„Equipe Tricolore“ glaubt ans Weiterkommen
Frankreich gibt sich trotzig, Südkorea feiert

Während nach dem 1:1 zwischen Südkorea und Frankreich der Stachel der Enttäuschung im Lager der Europäer tief sitzt, feiert Südkorea eine große Fußball-Party.

Zinedine Zidane riss sich das Tricolore-Schweißband vom Arm, schleuderte es auf den Boden und verschwand wortlos in der Kabine. Der unwürdige Abgang des alternden Weltstars nach dem enttäuschenden 1:1 (1:0) seiner Franzosen gegen Südkorea könnte bereits das traurige Ende einer großen Karriere gewesen sein. Als "Zizou" wenig später durch einen Nebengang in den Stadionkatakomben zum Bus schlich, wusste er selbst, dass er möglicherweise zum letzten Mal das blaue Trikot der Grande Nation getragen hatte.

An seinem 34. Geburtstag am Freitag darf der Kapitän des Weltmeisters von 1998 im letzten Vorrundenspiel gegen Togo nach der zweiten gelben Karte wegen eines Frust-Remplers nur zuschauen. Falls Frankreich ausscheidet, erlebte Leipzig den letzten Auftritt eines der größten Fußballers aller Zeiten.

Ich glaube, dass es nicht sein letztes Spiel war

"Ich bin kein Pessimist, ich bin Optimist und glaube, dass es nicht sein letztes Spiel war", sagte Frankreichs Coach Raymond Domenech, den Zidane nach der Auswechslung in der Nachspielzeit keines Blickes gewürdigt hatte. Der Trainer nahm seinen Superstar jedoch ausdrücklich in Schutz, er sei wie andere Akteure auch angeschlagen gewesen.

Der daheim in die Kritik geratene Domenech gab sich kämpferisch: "Wir werden gegen Togo gewinnen, und ich werde Recht behalten." Die renommierte Sportzeitung L´Equipe sieht das anders und titelte: "Hoffnungslos!"

Mehr als Zidanes Reaktion auf die Auswechslung ärgerte den Coach ein nicht gegebenes Kopfballtor von Patrick Vieira zum wohl entscheidenden 2:0. "Wir haben das zweite Tor geschossen, der Schiedsrichter hat es nicht gegeben - ja, wir sind hintergangen worden", schimpfte Domenech über den Unparteiischen Benito Archundia aus Mexiko und forderte die Einführung des Videobeweises.

"Wir waren stinksauer"

"Wir waren stinksauer, als wir die Kassette in der Halbzeitpause gesehen haben - eine 2:0-Führung wäre eine ganz andere Situation gewesen. Ich habe aber keine Angst, dass es das letzte Spiel von Zidane war", meinte Thierry Henry, der in der neunten Minute das 1:0 erzielt hatte.

Bayern-Profi Willy Sagnol ergänzte: "Zizou ist gesperrt, wir müssen ein völlig anderes System spielen. Es gibt keinen echten Ersatz für ihn. Aber wir können auch ohne Zidane gewinnen." Frankreich muss mit mindestens zwei Toren Unterschied siegen, um aus eigener Kraft das Achtelfinale zu erreichen.

Vieira appellierte an das zuletzt offensichtlich fehlende Wir-Gefühl. "Wir werden gegen Togo gemeinsam der ganzen Welt zeigen, wie stark wir wirklich sind", meinte er: "Wir werden verhindern, dass es das letzte Spiel von Zizou gewesen ist."

Vieiras Kopfball in der 32. Minute war zwar eindeutig hinter der Linie gewesen, der Referee hatte aber weiterspielen lassen. Südkoreas Trainer Dick Advocaat kommentierte die strittige Szene schmunzelnd: "Natürlich war das kein Tor, denn das Endergebnis lautet 1:1."

Für den Ausgleich sorgte Park Ji-Sung mit der ersten Großchance des WM-Halbfinalisten von 2002 in der 81. Minute. "Jetzt ist alles möglich", sagte der Mittelfeldspieler von Manchester United. Advocaat ordnete für seine Mannschaft zunächst eine spontane Feier an.

Euphorie in Südkorea grenzenlos

In der südkoreanischen Heimat ist die Euphorie bereits grenzenlos. Mehr als 700 000 Menschen feierten im ganzen Land ihre Helden. Zu Spielbeginn um 4.00 Uhr morgens waren die Plätze vor den Großbildschirmen mit in Rot gekleideten Fans überfüllt. Nach dem Ausgleich stiegen Raketen in den Himmel, ehe tausende Polizisten die Anhänger für die Säuberungsaktion im morgendlichen Berufsverkehr von den Straßen trieben.

"Park startet einen Morgen des Deliriums", schrieb die Zeitung Chosun Ilbo. Überschwänglich schätzte Donga Ilbo ein: "Prinz Park Ji-Sung ist der koreanische Zidane." Die Franzosen waren dagegen am Boden zerstört. "Das Remis treibt Tränen in die Augen", meinte France Soir, und Le Figaro sieht "Die Blauen in Gefahr".

Wie tief der Stachel der Enttäuschung bei der Grande Nation sitzt, wurde an einer Reaktion von Domenech in der Pressekonferenz deutlich. "Nächste Frage", bügelte er die Anfrage ab, ob er er mit dem richtigen System gespielt habe.

© SID

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