Enlassungen nach der WM-Blamage
Im iranischen Verband fliegen die Fetzen

Das Abschneiden der iranischen Mannschaft bei der WM 2006 in Deutschland war blamabel. Deshalb wurden der Trainer Branko Ivankovic und der Präsident des iranischen Fußball-Verbandes Mohammad Dadkan kurzerhand entlassen.

Der Iran durchlebt derzeit turbulente Zeiten. Nicht nur in der Politik, sondern auch im Sport fliegen die Fetzen. So wurdentrainer Branko Ivankovic und Verbandspräsident Mohammad Dadkan bereits eine Stunde nach dem 1:1 (0:0) zum Vorrunden-Abschluss gegen Angola in Leipzig entlassen. Knapp zwei Monate vor der nächsten Partie im Asiencup gegen Syrien (16. August) ist zudem das Verhältnis des Rekord-Nationalspielers Ali Daei und des aus Protest "streikenden" Bayern-Profis Ali Karimi zerrüttet.

Der Münchner war allerdings auch richtig wütend auf das Führungsduo, den Cheftrainer und Dadkan. "Ivankovic hatte nichts zu sagen, er hat nur die Anweisungen von anderen ausgeführt", meinte er in Anspielung auf den gefeuerten Fußball-Boss. Dem kroatischen Fußball-Lehrer werden außerdem von Medien und Trainern des Landes gravierende Fehler bei der Zusammenstellung des Kaders vorgeworfen, zudem sei die Truppe nicht fit gewesen. Die Erklärungen von Ivankovic, der fehlende Vorbereitungszeit mit den Legionären und Verletzungsprobleme beklagte, wollte schon keiner mehr hören.

Sportministerium entschuldigt sich beim Volk

Das iranische Sportministerium gab unterdessen nicht nur die Demission von Dadkan bekannt, sondern entschuldigte sich im Namen des Fußballverbandes beim Volk für den "verletzten Stolz". Parlamentsabgeordnete hatten von Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad diesen Schritt in einem offenen Brief gefordert. Der von heimischen Journalisten informierte Dadkan kommentierte den Vollzug sarkastisch: "Das Sportministerium hat eine gute Entscheidung getroffen." Am Samstag soll sein Nachfolger präsentiert werden.

Großes Rätselraten gibt es um den vakanten Trainer-Posten. In der islamischen Republik wird ein einheimischer Fachmann gefordert. Für den sich anbietenden Niederländer Arie Haan, der den Spitzenklub Pirouzi Teheran trainiert, gibt es wohl keine Mehrheit. Tenor im Lande: Ausländische Trainer denken nur an sich und an ihr Geld, es würde wieder mehr Herzblut gebraucht. U21-Nationaltrainer und Ivankovic-Kritiker Ebrahim Ghasempour könnte zumindest als Übergangslösung dienen.

"Dank Verbandspräsident Dadkan und Trainer Ivankovic wurde aus der besten iranischen Mannschaft aller Zeiten das schlechteste Team der Gruppe", schimpfte die Zeitung Khabare Varzeshi: "Der letzte Platz hinter Angola ist eine Tragödie." Und Irane Varzeshi meinte "Es ist bezeichnend, dass der Präsident seine Entlassung von den Journalisten erfahren hat. Unseren schwachen Auftritt haben er und Trainer Ivankovic zu verantworten."

Hertha BSC hat Interesse an Nekounam

Einer der wenigen Gewinner im enttäuschenden Team ist der gegen Angola gesperrte Javad Nekounam. Dem Mittelfeldakteur winkt ein Vertrag in der Bundesliga. Hertha BSC Berlin ist offenbar an dem 25-Jährigen interessiert.

Der bereits 37 Jahre alte Kapitän Daei, im Volk längst nicht mehr beliebt, dürfte beim Neuanfang keine Rolle mehr spielen. Dagegen wird Mittelfeldmann Karimi mit Sicherheit wieder auflaufen. Er hatte seinen Verzicht auf einen Einsatz gegen Angola mit den Problemen mit Ivankovic und Daei begründet.

© SID

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