Eröffnung der Fanmeile in Berlin
Im Feiern bereits Weltmeister

Mit einer großen Party auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor hat Berlin den Startschuss für die Feiern zur Fußball-Weltmeisterschaft gegeben. Das Fest fand anstelle der vom österreichischen Künstler Andre Heller geplanten WM-Eröffnungsgala statt, die der Weltfußballverband Fifa abgesagt hatte. Die "Entschädigung" fand bei den Fans großen Anklang.

HB BERLIN. Oliver Bierhoff sucht nach Worten. Rund 200 000 Menschen sind am Mittwochabend zur WM-Eröffnungsparty am Brandenburger Tor gekommen. Und fast genauso viele, so klingt es zumindest, singen der deutschen Nationalmannschaft ein schiefes, aber weltmeisterliches Ständchen. "Der pure Wahnsinn", sagt der Teammanager, der aus dem WM-Quartier im Berliner Grunewald live via ZDF zugeschaltet ist. "Das tut uns gut." Zuvor schwärmte Brasiliens Weltstar Pelé auf der Bühne: "Das sind große Gefühle für mich, ein Geschenk Gottes. Mein Herz klopft, ich liebe euch." Zum Finale leuchtet ein Feuerwerk über dem deutschen Wahrzeichen, auf der Leinwand Bilder vom Mauerfall und den großen WM-Toren: Deutschland hat das WM-Fieber gepackt. Der Berliner Stimmungstest zwei Tage vor dem Anpfiff ist geglückt, genauso wie in Hannover, wo 25 000 Fans feierten.

Wer zweifelt, ob die Fan-Meilen zur WM angenommen werden, wird bei einem Gang über die Berliner Straße des 17. Juni, wo vier Wochen lang das größte deutsche WM-Fest mit Großleinwänden steigt, eines Besseren belehrt. Mexikanische Studenten haben es sich auf dem Asphalt bequem gemacht, ein Tross aus Paraguay verbreitet Karnevalsstimmung, viel Schwarz-Rot-Gold ist zu sehen, nicht nur bei den eingefleischten Fans. Die Besucher sind gut gelaunt und ausgelassen. "Jetzt geht's lo-ho-os" und andere Schlachtgesänge tönen durch den Tiergarten. Wer mäkeln will, findet eher Kleinigkeiten: Das Brandenburger Tor ist hinter der Bühnenleinwand mit den Sponsoren kaum zu sehen, die Cola kostet 3,50 Euro - und gleich mehrmals am Abend "Football's Coming Home" zu hören, ist auch nicht jedermanns Sache.

Die Eröffnungsparty war als Entschädigung für die von der Fifa abgesagte Gala im Olympiastadion gedacht. Das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" passt zu diesem Tag. Mitten in der Menge steht zum Beispiel Marco Martinez aus Costa Rica, der für alle drei Vorrundenspiele seines Landes Karten hat. Er glaubt an ein 3:2 seiner Landsleute zum WM-Auftakt gegen Deutschland und sagt über die Gastgeber: "Ein wunderbares Land mit wunderbaren Leuten." Eine amerikanische Touristin findet alles "sehr sauber" und freut sich über die WM-Begeisterung, etwas ähnliches gebe es in den USA nicht. Hilda Munare aus Tansania lobt, Deutschland sei "sehr gut vorbereitet."

Anders als der Costa Ricaner Martinez hat keiner der befragten deutschen Fans eine Karte. Für sie sind die Großleinwände ein Trostpflaster. "Besser als am Fernseher", sagt der Brandenburger Patrick Arnold. Sein Kumpel zählt seine erstandenen Souvenirs in Schwarz-Rot-Gold auf: T-Shirt, Flaggen, Hut und Schweißbänder. "Nur die Unterhose fehlt noch." Am Fifa-Stand sind die Trikots der Nationalmannschaft der Renner. Der Flop: Goleo. Der WM-Löwe erklärt später auf der Bühne via Barbara Schöneberger, die die ZDF-Show rustikal wie flapsig moderiert, warum er keine Hosen trägt: Weil er aus Afrika kommt und es dort sehr warm ist.

Während in Hannover Lokalmatadore wie Heinz Rudolf Kunze und die Scorpions auftreten, sorgen in Berlin die Simple Minds, Nelly Furtado, Ronan Keating und besonders die rockigen Sportfreunde Stiller für Stimmung. Heiß begehrt sind die zehn Finalbälle, die die Fußball-Weltmeister Pelé, Bobby Charlton und Paul Breitner sowie der frühere DDR-Auswahlspieler Jürgen Sparwasser in die Menge schießen. Das Ständchen für die WM-Elf ist ein Vorgeschmack auf künftige Fangesänge: "Wo wehen die Fahnen Schwarz-Rot-Gold? - Im Finale/Wann geht Deutschland nicht aufs Klo?- Beim Finale/Euch erwartet ganz Berlin - Zum Finale."

Beim Duett von Gianna Nannini und Andrea Bocelli leuchten die Feuerzeuge im Publikum. Für das Finale hat Regisseur Sönke Wortmann legendäre Fußballszenen und historische Momente zusammengestellt, dazu blitzen Laserstrahlen über das Blätterdach im Tiergarten. Die Blechbläser der Berliner Philharmoniker spielen zum Abschied das Lied von der Berliner Luft. Dann strömt die Menschenmenge durch die lauschige Frühsommernacht nach Hause. Bald sind es nur noch Stunden bis zum Anpfiff.

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