Europa League
Mit den Gedanken bei Inter, mit dem Herz bei Malanda

Viele hatten nach Junior Malandas Tod einen Einbruch beim VfL Wolfsburg befürchtet. Doch in der Rückrunde scheint der Bundesligazweite eher noch stärker zu sein. In der Europa League soll nun der nächste Coup folgen.
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MailandVergessen ist Junior Malandas Unfalltod beim VfL Wolfsburg nicht. Aber verarbeitet zum größten Teil schon. Und das überraschend gut. Wenn der VfL am Donnerstagabend im Achtelfinale der Europa League zu Gast bei Inter Mailand ist, dann sind die „Wölfe“ Favorit. Und nach dem 3:1 Heimsieg im Hinspiel, steht der Tabellenzweite der Bundesliga auch schon so gut wie in der nächsten Runde.

Wolfsburg ist nicht nur in der Liga auf Champions-League-Kurs, das Team spielt auch einen Fußball, der reif scheint für die Königsklasse. In Wolfsburg führte Inter, in der Serie A Tabellensiebter und nur noch ein Schatten vergangener Tage, sogar mit 1:0. Am Ende überrollte der VfL die chancenlosen Italiener dennoch, angeführt vom überragenden Kevin De Bruyne.

„Bei Kevin fehlen die Vokabeln“, erklärte VfL-Trainer Dieter Hecking unlängst und Torhüter Diego Benaglio ergänzte: „Was Kevin spielt, ist Weltklasse.“ Kein Wunder, dass das Belgische Mega-Talent längst im Fokus diverser Spitzenklubs stehen soll.

Doch De Bruyne, so versichert Manager Klaus Allofs den Fans, „will nicht gehen“. Natürlich, in Wolfsburg lässt es sich gut verdienen. Fünf Millionen jährlich soll De Bruyne bei dem vom Mutterkonzern VW mit reichlich Mitteln ausgestatteten Verein kassieren. Doch darüber hinaus vermittelt die Mannschaft tatsächlich ein Bild echten Zusammenhalts.

Wenn Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs über die Verarbeitung von Malandas Tod spricht, klingt das so: „Unsere Resultate sind nicht negativ beeinflusst worden“. Die Gedanken an Malanda aber sind auch gut zwei Monate nach der Tragödie auf der A2 bei Porta Westfalica, bei der das belgische Top-Talent im Alter von nur zwanzig Jahren starb, immer noch präsent.

In jedem Heimspiel, in dem die Fans des Fußball-Bundesligisten den Namen Malandas als eine Art Ritual skandieren. Auf dem VfL-Gelände, wo es eine Art Gedenkraum für die Profis gibt. Oder auch auf Allofs' Schreibtisch, wo der Manager Malanda immer noch sehen kann.

„Junior ist ja nicht aus unserer Welt ausgelöscht worden. Wir haben Bilder von ihm. Wenn ich jetzt hier schaue habe ich auch ein Bild von ihm. Das führt dazu, dass man immer wieder mal zu ihm zurückehrt und dass man daraus auch eine Kraft ziehen kann“, erzählt Allofs.

Und diese Kraft ist beeindruckend. Noch in der Winterpause war Dieter Hecking skeptisch. Der VfL-Trainer, der selbst immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt wurde, als er am Tag nach Malandas Tod über die Tragödie sprechen musste, wies kurz vor dem Rückrundenstart gegen Bayern München auf die problematischste Vorbereitungsphase seiner bisherigen Trainerkarriere hin. „Ich wünschte, wir hätten noch eine Woche mehr Zeit“, hatte Hecking geradezu gefleht und betont, dass seine Spieler – verständlicherweise – im Trainingslager in Südafrika nicht immer „hundertprozentig konzentriert waren“.

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Der Einbruch blieb aus

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