Eriksson will Kollegen ein Bein stellen
England spielt gegen Scolaris Serie an

Das Ziel ist eindeutig: England soll erstmals nach 1990 wieder in ein WM-Halbfinale einziehen. Viertelfinal-Gegner Portugal will seine Siegesserie jedoch fortsetzen. Trainer Scolari ist seit elf WM-Spielen ungeschlagen.

Im dritten Anlauf will Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson den bei WM-Spielen scheinbar unschlagbaren Trainer Portugals, Luis Felipe Scolari, besiegen. Zudem will der Schwede erstmals in seiner Karriere in ein Halbfinale eines großen Wettbewerbes einziehen. Bei einer Niederlage des Weltmeisters von 1966 am Samstag in Gelsenkirchen (17.00 Uhr/live im ZDF und bei Premiere) wäre dagegen die Amtszeit von Eriksson im Fußball-Mutterland nach fünf Jahren endgültig beendet.

"Das Spiel heißt nicht Eriksson gegen Scolari, sondern England gegen Portugal. Es ist das Viertelfinale einer Weltmeisterschaft. Es geht nur darum, zu gewinnen. Über meine Zukunft muss sich niemand Sorgen machen", sagt Eriksson. Nach der Scheich-Affäre des 58-Jährigen war der ein Jahr jüngere Scolari, der mit elf Siegen in Folge als Trainer WM-Rekordhalter ist, auf der Insel sogar als dessen Nachfolger gehandelt worden. Die englische Öffentlichkeit schätzt insbesondere Scolaris impulsive Art am Spielfeldrand. "Das ist mir völlig egal. Ich höre das Gerede seit 30 Jahren und werde mich nicht ändern", zürnte Eriksson.

Doch auch wenn Eriksson es nicht zugeben will: Ein Sieg gegen Scolari und der erste Halbfinal-Einzug der Engländer seit der WM 1990 wären die vorläufige Krönung seiner Amtszeit als Manager des englischen Teams. "Ich bin kein Schreckgespenst der Engländer", sagt hingegen Scolari, "ich habe immer nur hart mit meinen Teams gearbeitet." Härter als Eriksson? Denn 2002 bei der WM in Japan und Südkorea gewann Scolari nach einem kapitalen Stellungsfehler von Englands Torhüter David Seaman mit Brasilien das Viertelfinale gegen die "Three Lions" (2:1) und wurde anschließend Weltmeister. Im EM-Viertelfinale 2004 gegen die mittlerweile von Scolari trainierten Portugiesen stürzte ein missratener Elfmeter von Kapitän David Beckham das englische Fußball-Volk und Eriksson in ein Tal der Tränen.

England will Geschichte umschreiben

Mit einem Sieg "auf Schalke" wollen die "Three Lions" die Geschichte umschreiben. Hoffnung macht insbesondere das Fehlen der beiden portugiesischen Stammkräfte Deco und Costinha, die nach ihren Gelb-Roten-Karten im Achtelfinale gegen die Niederlande gesperrt sind und von Simao und Petit ersetzt werden. Allerdings hat der Glaube an die eigene Stärke nach den durchwachsenen Auftritten in der Gruppenphase und im Achtelfinale gegen Ecuador arg gelitten, vor allem das "magische Viereck" im Mittelfeld hat weiterhin ordentlich Sand im Getriebe.

"Es gibt keine Entschuldigungen. Wenn wir am Samstag nicht gewinnen, dann haben wir auch unser Ziel nicht erreicht. Dann war all das Gerede über den ersten Titel seit 40 Jahren nur Müll", sagte der wiedergenesene Rechtsverteidiger Gary Neville. Der Profi von Manchester United kehrt nach seiner Wadenverletzung und drei WM-Spielen Pause zurück in die Anfangsformation der Engländer.

Owen Hargreaves vom deutschen Rekordmeister Bayern München übernimmt dafür die Position im zentralen defensiven Mittelfeld. Sollte Frank Lampard, der sich im Training am Donnerstag den Knöchel verdrehte, ausfallen, wird Eriksson sein System wieder auf zwei Stürmer mit Peter Crouch umstellen. Ist Lampard fit, soll Wayne Rooney als einzige Spitze auflaufen. "Er ist unser Schlüsselspieler auf dem Weg zum WM-Sieg", sagte Steven Gerrard über den Stürmer.

Portugal erstmal seit 1966 im Viertelfinale

Für Portugal, das erstmals seit 1966 bei einer WM wieder in der Runde der letzten Acht steht, sind die "Roo-Mania" und Englands Traum vom Titelgewinn jedoch nicht mehr als ein Pfeifen im Walde. Sie glauben an ihren Trainer und vor allem ihrem seit seinem Wechsel zu Inter Mailand wiedererstarkten Kapitän Luis Figo. "Für England ist es eher eine Revanche. Wir wissen alle, wie wichtig dieses Spiel ist. Solche Spiele werden meistens durch Kleinigkeiten entschieden", sagte der 33-jährige Figo.

Gute Nachrichten gab es für die Portugiesen unterdessen aus ihrem "Krankenlager". Der nach einem üblen Foul von Bundesliga-Profi Khalid Boulahrouz am Oberschenkel verletzte Cristiano Ronaldo scheint wieder im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein. "Wir haben eine historische Chance. Unter den besten Acht sind zwar sechs Weltmeister. Die könnten mit ihrer Erfahrung im Vorteil sein. Aber wir müssen gegen diese Statistik kämpfen", meinte Figo.

© SID

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