Englischer Fußball in der Champions League: Reich, reicher, raus

Englischer Fußball in der Champions League
Reich, reicher, raus

Offenbarungseid der reichsten Liga der Welt: Alle englischen Teams sind aus dem Europapokal ausgeschieden. Zum ersten Mal seit 22 Jahren ist kein Klub im Viertelfinale dabei. Machen viele Millionen die Stars zu satt?
  • 0

DüsseldorfMicah Richards ist nun ein Exot. Der Verteidiger spielt für den AC Florenz und besitzt derzeit so etwas wie eine Ausnahmestellung in Europa: Er darf als Engländer noch um einen europäischen Pokal mitspielen. Das ist vielen Landsleuten nicht mehr vergönnt. Alle englischen Klubs in Champions und Europa League sind ausgeschieden, zuletzt am Donnerstag der FC Everton.

Das ist eine große Überraschung. Denn es handelt sich keineswegs um Laufkundschaft im europäischen Fußball. Englische Klubs besitzen extrem wertvolle Kader, allen voran FC Chelsea, Manchester United, Manchester City und FC Arsenal: Platz 4, 5, 6 und 7 besetzen sie momentan im Ranking der Vereine. Mehr als 1,7 Milliarden Euro sind allein ihre Spieler zusammen wert.

Das sind Zahlen, von denen andere nur träumen können. Zum Vergleich: Der Transferwert der Spieler in der ersten Bundesliga und der italienischen Serie A beträgt zusammen nur jeweils etwa 2,4 Milliarden Euro. Spaniens erste Division kommt immerhin auf 2,9 Milliarden Euro. Doch die Premier League toppt alle mit derzeit 3,75 Milliarden Euro, wie die Zahlen von Transfermarkt.de zeigen.

Doch teure Spieler allein sorgen noch nicht für Erfolge auf europäischen Parkett. Das beweist gerade die Bundesliga mit der aktuellen Fünfjahreswertung der Uefa. Das deutsche Fußball-Oberhaus liegt in der nächsten Saison erstmals seit dem Jahr 2000 wieder vor der englischen Premier League – nur Spanien ist weiter vorn. In der Ausgangswertung für 2015/16 liegen die deutschen Teams erstmals seit 1998 auf Rang zwei mit knappen 0,0858 Punkten Vorsprung auf die Insel-Clubs. Der Vorsprung auf England kann sich bei einem erfolgreichen Abschneiden von Bayern München und dem VfL Wolfsburg weiter vergrößern.

Bemerkenswert ist dies vor allem, weil im englischen Fußball auch künftig das meiste Geld fließt. Und weil im Fußball das Motto gilt: Je teurer und damit vermutlich je besser der Spieler, umso wahrscheinlicher der Erfolg auf dem Platz. Geld schießt zwar keine Tore, macht sie aber wahrscheinlicher.

Gemessen daran müssten die englischen Klubs alles wegschießen. Schließlich bekommt dort jeder Erstligist mehr Fernsehgelder als der deutsche Marktführer Bayern München. Und der jüngste TV-Deal vergrößert den Abstand zum Rest Europas noch einmal beträchtlich. Das miserable Abschneiden der Engländer in internationalen Wettbewerben ist trotzdem kein Einzelfall und umso erstaunlicher.

Bereits zum zweiten Mal in drei Jahren fehlt in der Champions League ein englischer Club in der Runde der besten Acht. Noch schlechter hat in den vergangenen Jahren die Nationalmannschaft abgeschnitten. Ein Grund: Viele Topspieler verlassen England oder spielen dort gar nicht: Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, Lionel Messi, Neymar, Arjen Robben oder Franck Ribery zum Beispiel.

Man müsse sich nur mal die derzeit 20 bis 30 besten Spieler in Europa anschauen: „Mir fällt es schwer, da ein, zwei Spieler zu finden, die in England ihr Geld verdienen“, sagt der Deutsche Dietmar Hamann. Der Ex-Nationalspieler und frühere Spieler von Bayern München kickte mehr als zehn Jahre auf der Insel.

Seite 1:

Reich, reicher, raus

Seite 2:

Häme aus Spanien

Kommentare zu " Englischer Fußball in der Champions League: Reich, reicher, raus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%