wegen der wachsenden Kritik an dem Modell auch in Spanien auf eine Zentralvermarktung umgestellt werden, noch aber wird darum gestritten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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