Englische Fußballklubs
Der stille Abschied vom Parkett

Einst galten Fußballvereine als kommende Börsenstars – und nirgends war die Euphorie größer als in England: Vor zehn Jahren waren mehr als 20 britische Klubs an der Börse notiert. Doch die Träume vom großen Geld erwiesen sich als Illusion. Mitte Januar zieht sich mit Tottenham Hotspur nun der letzte englische Fußballklub von der London Stock Exchange zurück.
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LondonHarry Redknapp hat gerade eine Herzoperation überstanden, doch Zeit zur Erholung bleibt ihm nicht. Im englischen Profifußball gibt es keine Winterpause, und der Manager von Tottenham Hotspur will sein Team in die Champions League führen. Am Donnerstag geht es gegen den Tabellenvierten Chelsea – ein direkter Konkurrent um die Qualifikation.

Doch während Redknapp mit den Fans dem Topspiel entgegenfiebert, geht still und heimlich eine Ära zu Ende. Vor einer Woche segnete die Hauptversammlung den Entschluss ab, den Verein von der Börse zu nehmen. Mehr als ein Dutzend englischer Klubs fasste in den vergangenen Jahren den gleichen Entschluss. Am Montag erst stellte die London Stock Exchange (LSE) den Handel mit Aktien des Zweitligisten FC Millwall ein. Tottenham wird damit Mitte Januar der letzte Fußballverein in England sein, der seinen Ausflug an die LSE beendet.

Fußball und Börse – ein Missverständnis? „Viele Klubs haben das Interesse von Investoren weit überschätzt“, sagt Simon Chadwick, Professor für Sportbusiness-Strategie und Marketing an der Universität Coventry. „Einige Vereine sahen die Börse als schnellen Weg zu mehr Geld – ohne darüber nachzudenken, was es überhaupt heißt, wenn die eigenen Aktien gehandelt werden. Andere haben eine langfristige Strategie verfolgt, konnten dann aber den Druck des Finanzmarkts – dem Verlangen der Aktionäre nach Rendite – nicht mit dem Druck nach sportlichen Erfolgen vereinen.“

Tottenhams Abschied von der LSE besiegelt das Ende eines Stücks Fußballgeschichte. Der Verein hatte als erster überhaupt den Gang an die Börse gewagt. Am 13. Oktober 1983 notierte die Aktie bei 20 Pence. Der Dammbruch folgte dann Anfang der 90er-Jahre mit dem Börsengang von Manchester United. Danach zog es die Klubs reihenweise aufs Parkett. 1997 waren bereits mehr als mehr als 20 Klubs gelistet. Bis Ende der 90er-Jahre hatten englische Vereine rund 175 Millionen Pfund über Börsengänge eingenommen.

Doch auf den Boom folgte die Ernüchterung. Es zeigte sich, dass nur wenige Anleger die Papiere langfristig im Depot halten wollten, die Aktienkurse sanken unter Ausgabepreis. „Die meisten Fußballvereine haben nicht den erhofften Erfolg an der Börse gehabt“, sagt Stefan Ludwig, Direktor der Sportbusiness-Gruppe bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. „Und wenn der Preis nach unten geht, wird ein Klub zum Übernahmekandidat. Manchester United beispielsweise wurde von Malcolm Glazer aufgekauft und dann von der Börse genommen.“

Nach und nach verließen die Klubs wieder das Parkett. Nach dem „Delisting“ von Tottenham wird an der LSE ein einziger Fußballklub verbleiben, Celtic Glasgow aus Schottland. Börsennotiert bleiben auch die an der Spezialbörse Plus gelisteten – dort jedoch kaum gehandelten – Arsenal London und Glasgow Rangers. Im Ausland sieht die Bilanz nach rund drei Jahrzehnten Fußballaktien-Handel kaum besser aus: Im Stoxx Europe Football Index, der börsennotierte Klubs in Europa abbildet, sind gerade einmal 23 Vereine vertreten, Tendenz fallend. Der einzige deutsche Vertreter ist Borussia Dortmund – und notiert bei einem Bruchteil des Ausgabekurses.

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