Elfmeterkrimi gegen Argentinien
Lehmann bringt Deutschland ins Halbfinale

Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat ein weiteres dramatisches Kapitel auf dem Weg zum vierten WM-Titel geschrieben. Im Elfmeterschießen setzte sich das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit 4:2 gegen dem WM-Topfavoriten Argentinien durch und ist damit selbst die Rolle des ersten Titelanwärters geschlüpft. Held des Abend war Torhüter Jens Lehmann, der zwei Schüsse von Ayala und Cambiasso abwehrte. Nach regulärer Spielzeit hatte es nach Toren von Ayala (49.) und Klose (80.) 1:1 gestanden. Im Halbfinale trifft die deutsche Mannschaft nun am Dienstag in Dortmund (21 Uhr) auf den Sieger der Partie Italien gegen Ukraine.

BERLIN. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt es in der entscheidenden Phase nicht mehr auf ihrem bequemen VIP-Sitz: Als der Torwart von Arsenal London den entscheidenden Ball abgewehrt hatte, riss sie die Arme in den Berliner Himmel, fiel WM-OK-Chef Franz Beckenbauer um den Hals und jubelte den deutschen Helden zu. Auf dem Rasen waren da alle schon längst über ihren Schlussmann hergefallen, um ihn zu herzen - zwei Mal war der 36-Jährige, der zuvor noch in einer bemerkenswerten Szene mentale Unterstützung von seinem Dauerkonkurrenten Oliver Kahn bekommen hatte, blitzschnell seine linke Torecke abgetaucht und hatte pariert, während Neuville, Ballack, Podolski und Borowski ihrerseits getroffen hatten - die neue deutsche Welle bei dieser WM hatte tatsächlich auch die bis dahin so grandios aufspielende "Albiceleste" davon gespült, die WM-Party geht weiter.

"Ich habe immer geglaubt, dass wir zurückkommen", jubelte anschließend Bundestrainer Jürgen Klinsmann, dessen Mannschaft erst zehn Minuten vor dem Ende, als zumindest bei den Fans die Hoffnungen langsam schwanden, zum Ausgleich gekommen war. "Es haben die beiden besten Mannschaften dieses Turniers gegeneinander gespielt. Wir sind sehr, sehr stolz auf unser junges Team, das von den älteren Spielern gut geführt wird. Außerdem haben wir tolle Fans."

Dass die DFB-Auswahl auch das vierte Elfmeterschießen ihrer Geschichte bei einer WM siegreich gestalten konnte, dafür machte Klinsmann nicht nur Glück und gute Nerven verantwortlich. "Natürlich ist Elfmeterschießen ist immer Nervensache - aber auch eine Sache von guten Schützen und einem erfahrenen Torwart. Und mit Jens Lehmann haben wir einen Torwart, der schon viele Elfmeter gehalten hat. Ich habe immer großes Vertrauen in ihn gehabt", sagte der Bundestrainer, dessen Entscheidung für den Arsenal-Keeper wenige Wochen vor dem für viel Aufsehen gesorgt hatte.

Bis es zu der spektakulären Elfmeterentscheidung kam, hatte die Partie allerdings bis zuletzt stets auf des Messers Schneide gestanden. WM-Topfavorit gegen den euphorisch gefeierten Gastgeber, Spielmacher-Duell zwischen Riquelme und Ballack, Kräftemessen der Torjäger Crespo und Klose, "Pekerboys" gegen "Klinsmänner" - oder kurz: Duell der Giganten. Die Superlative, die schon vor dem Spiel bemüht wurden, hatten die Erwartungen auf beiden Seiten extrem in die Höhe geschraubt. Doch beide Mannschaften waren zunächst lange in ein taktisches Gerüst gezwängt, dessen Fesseln die Deutschen erst nach dem Rückstand kurz nach der Pause ablegten. Die folgende Rückkehr zum risikoreicheren Spiel des bisherigen Turners brachte sie schließlich doch noch auf die Erfolgsstraße.

Mit großartigen Wechselspielchen hatte angesichts der bisher gezeigten Leistungen auf beiden Seiten die Wenigsten gerechnet. Bundestrainer Jürgen Klinsmann vertraute denn auch der Elf, die mit ihren bisherigen bravourösen WM-Auftritten die ganze Fußballnation verzaubert hatte. Doch Taktiker José Pekerman hatte im Vorfeld nicht umsonst ein Geheimnis um die Namen seiner Auserwählten gemacht. Der 56-jährige nahm gegenüber dem Achtelfinalspiel gegen Mexiko gleich drei Änderungen vor.

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