EM-Qualifikation
Slowakei heiß auf tschechische „Brüder“

dpa BRATISLAVA. Ginge es um Eishockey, wären die Straßen in der Slowakei fast menschenleer. Diesmal aber erwartet das slowakische Fußball-Nationalteam den ungeliebten Nachbarn Tschechien zum Prestige-Duell.

Die deutschen Gruppengegner in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 stehen in ihren Ländern zwar deutlich im Schatten der nahezu vergötterten Eishockey-Stars. Aber nach dem fulminanten 6:1-Auftakterfolg in Zypern hoffen die Slowaken auf ein volles Stadion Ziegelfeld in Bratislava.

Ein Sieg gegen die größeren und sportlich erfolgreicheren „Brüder“ zählt in der Slowakei mehr, als Weltmeister zu werden. Das Duell lebt auch von politischer Brisanz: 1993 hatten sich die fünf Mill. Slowaken nach rund 75 Jahren aus dem Staatenbündnis mit den zehn Mill. Tschechen getrennt, weil sie sich von diesen stets bevormundet gefühlt hatten. Bei Länderspiel-Vergleichen 1995 (1:1) und 1997 (2:1) in Bratislava gab es daraufhin chauvinistische Sprechchöre und Hassgesänge. Auch um solche Szenen zu verhindern, werden die Regierungschefs Robert Fico und Mirek Topolanek die Partie trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit demonstrativ gemeinsam besuchen.

Slowakische Medien bejubelten zwar den Sieg gegen Zypern, warnten aber vor verfrühter Euphorie. In der EM-Qualifikationsgruppe D sei das Spiel gegen die Tschechen viel wichtiger. „Zypern - eine aufmunternde Kanonade“, titelte die Zeitung „Sme“. Die Medien vergaben zwar keine Favoritenrolle, zitierten aber den tschechischen Nationaltrainer Karel Brückner mit der Ankündigung, seine Mannschaft werde in den kommenden Spielen stärker sein als beim glücklichen 2:1 gegen Wales.

Bis zuletzt zittern müssen die Slowaken um Robert Vittek vom Bundesligisten 1. FC Nürnberg, einen ihrer wichtigsten Spieler. Der Angreifer konnte das Spiel gegen Zypern wegen einer Verletzung nur von der Tribüne aus verfolgen. Marek Mintal, Vitteks Teamkollege beim „Club“, zählt nach seinen zwei Treffern gegen Zypern auch gegen die Tschechen zu den Hoffnungsträgern.

Die Tschechen reisen mit Respekt zum östlichen Nachbarn. „Die Slowaken werden von Jahr zu Jahr besser“, meint etwa der frühere Dortmunder Jan Koller, der jetzt beim AS Monaco spielt. „Aber Angst müssen wir nicht haben“, fügte der Sturm-Riese hinzu. Der Angreifer hat durchaus gute Erinnerungen an die Slowakei. Beim bisher letzten Aufeinandertreffen beider Teams vor vier Jahren erzielte Koller zwei Tore, die Tschechen gewannen 4:1.

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