Erneute Festnahmen

USA ermitteln gegen 16 Fifa-Funktionäre

Razzia in Zürich und Anklage durch die USA: Darunter sind fünf amtierende und ehemalige Mitglieder des Exekutivkomitees. Zwei davon werden von der Schweizer Polizei kurz vor einer Sitzung des Gremiums festgenommen.

„Im Fußballgeschäft ist Korruption tief verwurzelt“

ZürichNeue Festnahmen, neue Ermittlungen, Reformen mit Schönheitsfehlern und eine überraschende WM-Debatte: An einem weiteren dramatischen Tag hat der Fußballweltverband Fifa den Aufbruch in eine neue, demokratische Zeit verkündet. Die Realität in Zürich erinnerte aber an die vielen schwarzen Stunden des Verbandes in einem Jahr voller Korruptionsvorwürfe, Rücktritte und Skandale.

Wenige Stunden vor der Entscheidung des Exekutivkomitees für ein bislang einmaliges Reformpaket, das die eigene Führungsstruktur revolutionieren soll, erschütterte die nächste Razzia im Nobelhotel Baur au Lac am Ufer des Zürichsees die aktuelle Fifa-Führungsspitze um Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Stunden danach machte US-Justizministerin Loretta Lynch Ermittlungen gegen 16 weitere hochrangige Fußball-Funktionäre, allesamt aus Süd- und Mittelamerika, publik. Darunter sind die in Zürich verhafteten Fifa-Vizepräsidenten Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit Banegas aus Honduras. Ihnen wird vorgeworfen, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben. Zu den Beschuldigten zählen auch das ehemalige Exekutivmitglied Ricardo Teixeira, der frühere brasilianische Verbandspräsident Marco Polo del Nero und das ehemalige Exekutivmitglied Rafael Salguero aus Guatemala. „Das Ausmaß der Korruption ist unglaublich“, sagte Lynch.

Schon vor der Pressekonferenz in Washinghton war die Stimmung so, „als wäre jemand gestorben. So war die Atmosphäre im Raum“, berichtete Niersbachs brasilianischer Exko-Kollege Fernando Sarney nach den erneuten Festnahmen über das Fifa-Meeting. Alle Versuche von Interimspräsident Issa Hayatou oder Francois Carrard, dem Chef der Reformkommission, die strukturellen Entscheidungen des Tages später als „Meilenstein“ oder „Kulturwandel“ zu verkaufen, mussten dahinter verblassen.

Sechs Monate nach der Polizeiaktion mit sieben Festnahmen wurden diesmal zwei Top-Offizielle von Schweizer Beamten in Gewahrsam genommen: die Fifa-Vizepräsidenten Napout und Hawit Banegas. Beiden wird wie ihren im Mai festgenommenen Kollegen Korruption im großen Stil bei TV- und Marketingverträgen für Turniere ihrer Konföderation vorgeworfen. Es droht die Auslieferung in die USA.

Interpol schreibt Fifa-Bosse zur Fahndung aus
Hotel Baur-au-Lac
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In Zürich haben Schweizer Behörden am 27. Mai 2015 eine Razzia gegen hohe Fifa-Funktionäre durchgeführt. Am frühen Morgen wurden im Auftrag der US-Justiz neun Fußballbosse festgenommen. Das bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz. Das gelang, weil alle Personen zum großen Kongress des Weltfußballverbandes nach Zürich gereist waren.

Auslieferungshaft
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Die Verdächtigen wurden in Auslieferungshaft genommen. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar. Dies sind die Verdächtigen.

Jeffrey Webb
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In Auslieferungshaft: Webb ist seit 2012 CONCACAF-Präsident und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Inzwischen zählt er als Fifa-Vizepräsident zu den Stellvertretern von Joseph Blatter. Seine Verhaftung kam überraschend, hatte er sich innerhalb der Fifa doch für ein striktes Vorgehen gegen Korruption und Missmanagement stark gemacht. Zudem hatte er sich für die Veröffentlichung des Garcia-Berichts ausgesprochen.

Eugenio Figueredo
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In Auslieferungshaft: Neben Webb der zweite aktuelle Fifa-Vize in der Affäre. Der Ex-Präsident des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL musste sich zuletzt in seiner Heimat vor Gericht verantworten. Eine Spielergewerkschaft hatte ihn wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten bei CONMEBOL verklagt.

José Maria Marin
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In Abschiebehaft: Marin war bis April dieses Jahres Präsident des brasilianischen Verbandes. Medienberichte in Brasilien konfrontierten in mit Anschuldigungen wegen Korruption und angeblicher Veruntreuung öffentlicher Mittel in den 1970er und 1980er Jahren.

Rafael Esquivel
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In Abschiebehaft: Auch der Venezolaner Rafael Esquivel ist in Zürich festgenommen worden.

Julio Rocha
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In Abschiebehaft: Der Präsident der Nicaraguan Federation of Football (NFF), Julio Rocha (links), hier mit Fifa-Präsident Sepp Blatter. Er ist als FIFA-Entwicklungsmanager tätig und war früher Präsident des Verbands Zentralamerikas und Nicaraguas.

Am Morgen um kurz nach acht Uhr wurden die verbliebenen Exko-Mitglieder, darunter der deutsche Vertreter Niersbach, in Limousinen vom Baur au Lac auf den Zürichberg zur Sitzung in die Verbandszentrale gefahren. Eine zur Abstimmung stehende revolutionäre Aufstockung der WM-Teilnehmerzahl von 32 auf 40 Teams fand dort aber noch keine Mehrheit - das sickerte durch eine Niersbach-Info als erste Entscheidung aus der Machtzentrale des Weltverbandes durch.

Andere Reformbeschlüsse klingen vielversprechend. Der am 26. Februar zu wählende Nachfolger von Joseph Blatter als Fifa-Präsident und die Mitglieder eines neu geschaffenen Councils dürfen demnach maximal für drei Amtszeiten á vier Jahre im Amt sein. Die Vergütung der Top-Funktionäre wird jährlich öffentlich gemacht. Fifa-Chefaufseher Domenico Scala stellte fest: „Es wird einen Wandel geben.“

Alterslimit für Funktionäre abgelehnt
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