Ende der Co-Eigentümerschaft

Revolution für Italiens Transfermarkt

Hunderte Transfers in einem Jahr, oft dubiose Verstrickungen und schwierige Wechsel-Verhandlungen: Das alles war bislang Alltag in Italiens Fußball. Mit einer entscheidenden Neuerung soll sich dies nun ändern.
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Dortmunds Stürmer gehörte bislang mehr als einem Klub. Quelle: dpa
Ciro Immobile

Dortmunds Stürmer gehörte bislang mehr als einem Klub.

(Foto: dpa)

RomAls Borussia Dortmund im vergangenen Sommer Ciro Immobile verpflichtete, musste der Bundesligist gleich mit zwei Clubs verhandeln: Der Serie-A-Torschützenkönig gehörte je zur Hälfte Meister Juventus Turin und dem FC Turin.

Ein in Italiens Fußball weit verbreitetes Modell – mit tiefgreifenden Folgen für den Transfermarkt und die wirtschaftlichen Strukturen der Clubs. An diesem Donnerstag wird das Modell der Co-Eigentümerschaft endgültig abgeschafft. Für die italienischen Medien ist das nicht weniger als eine „Revolution“.

Bis Donnerstagabend müssen die Clubs alle Fälle der sogenannten „Comproprietà“ lösen. Das bringt für die viele Vereine einen Verhandlungsmarathon - am Dienstag waren laut „Gazzetta dello Sport“ noch 69 Profis betroffen, darunter auch prominente Namen wie Radja Nainggolan.

Liverpool zahlt 41 Millionen für Firmino, Gündogan bleibt
Roberto Firmino
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Der ist inzwischen der Rekord-Transfer der Bundesliga: Für 41 Millionen Euro wechselte der Angreifer von der TSG Hoffenheim zum FC Liverpool. Mehr Geld wurde in der Bundesliga noch nie für einen Spieler ausgegeben, weder beim Ein- noch beim Verkauf. Hoffenheim kündigte an, das Geld nicht in weitere Transfers stecken zu wollen.

Petr Cech
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Per Mertesacker und Mesut Özil können sich über einen prominenten Zugang freuen. Arsenal London verpflichtet Petr Cech, der beim FC Chelsea nur noch Reservetorhüter war. Cech war 2004 von Stade Rennes in Frankreich in die englische Hauptstadt gewechselt. Zu seinen größten Erfolgen mit Chelsea zählt der Gewinn der Champions League 2012.

Przemyslaw Tyton
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Die Suche nach einem Nachfolger für den zum FC Bayern gewechselten Sven Ulreich hat ein Ende: Der polnische Nationalkeeper Przemyslaw Tyton kommt vom PSV Eindhoven zu VfB Stuttgart. Er wird mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet, ließ der Verein verlautbaren.

Johannes Geis
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Der FC Schalke 04 hat mit der Verpflichtung von Johannes Geis auf dem Transfermarkt der Fußball-Bundesliga ein Zeichen gesetzt und in die Zukunft investiert. „Wir sind sehr froh, dass sich einer der begehrtesten jungen Spieler für unseren Club entschieden hat“, sagte Schalke-Manager Horst Heldt über den Wechsel des Mittelfeldspielers vom Liga-Rivalen FSV Mainz 05. Am Dienstag konnten die Schalker Vollzug melden. Demnach unterschreibt Geis einen Vertrag über vier Jahre bis zum 30. Juni 2019.

Dass Schalke den Zuschlag bekommen hat, gibt auch Heldt wieder Rückenwind. In der abgelaufenen Saison, die Schalke auf dem enttäuschenden sechsten Tabellenplatz beendete, war auch der Manager massiv in die Kritik geraten. Jetzt ist Heldt, der am 12. Juni mit André Breitenreiter den neuen Trainer verpflichten konnte, zumindest ein kleiner Transfer-Coup gelungen. „Mich haben die Gespräche mit Horst Heldt und André Breitenreiter überzeugt. Auf Schalke kann etwas Neues entstehen, dazu möchte ich meinen Teil beitragen“, sagte Geis.

Fabian Frei
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Die Mainzer holten umgehend Ersatz: Fabian Frei vom FC Basel stand schon länger auf dem Zettel von Mainz' Sportdirektor Heidel. Nun schlug der Klub umgehend zu und schloss die Lücke, die der Geis-Transfer reißt. Als Ablöse sind 3,5 Millionen Euro im Gespräch. Auch der HSV galt als Interessent.

Ilkay Gündogan
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Der Nationalspieler bleibt Borussia Dortmund treu. Nach der lautstarken Ankündigung, seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen, wurde es zusehends stiller um die Personalie. Nun folgt eine kleine Rolle rückwärts. Nach ersten Aussagen, sich durchaus einen Verbleib über diesen Sommer hinaus vorstellen zu können – der BVB hätte jetzt noch Ablöse kassieren können –, twitterte der Mittelfeldspieler just, er habe seinen Vertrag sogar verlängert. Zwar nur um ein Jahr bis 2017, aber nun haben beide Seiten Planungssicherheit.

Ilkay Gündogan
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Die Verlängerung hatte die „Bild am Sonntag“ schon vorab berichtet. Wichtiger Grund für Gündogans Entscheidung sei die Spielphilosophie des neuen BVB-Trainers Thomas Tuchel. Zudem erhoffe sich der Mittelfeldspieler mit Blick auf die EM 2016 viel Einsatzzeit in Dortmund. Daher habe er sich auch gegen ein Angebot des französischen Meisters Paris Saint-Germain entschieden. Dorthin soll ein anderer Deutscher wechseln...

Der belgische Mittelfeldspieler läuft für den AS Rom auf, gehörte jedoch zur Hälfte noch seinem Ex-Club Cagliari Calcio. Nach mehr als 50 Jahren hatte Italiens Verband FIGC im vergangenen Mai die Abschaffung der Co-Eigentümerschaft beschlossen, die es in keinem anderen europäischen Land gibt.

Viele Clubs wehrten sich damals gegen die Entscheidung. „Eine Epoche geht zu Ende und es wird nicht leicht für die Clubs, sich dem europäischen Leben anzupassen“, urteilte die Zeitung „Tuttosport“. Der damalige FIGC-Präsident Giancarlo Abete bezeichnete den Schritt als „richtig und mutig“.

Den Clubs hatte die „Comproprietà“ jahrelang Schummeleien und undurchsichtige Geschäfte ermöglicht. Fällige Ablösesummen konnten verzögert, Spieler hin- und hertransferiert oder verliehen werden, um Netto-Gewinne für die Bilanzen zu schaffen.

Über 2000 Ab- und Zugänge in einer Saison
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