Euro 2012
Ukraine und Polen hoffen auf reiche Ernte

Für die Ukraine ist die Ausrichtung der Fußball-EM in erster Linie eine Imagesache. In Polen, wo die Milliarden-Investitionen für das Turnier wie ein Konjunkturprogramm wirkten, sieht die Lage völlig anders aus.
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KiewWer hätte das vor einem Jahr gedacht: Sechs Monate vor Anpfiff der Fußball-EM sind die Ukrainer mit dem Bau der Stadien fertig - und ausgerechnet die fleißigen Polen hinken dem Zeitplan hinterher. Eigentlich galt das arme und politisch chaotische Schwellenland vor der östlichen EU-Haustür als Sorgenkind, dem Uefa-Chef Michel Platini mehrfach mit der Verlegung von Spielen gedroht hatte. Das waren die Ukrainer irgendwann leid. Nach Rund-um-die-Uhr-Schichten stellten sie die beiden Stadionneubauten in Kiew und Lwiw fertig - Plan erfüllt und übererfüllt, hätten die Sowjets gesagt.

Für die Ukraine ist die Ausrichtung der Fußball-EM in erster Linie eine Imagesache: Das Land will als eigenständige Nation wahrgenommen werden, die in die EU strebt - nicht länger als Anhängsel des großen Nachbarn Russland. Darum segnete die Regierung des Landes, das trotz Wachstums noch immer auf externe Hilfskredite angewiesen ist, den mit 600 Millionen Euro teuersten Stadionumbau der Welt ab.

Schön und pompös soll es aussehen, das Endspiel-Stadion "Olimpiyskiy" in Kiew. Dass der sündhaft teure Sporttempel, bei dessen Bau manch ein korrupter Beamter reich geworden ist, niemals wirtschaftlich genutzt werden kann, ist Nebensache: Das Stadion wird von einem Unternehmen betrieben, das dem verschuldeten Staat gehört.

Einer Studie zufolge haben die Bauarbeiten im Vorfeld der EM pro Jahr rund 600.000 Beschäftigte gebunden. Zum Turnier selbst erwartet allein die Stadt Kiew bis zu einer Million Fans, von denen zumindest ein Fünftel aus dem Ausland anreisen wird. "Wenn das Turnier nach Plan läuft, wird die Ukraine einen riesigen Imagegewinn verbuchen können", sagt Michael Hamalij, ein Deutscher, der die Stadt Kiew bei der EM-Vorbereitung berät.

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