EM-Qualifikation auf Zypern
Präzision statt Euphorie

dpa NIKOSIA. Im spätsommerlichen Zypern will Joachim Löw vor der Winterpause das „i-Tüpfelchen“ auf ein berauschendes WM-Jahr setzen und verlangt von seinem Personal dafür Präzision und Disziplin.

„Wir müssen funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk, absolut seriös, zuverlässig und klar strukturiert“, forderte der Bundestrainer vor dem EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf der Mittelmeerinsel.

Auch die wegen Krankheit und Verletzungen fehlenden Jens Lehmann, Bernd Schneider und Lukas Podolski sollen keine Möglichkeit zur Ausrede bieten. „Wir haben Spieler, die in der Lage sind, sie zu ersetzen“, sagte Löw. Von den personellen Alternativen gab er aber nur Torwart Timo Hildebrand eine Einsatzgarantie. Der Stuttgarter Schlussmann wird im G.S.P.-Stadion von Nikosia sein fünftes Länderspiel bestreiten.

Dem von dem 27-Jährigen geäußerte Anspruch, den grippekranken Lehmann auch dauerhaft als Stammkeeper ablösen zu wollen, erteilte Löw eine Absage: „Lehmann ist auf jeden Fall bis zur EM 2008 die Nummer 1.“ Doch eine Schelte für Hildebrands Vorpreschen wollte der Bundestrainer nicht verteilen: „Wir wollen grundsätzlich, dass die Spieler Selbstbewusstsein an den Tag legen. Und wenn Timo den Anspruch hat, die Nummer 1 zu werden, spricht das für ihn.“

Zunächst hat der Stuttgarter mit deutlich besseren Leistungen in der Bundesliga erst einmal seine Nummer zwei verteidigt. Mit dem vierten Sieg im vierten Spiel will die DFB-Elf gegen den Außenseiter Zypern die Weiße Weste behalten und die Tabellenführung in der Gruppe D vom schärfsten Rivalen Tschechien übernehmen. „Neun Punkte sind eine gute Basis. Jetzt gilt es weitere Bausteine zu machen“, sagte Löw. Er warnte nochmals eindringlich vor dem Gegner.

Erstmals nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Italien wird Per Mertesacker wieder im Nationaltrikot auflaufen. Der Neu-Bremer bestätigte zwar, dass er nach seiner Fersen-Operation auch künftig Probleme am Fuß haben und Pausen benötigen werde. Aber für Löw ist der 22-Jährige in der Innenverteidigung gesetzt. „Ich bin froh, dass einer der etatmäßigen Innenverteidiger wieder dabei ist“, sagte der Bundestrainer. Wer nach Mertesackers Rückkehr aus der Viererkette weichen muss, ließ Löw genauso offen wie die notwendigen Neubesetzungen im Mittelfeld und Angriff.

Thomas Hitzlsperger wurde von Löw für seinen Formanstieg beim VfB Stuttgart ausdrücklich gelobt und kann sich somit Hoffnungen auf einen Einsatz an Stelle des verletzten Schneider machen. Schon gefallen, aber noch nicht öffentlich verkündet, ist dagegen die Entscheidung für den Ersatzmann des ebenfalls verletzten Lukas Podolski. „Es gibt für uns Erkenntnisse, wo die Schwächen in deren Verteidigung liegen. Es ist klar, wer spielen wird“, sagte Löw. Da Zyperns Abwehr eher durch schnelles Flachpassspiel zu bezwingen sein wird, ist Oliver Neuville im Vorteil gegenüber Mike Hanke.

Nach insgesamt fünf Siegen in fünf Spielen unter seiner Regie sieht der 46-jährige Löw sein Team besonders taktisch gefordert. „Mein Gefühl sagt mir, dass wir nicht mit der Euphorie spielen können, wie gegen die Slowakei.“ Auch Mertesacker äußerte nach dem gemeinsamen Video-Studium im luxuriösen Mannschaftshotel im Herzen der geteilten Stadt Nikosia seinen Respekt: „Wir sind schon beeindruckt.“

Das 5:2 der Zyprer gegen die selbst nur mit 1:0 bezwungenen Iren kommt Löw zur Mahnung gerade recht. Gleichzeitig verlangt er unmissverständlich die Fortsetzung der Erfolgsserie und den Ausbau der Rekordmarke auf in 98 Jahren Länderspielgeschichte noch nie da gewesene 15 Siege in einem Jahr: „Die Aufgabe ist schwierig, aber lösbar. Wir wollen sie nicht stärker reden als sie sind.“

Ein weiterer Erfolg wäre auf dem Weg zum EM-Turnier in 19 Monaten in Österreich und der Schweiz schon mehr als die halbe Miete. Michael Ballack, der unter den Augen von 50 derzeit in Zypern stationierten und vom DFB zum Spiel eingeladenen Bundeswehrsoldaten sein 75. Länderspiel bestreiten wird, verwies aber auf bislang ungewöhnliche Resultate in der Gruppe D. „Es gab einige kuriose Ergebnisse, deshalb müssen wir auf der Hut sein. Wir sind gewarnt“, sagte der Kapitän.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%