Erleichterung bei Vereinsoberen
Gas-Millionen retten Revierklub

Der russische Energiekonzern Gazprom ist neuer Hauptsponsor des Bundesligisten Schalke 04. Eine entsprechende Vereinbarung gaben der Verein und Gazprom am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz in Dresden bekannt. Der Konzern verspricht sich eine Erhöhung der Markenbekanntheit und Imagepflege. Für Schalke, das neben sportlichen Pleiten wirtschaftlich zuletzt durch „kreative Buchführung“ auffiel, ist der Deal noch bedeutender.

DRESDEN. Für sein Engagement auf Schalke will das Unternehmen nach Informationen des Handelsblatts in den kommenden fünfeinhalb Jahren insgesamt bis zu 125 Millionen Euro zahlen. Der Vertrag sei jedoch stark leistungsbezogen, hieß es. Damit hat Schalke den höchst dotierten Sponsoringvertrag in der Geschichte der Bundesliga abgeschlossen – noch vor Rekordmeister Bayern München, dessen Partner T-Com jährlich 20 Millionen Euro zahlt.

Der bisherige Hauptsponsor der Gelsenkirchener war die Victoria-Versicherung mit einem kolportierten Engagement von knapp sechs Millionen Euro pro Jahr. Die Victoria erklärte sich bereit, den Sponsorvertrag, der eigentlich erst im Juni 2007 ausläuft, vorzeitig zu beenden. Dadurch wird die Gazprom-Gasflamme schon ab Januar 2007 auf der Knappen-Brust lodern. Gazprom erhält als Hauptsponsor ein großes Werbepaket mit Loge und Bandenwerbung. Zudem wird die ehemalige Ost-Tribüne in Zukunft Gazprom-Tribüne heißen. Gazprom verspricht sich nach Aussagen des Konzernchefs Alexey Miller von der Partnerschaft eine „Erhöhung der Markenbekanntheit und eine positive Wahrnehmung auf den westeuropäischen Märkten“.

„Der Vertrag sichert Schalke das Überleben“

Für Schalke ist der Deal noch bedeutender. „Der Vertrag sichert Schalke das Überleben“, sagt der Freiburger Wirtschaftsprüfer Wolf-Dieter Hoffmann, der auf Bilanzen von Fußballvereinen spezialisiert ist, dem Handelsblatt. Die Verbindlichkeiten des Vereins betragen 255 Millionen Euro, davon 190 Millionen durch langfristige Darlehen. Allein für den Stadionneubau und die Rückzahlung einer Anleihe in Höhe von 84 Millionen Euro stottert der Verein jährlich 20,8 Millionen Euro an Zins- und Tilgungszahlungen ab. Zudem hat sich die Mannschaft in dieser Saison mit dem Aus im Uefa-Pokal um sicher geglaubte Einnahmen in Höhe von vier Millionen Euro gebracht.

Angesichts der Finanzlage war die Erleichterung der Vereinsoberen in Dresden zu spüren: „Das ist ein großer Tag für Schalke“, frohlockte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der den Deal in den vergangenen fünf Monaten mit den Russen ausgehandelt hatte. „Die Partnerschaft mit Gazprom ermöglicht uns eine größere Sicherheit bei der Finanzplanung“, sagte Finanzvorstand Josef Schnusenberg. Schalke müsste fortan nicht mehr von der Hand in den Mund leben. Schnusenberg sagte dem Handelsblatt, dass der Verein das zusätzliche Geld weder für neue Spieler noch für einen beschleunigten Schuldenabbau verwenden wolle. Präsident Gerd Rehberg trat den Befürchtungen der Fans entgegen, wonach der Verein seine Unabhängigkeit verliere: „Schalke 04 ist und bleibt eigenständig. Unser neuer Hauptsponsor Gazprom wird natürlich sehr eng mit uns zusammen arbeiten, aber, wie jeder andere Partner auch, keinen Einfluss auf das operative Geschäft oder sportliche Entscheidungen nehmen.“

Seite 1:

Gas-Millionen retten Revierklub

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%