Erfinder der elektronischen Anzeigetafel
Nicht länger von Pappe

Ermanno Brunelli und Gilberto Maestri haben die elektronische Anzeigetafel erfunden. Bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland sind sie zum dritten Mal am Spielfeldrand.

HB ADRIA. AMB Elettronic, das klingt nach High Tech und Silicon Valley. Doch das italienische Unternehmen residiert nicht in Kalifornien, sondern in Adria, in der Provinz Rovigo. Hier, in dem 30 000-Einwohner-Dorf am Canalbianco, wo einst die Römer einen ihrer wichtigsten Häfen bauten, produziert AMB heute elektronische Auswechseltafeln für Fußballspiele.

Wenn bei der WM in Deutschland die Leuchttafeln anzeigen, welche Spieler den Platz betreten oder verlassen, steckt die Technologie von AMB dahinter. Die grünen Led-Lampen werden die Nummer des Spielers anzeigen, der auf das Feld darf, die roten, wer auf der Bank Platz nehmen muss. AMB ist der offizielle Lieferant für Auswechseltafeln der Fifa. "Für uns ist es bereits die dritte WM", erzählen die Gründer der Firma, Ermanno Brunelli und Gilberto Maestri. Für die zwölf WM-Stadien stehen insgesamt 40 Tafeln zur Verfügung. Brunelli und Maestri können ihren Erfolg noch immer nicht ganz fassen. "Wir dachten, dass sich unser Produkt zwei, drei Jahre halten kann und uns dann größere Anbieter kopieren", sagt Brunelli, "aber wir sind immer noch da". Die Fußball-Bundesliga nutzt die Tafeln heute ebenso wie die Champions League. Im vergangenen Jahr haben die beiden mit ihrer Erfindung 600 000 Euro eingenommen. im ersten Quartal 2006 bereits 200 000 Euro.

Die Geschichte des Heizungsinstallateurs Maestri und des Hei-zungstechnikers Brunelli begann vor zwölf Jahren, als sie ein Spiel von Brunellis Lieblingsklub AC Milan im Fernsehen sahen. Die Mailänder spielten in Japan, es regnete in Strömen - so sehr, dass sich die Papptafeln, die die Auswechslungen anzeigen sollten, völlig durchnässt nach unten bogen. "Es kann doch nicht sein, dass es heutzutage keine bessere Lösung gibt", dachten sich die beiden und machten sich ans Werk. Eine alte Wanduhr mit Leuchtziffern musste als Modell herhalten, ein paar Tasten rechts und links. Fertig war der Prototyp.

Im April 1994 unterbreiteten die beiden Freunde der Uefa ihre Idee - schriftlich und ohne Erfolg. Fußball sei ein Traditionssport, da habe Techno-logie keine Chance - hieß es in dem Antwortschreiben. Die Erfinder blieben am Ball - ein halbes Jahr später lud sie die Uefa ein nach Bern. Und nur kurze Zeit später durften sie ihr Produkt auch bei der Fifa in Zürich vorstellen. Noch heute erinnert sich Maestri an das beeindruckende Empfangskomitee. "Dabei hatten wir doch nur eine Idee", lacht der Unternehmer mit heiser Stimme, und seine blauen Augen blitzen unter der Hornbrille schelmisch hervor.

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