Fußball
Erster Weltmeister vor 75 Jahren

Vor 75 Jahren wurde in Südamerika der erste Weltmeister der Fußball-Geschichte gekrönt. In Deutschland bekam niemand etwas von Uruguays Triumph mit, weil sich das Interesse der Medien auf andere Ereignisse konzentrierte.

Geschichten, wie die vor 75 Jahren, werden immer wieder gerne erzählt, weil sie heute als äußerst ungewöhnlich angesehen werden. Das Interesse Europas an der Weltmeisterschaft hielt sich in Grenzen und auch den wohl ungewöhnlichsten Torschützen der Fußball-Geschichte bemerkte in Deutschland niemand.

Schwere Geburt für WM

Vom drohenden Eklat vor dem Endspiel wegen eines Streits um den Ball. Oder von der riesigen Euphorie-Welle in Südamerika, die den alten Kontinent nicht erreichte.

Am 30. Juli 1930 gewann Gastgeber Uruguay durch ein 4:2 im Finale gegen Argentinien die erste Fußball-Weltmeisterschaft. Dass damals selbst in Deutschland kaum jemand etwas von der mittlerweile größten Einzelsport-Veranstaltung der Welt wissen wollte, verdeutlicht die schwere Geburt der WM.

Vor 75 Jahren zog der Deutsche Fußball-Bund (DFB) genau wie alle anderen großen europäischen Verbände nie ernsthaft in Erwägung, die Odyssee ins ferne Südamerika anzutreten. DFB-Präsident Felix Linnemann stieß nicht nur die gut zweiwöchige Schiffsreise bitter auf. Das vor allem im Gastgeberland grassierende Profitum war im DFB verpönt.

Schmeling und Tour wichtiger

Vom Turnier berichteten die Medien allenfalls in Randnotizen. Die Klub-EM in Genf (u.a. mit der Spvgg Fürth), aber vor allem der frisch gekürte Box-Weltmeister Max Schmeling oder die Tour de France waren weitaus wichtiger.

Ohnehin war die Forderung nach einer "internationalen Meisterschaft", die der Weltverband Fifa kurz nach seiner Gründung bereits 1905 geäußert hatte, von den nationalen Verbänden nur müde belächelt worden. Erst beim Fifa-Kongress am 25. Mai 1928 in Amsterdam fand der Tagesordnungspunkt 13 ("Coupe du Monde") nach zähem Ringen hinter den Kulissen die Mehrheit der 28 anwesenden Verbände - im Nachhinein wohl der wichtigste Beschluss in den Fifa-Annalen.

Dass zwei Jahre später dann trotz der verheerenden Folgen der Weltwirtschaftskrise tatsächlich die erste WM stattfand, war vor allem Dr. Enrique Buero zu verdanken. Der Fifa-Vizepräsident aus dem wohlhabenden Uruguay sicherte allen Teilnehmern freie Kost und Logis zu. Selbstverständlich erhielt der Olympiasieger von 1924 und 1928 den Zuschlag.

Mit dem Schiff nach Montevideo

Dennoch reisten nur die damals zweitklassigen Fußball-Nationen Frankreich, Belgien, Jugoslawien und Rumänien aus Europa Richtung Spielort Montevideo. Mit Ausnahme der jugoslawischen Delegation stachen alle Vertreter des alten Kontinents am 21. Juni 1930 mit dem italienischen Dampfer Conte Verde in See. An Bord war neben Fifa-Präsiden Jules Rimet auch die WM-Trophäe, die später seinen Namen tragen sollte. Nach einem Stopp in Rio de Janeiro, wo die Brasilianer zustiegen, erreichte das Schiff am 4. Juli Montevideo.

In dem mit 13 Teams ausgetragenen Turnier erreichten aus Europa nur die Jugoslawen als einer der vier Gruppensieger der Vorrunde das Halbfinale, alle andere Teams aus Übersee waren in Montevideo chancenlos. Aber auch die nur aus Serben bestehende jugoslawische Auswahl ging in der Runde der letzten Vier beim 1:6 gegen Uruguay förmlich unter. Nachdem auch Argentinien die USA 6:1 bezwungen hatte, spielten im Finale Olympiasieger gegen Südamerika-Champion.

Streit um den Ball

Am 30. Juli drängten sich 90 000 Fans in das neu erbaute Estadio Centenario, obwohl offiziell nur knapp 70 000 hineinpassten. Die Zuschauer mussten auf den Anpfiff lange warten, denn beide Teams brachten ihren eigenen Ball mit und weigerten sich standhaft, das Leder des Gegners zu benutzen. Der belgische Schiedsrichter John Langenus ließ in der ersten Hälfte mit dem argentinischen, in der zweiten mit dem uruguayischen Ball spielen.

Die Gastgeber drehten nach der Pause die 2:1-Führung der "Gauchos" und gewannen verdient 4:2. Den letzten Treffer erzielte Hector Castro in der 89. Minute. Der 25-Jährige, einer der herausragenden Akteure des Turniers, hatte nur einen Arm und spielte mit einer Prothese.

So überschwänglich die Begeisterung im Estadio Centenario damals auch war - heute sind die größten Fußball-Helden in Uruguay nicht mehr die von 1930. 20 Jahre später machte das Team um den Siegtorschützen Alcides Edgardo Ghiggia vor 200 000 Zuschauern im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro gegen Gastgeber Brasilien Uruguay erneut zum Weltmeister. Und 1950 hatte die WM schon eher das Format, das auch ihre 18. Ausgabe ab dem 9. Juni 2006 in Deutschland haben wird.

© SID

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