"Erbärmliche Vorstellung"
Englands Presse lässt Alarmglocken klingen

Nach dem müden 2:0-Sieg der Engländer gegen Trinidad und Tobago starteten die englischen Zeitungen alarmierende Weckrufe an die Mannschaft. Den Spielern allerdings ist alles andere als bange.

Die berüchtigten englischen Revolverblätter wurden wieder ihrem erbarmungslosen Ruf gerecht und ließen nach dem müden 2:0 (0:0)-Sieg Englands gegen Trinidad und Tobago kein gutes Haar am Team. Die Presse forderte demnach auch eine deutliche Leistungssteigerung, um nach der Vorrunden weiterhin bestehen zu können. Den englischen Spielern ist indes nicht bange vor den möglichen Gegnern im Achtelfinale. So gab sich auch Frank Lampard selbstbewusst: "Deutschland wäre ein guter Gegner für uns. Ich würde mich freuen, gegen sie spielen zu dürfen - und gegen Michael Ballack."

Lampard und der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft werden in der kommenden gemeinsam beim FC Chelsea spielen. Vorher will der 27-Jährige seinem künftigen Teamkollegen und dessen Mannschaft aber den Traum vom vierten WM-Titel vermasseln. Kapitän David Beckham plant genauso. "Dieser Sieg war eine Botschaft an alle: Nehmt euch in Acht", tönte er: "In der zweiten Runde gibt es nur noch große Mannschaften. Da ist uns jeder Gegner recht." Auch die Deutschen.

Englische Presse rügt "erbärmliche Vorstellung" des Teams

Doch die heimische Presse sieht einem Treffen mit Deutschland trotz des Comebacks von Hoffnungsträger Wayne Rooney mit Schrecken entgegen. "Wenn es nicht eine schnelle Wandlung gibt, wird England eine Katastrophe nicht noch einmal vermeiden können", schreibt der Guardian. Die Sun spricht von einer "erbärmlichen Vorstellung" gegen die einstige Kolonie. Nur die späten Treffer von Peter Crouch und Steven Gerrard (83. und 90.+1) verhinderten die Blamage. Der Treffer von Crouch war zudem irregulär, denn der Liverpool-Angreifer zog vor seinem Kopfball seinen Gegenspieler Brent Sancho an den Haaren. Teammanager Sven-Göran Eriksson sprach dennoch von einem "verdienten Sieg".

"Jetzt wollen wir die Gruppe und danach den Pokal gewinnen", ergänzte der Schwede. Im abschließenden Duell mit seiner Heimat forderte er einen Sieg: "Wir haben Schweden lange nicht geschlagen. Lasst es uns diesmal tun." Seit 38 Jahren wartet die Fußball-Nation auf einen Triumph gegen die Skandinavier. Nach dem 3:1 in Wembley 1968 gab es sieben Remis und vier Pleiten. Auch bei der Wm2002 kam England gegen Gruppengegner Schweden über ein 1:1 nicht hinaus.

England ist froh über Rooneys Comeback

Weil sich gegen Trinidad und Tobago vor allem die Offensive in einem jämmerlichen Zustand präsentierte, wollen die Experten in der Heimat den wiedergenesenen Rooney am Dienstag von Beginn an sehen. Gegen die "Trinis" reichte es nur für 32 Minuten, doch der Youngster erntete Lob von (fast) allen Seiten. "Es ist gut für uns, dass er wieder da ist", sagte Lampard, und Eriksson ergänzte: "Er hat seine Sache sehr gut gemacht."

Der Guardian sah den 20-Jährigen indes eher in der Rolle eines "Talismans, ermattet von sieben Wochen Pause" nach dem Bruch seines rechten Mittelfußes. Noch deutlicher wurde Leo Beenhakker. "Owen ist gegangen, Rooney ist gekommen - das war nichts Außergewöhnliches", ätzte der Trainer von Trinidad und Tobago. Der Niederländer setzte noch einen drauf und warnte die "Three Lions" vor Überheblichkeit. "England! So reicht das gegen stärkere Teams nicht", sagte er.

"Trinis" hoffen noch auf das Weiterkommen

Mittelfeldspieler Chris Birchall sah das ähnlich. "Mit dieser Form haben sie keine Chance auf den Titel", sagte der gebürtige Engländer. Die "Trinis" selbst träumen längst nicht mehr vom Cup - wohl aber noch vom Weiterkommen. "Wir haben noch eine Chance", sagte Beenhakker mit Blick auf die Partie gegen das bereits ausgeschiedene Paraguay.

Und überhaupt sei der Unterschied zu den Gegnern gar nicht so groß. "Jedes Team fährt hier auf der gleichen Straße", meinte er. "Aber jeder in einem anderen Auto." Nur mit dem Unterschied, dass England gegen die "Soca Warriors" gerade noch rechtzeitig vom Trabi in einen Ferrari umstieg. Ob das gegen einen Mercedes reicht?

© SID

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