EM
Frauenfußball steht vor dem großen Sprung

Die Fußballwelt blickt nach Helsinki. Der Grund: Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Wenn sie England schlägt, könnte das auch der Bundesliga einen gewaltigen Schub verschaffen. Vor allem die deutschen Fernsehsender sind gespannt. Warum das finnische Finale dem Frauenfußball zum Durchbruch verhelfen könnte.

KÖLN. Wenn die Fußballwelt heute nach Helsinki blickt, liegt das kaum an den Erfolgen des örtlichen Vereins HJK. Finnlands erste Fußball-Liga findet international nur wenig Beachtung. Stattdessen sorgt in dem skandinavischen Land nun die deutsche Frauen-Nationalmannschaft für Furore. Ab 18 Uhr spielt sie in der Hauptstadt im Finale um die Europameisterschaft gegen England. Das ZDF und Eurosport freuen sich auf hohe Einschaltquoten. Europameister werden – das ist für die deutschen Frauen schon so etwas wie eine liebgewonnene Gewohnheit. Schon sechsmal ist das dem Team geglückt. Und dieses Mal stehen die Chancen besser als sonst, bei einem Erfolg auch langfristig von der gestiegenen Aufmerksamkeit zu profitieren.

Eine attraktive Bundesliga soll die reichlich vorhandenen TV-Zuschauer bei der EM nun auch in die deutschen Stadien locken. Meist konnte in den letzten Jahren im Kampf um die Meisterschaft allenfalls Turbine Potsdam dem 1. FFC Frankfurt Paroli bieten. Nach dem dramatischen Saisonende des Frühjahrs haben sich erstmals gleich vier Titelkandidaten herauskristallisiert: Meister Turbine Potsdam, Vizemeister Bayern München, der FCR Duisburg und eben Frankfurt. „Die Liga wird spannender denn je. Die Zuschauerzahlen werden steigen“, sagt FFC-Manager Siegfried Dietrich.

Der FFC ist das einzige Team mit einem Etat von mehr als einer Mio. Euro. Das durchschnittliche Budget der zwölf Teams in der Frauen-Bundesliga beträgt rund 330000 Euro. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), will die Vereine finanziell auf eine solide Basis stellen. Er machte sich in diesem Jahr dafür stark, das Fernsehgeld auf 180000 pro Klub zu erhöhen, damit die Vereine ihre Infrastruktur verbessern können. Zugleich reduzierte der DFB die Fernseh-Einnahmen der Herren-Regionalliga. Statt 163000 Euro erhält jeder Verein dort nur noch 90000 Euro.

Der gestiegene Stellenwert des Frauenfußballs zeigt sich auch in der Abkopplung des DFB-Pokalfinals von dem der Männer in Berlin. In 2010 und 2011 wird das Frauenfinale zunächst einmal in Köln stattfinden. Der endgültige Spielort steht noch nicht fest. Aber die Zeiten, in denen die Frauen ihr Finale im Vorprogramm der Männer bestreiten, sind vorbei. Der DFB will so die Eigenständigkeit des Frauenfußballs fördern. „Eine Professionalisierung wird dem guten Image nicht schaden. Im Gegenteil: „Je professioneller alles wird, desto besser wird die Leistung und umso mehr interessiert sich die Öffentlichkeit dafür“, sagt Doris Fitschen, die Team-Managerin der Nationalmannschaft.

Das erkennen auch die etablierten Vereine bei den Männern. Sie schmücken sich mit Frauenteams. Der 1. FC Köln verleibte sich den bankrotten Ex-Frauen-Meister Grün-Weiß Brauweiler ein, Bayer Leverkusen übernahm geschlossen die Spielerinnen des TuS Köln rechtsrheinisch. In Berlin nutzen die Frauen des 1. FC Lübars die Infrastruktur von Hertha BSC und spielen sogar in Hertha-Trikots. Das sei nur ein vorgeschobenes Bekenntnis der Berliner zum Frauenfußball, sagen Kritiker. Denn die Stadt zählt nicht zu den Hochburgen dieser Sportart, wird aber 2011 das Eröffnungsspiel der Frauen-WM austragen. Das Ziel sei, 74000 Zuschauer ins Stadion zu locken, sagt Wolfgang Niersbach, Generalsekretär des DFB.

Schon jetzt verweisen die Organisatoren der WM auf Marketing-Erfolge. Fünf von sechs Großsponsoren sind bereits gefunden, das letzte Unternehmen soll Medienberichten zufolge die Deutsche Bahn werden. So sei die eine Hälfte des Etats von mehr als 50 Mio. Euro gedeckt. Problematischer könnte es allerdings sein, 27 Mio. Euro aus dem Ticketverkauf einzunehmen. Dafür wäre ein Schnitt von 25000 Zuschauern nötig. Der DFB will das erreichen, indem er nicht die Teams, sondern einzelne Spielerinnen bei der Werbung in den Vordergrund rückt. „Stars ziehen“, sagt Managerin Fitschen.

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