Erneute Kandidatur als Uefa-Präsident
Lennart Johansson will noch nicht angeln gehen

Uefa-Präsident Lennart Johansson fühlt sich mit 76 Jahren noch zu jung für den Ruhestand. Der Schwede peilt eine Kandidatur für weitere vier Jahre an der Spitze des Europäischen Fußballverbandes an.

HB STOCKHOLM. Im Stockholmer TV-Sender SVT sagte er am Donnerstag: „Ja, ich überlege das.“ Johansson, der zuletzt für den nächsten Uefa-Kongress Ende Januar in Düsseldorf eher Rücktrittsabsichten signalisiert hatte, meinte zu den Hintergründen für seinen Sinneswandel trotz hohen Alters: „Es hat sich niemand als wirklicher Kandidat gemeldet. Und die Interessierten haben nicht die nötigen Kompetenzen.“

Interesse hatte in den letzten Monaten neben dem Deutschen Franz Beckenbauer (60) vor allem der Franzose Michel Platini (50) geäußert. Im schwedischen TV-Bericht hieß es, mit seinem Seitenhieb auf „fehlende Kompetenzen“ habe Johansson vor allem auf Platini gezielt. Der Uefa-Präsident galt bisher als Befürworter von „Kaiser Franz“ Beckenbauer für die Nachfolge. Er hatte dessen noch nicht direkt erklärte Kandidatur unter anderem mit der Bemerkung kommentiert: „Für mich ist es Zeit, angeln zu gehen.“

Über die veränderte Lage sagte Johansson in dem TV-Interview: „Man versucht mich im Augenblick umzustimmen. Und wenn sich nichts mehr ändert, trete ich an.“ Unter anderem das kompliziert gewordene Regelwerk und die kommerziellen Kräfte im Fußball „fordern den ganzen Mann“, meinte der Skandinavier und fuhr fort: „Da mach ich lieber weiter, als dass ich alles zusammenkrachen lasse.“

Beckenbauer hat sein Interesse an der Uefa-Präsidentschaft bisher stets in diplomatisch geschliffene Statements gekleidet und dies vor allem mit Rücksicht auf den Amtsinhaber begründet: „Es wäre eine Aufgabe, die mich reizen würde. Zunächst muss geklärt sein, ob Herr Johansson wirklich aufhört.“

Der potenzielle Konkurrent Platini zeigte sich weniger zurückhaltend und preschte mit seiner offiziellen Bewerbung beim Verband und konkreten Vorschlägen zur Reform des Europapokals schon im letzten Jahr vor. Die 2005 von Johansson durchgedrückte Verlängerung seiner dritten Amtszeit um ein Jahr bis zum Kongress am 25. Januar 2007 in Düsseldorf kam Beckenbauer angesichts seiner WM-Verpflichtungen dabei recht gelegen.

In Johanssons Heimat stießen Johanssons neu erwachter Wille, auch mit 80 noch Europas Fußballverband zu lenken, auf wenig Gegenliebe. Der Kommentator des Fernsehsenders SVT meinte, der einzige Fehler des Schweden als Fußball-Boss bestehe darin, dass er kein Ende finden könne. Der Kommentar meinte: „Jede Epoche endet irgendwann. Geh angeln, Lennart!“

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