Fußball
Ende der Treueschwüre: Nürnberg entlässt Wolf

dpa NüRNBERG. Null Punkte und 13 Gegentore aus den letzten drei Bundesliga-Partien, seit drei Spieltagen am Tabellenende: Nach dem schlechtesten Liga-Start der Vereinsgeschichte hat Bundesligist 1. FC Nürnberg mit der Entlassung von Trainer Wolfgang Wolf die Notbremse gezogen.

„Wir hatten lange die Hoffnung, dass wir mit Wolfgang Wolf die Wende schaffen“, sagte „Club“-Präsident Michael A. Roth. „Die Demontage in Mainz hat uns aber umdenken lassen.“ Am 30. Oktober hatte das Bundesliga-Schlusslicht das Keller-Duell beim FSV Mainz 05 mit 1:4 verloren.

„Dieses Ergebnis ist keine Bewerbung, mich länger im Amt zu lassen“, hatte Wolf nach der dritten Bundesliga-Pleite in Serie bereits auf die Gesetze der Branche hingewiesen. Am Tag danach folgte eine mehrstündige Sitzung der Vereinsspitze, dann war nach Klaus Augenthalers Abgang Mitte September bei Bayer Leverkusen die zweite Trainer-Entlassung der laufenden Bundesliga-Saison perfekt. Nun soll zunächst der bisherige Co-Trainer Dieter Lieberwirth das Training übernehmen und auch beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart auf der Bank sitzen.

„Wir müssen eine schnelle Lösung finden“, sagte Roth der dpa. Der neue Fußball-Coach solle spätestens bis zur Partie beim 1. FC Kaiserslautern Mitte November an Bord sein. „Es gibt nur fünf, sechs Trainer, die in Frage kommen“, sagte Roth. Anwärter seien auch Matthias Sammer und Lothar Matthäus: „Die gehören natürlich dazu.“

„Lothar Matthäus liegt natürlich nahe. Lothar ist hier in der Region aufgewachsen und auch im Sport groß geworden“, begründete Roth das Interesse am derzeitigen ungarischen Nationalcoach. Und Sammer sei ein „hervorragender Trainer, zumindest hat er es in Dortmund bewiesen“.

Seit Wochen musste Wolf um seinen Posten bangen, doch trotz aller Rückschläge hielt Roth zunächst zu seinem Coach. Nach dem 2:6 bei Werder Bremen sprach er seinem Angestellten sogar demonstrativ das Vertrauen aus: „Wolfgang Wolf steht nicht zur Disposition“, sagte Roth: „Den Gefallen tue ich anderen Vereinen nicht.“ Auch nach der 2:3-Heimpleite gegen Arminia Bielefeld blieb der Teppichhändler seinem Coach treu: „Der Trainer ist schuldlos an der Situation. Es gibt keinen Grund, ihn in Frage zu stellen.“

In Mainz schaute sich Roth das Spiel nicht bis zum bitteren Ende an, dafür sprang Sportdirektor Martin Bader seinem Coach zur Seite: „Ich gehe davon aus, dass er am Sonntag gegen den VfB Stuttgart auf der Bank sitzt.“ Doch am Ende halfen alle Treueschwüre nichts, nach zweieinhalb Jahren musste Wolf seinen Trainersessel beim Altmeister räumen. „Das ist eine sehr traurige Geschichte und auch eine persönliche Niederlage für uns“, sagte Bader.

Ende April 2003 hatte Wolf, der als Spieler zu 308 Bundesliga-Einsätzen kam, nach seinem Weggang beim VfL Wolfsburg das Amt als „Club“-Coach von Augenthaler übernommen. Den Abstieg ins Unterhaus konnte der gebürtige Pfälzer nicht mehr verhindern, doch schon nach nur einem Jahr Abstinenz kehrte die „Fahrstuhl-Mannschaft“ in die Bundesliga zurück. In der vergangenen Saison schaffte der Traditionsverein zwei Spieltage den Klassenverbleib und stellte zudem mit Marek Mintal auch den erfolgreichsten Torschützen der Liga.

„Wir haben uns besser verstärkt als in den Jahren zuvor“, hatte Präsident Roth vor der Saison die Erwartungen im Frankenland kräftig geschürt. Doch nicht zuletzt nach dem Ausfall von Torjäger Mintal wegen Mittelfußbruchs war zunächst der Sturm das Sorgenkind beim „Club“, dann geriet die junge Innenverteidigung angesichts der Torflut immer stärker in die Kritik. „Wir hatten noch nicht einmal eine Erbse für einen Abwehrspieler übrig“, blickte Wolf am Tag seiner Entlassung auf die geringen finanziellen Spielräume zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%