EM 2012
Polen baut auf neue Stadien

Im polnischen Fußball sind Gewalt und Verwüstungen an der Tagesordnung. Doch das soll sich ändern: Mit viel Geld will das Land moderne Arenen für die EM 2012 bauen und den von Skandalen gebeutelten Fußball wieder salonfähig machen.
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WARSCHAU. Ende November wurde wieder einmal deutlich, wer im polnischen Fußball das Sagen hat: Beim Erstligaspiel zwischen GKS Belchatów und Legia Warschau enterten rund 1 000 Anhänger trotz Stadionverbots die Stehränge der kleinen GKS-Arena. Weil sich die Polizei zurückhielt, blieb die Eskalation aus – dieses Mal. Denn im polnischen Fußball sind Gewalt und Verwüstungen an der Tagesordnung. Die Furcht vor Hooligans hält viele Fans vom Stadionbesuch ab: Nur noch 5 000 Zuschauer kommen durchschnittlich zu den Spielen der ersten Liga.

Die Europameisterschaft 2012 soll Polens Fußball wieder salonfähig machen. Der Staat nimmt viel Geld in die Hand, um mit neuen Sportstätten ein modernes und sicheres Ambiente zu schaffen. „Mit den jetzigen Stadien sind wir nicht zufrieden. Wir wollen, dass auch Familien die Spiele besuchen können“, sagt Marcin Herra, Präsident des EM-Organisationskomitees. Neben vier neuen Arenen für das Turnier planen Vereine und Kommunen noch 15 weitere Stadien.

In Breslau, einem der Euro-Spielorte, rechnet man mit einem Fußballboom nach der EM. „Wir gehen davon aus, dass wir den Zuschauerschnitt unseres Klubs Slask mehr als verdoppeln können“, sagt Dominik Kowalski, Vizedirektor des örtlichen Organisationskomitees. Breslau lässt sich das Stadion 160 Mio. Euro kosten. Weitere 53 Mio. Euro steuert Polens Regierung bei.

Alkoholverbot im Stadion

Noch verzeichnet Slask einen Schnitt von 6 500 Zuschauern. Der Erstligist genießt kein hohes Ansehen. In dieser Saison hat die Polizei einen Profi wegen Manipulationsverdachts vom Spielfeld weg verhaftet. In Polen fand das Ereignis kaum Beachtung: Breslaus Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit 2005 gegen korrupte Funktionäre, Schiedsrichter und Spieler. Mehr als 300 Personen wurden festgenommen.

Ob Slask nach der EM das neue Stadion füllen wird, bleibt fraglich – die Arena fällt mit 44 000 Plätzen großzügig aus. Nicht zu groß, findet Kowalski: „Unser Ziel ist Europa.“ Ein Investor mit guten Beziehungen ist Grund für den Optimismus. Zygmunt Solorz-Zak, Inhaber des TV-Senders Polsat, hat den Klub dieses Jahr für 2,5 Mio. Euro gekauft.

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