Europa League
Tuchels BVB erspielt sich Favoritenrolle

44 Spiele und nicht müde: Borussia Dortmund hat in dieser Saison mehr Partien bestritten als jeder andere Bundesligist – und fliegt doch von Erfolg zu Erfolg. Trainer Tuchel ist zufrieden und nimmt die Favoritenrolle an.

London, DüsseldorfThomas Tuchel wirkte stolz wie selten. Der erste Sieg eines deutschen Teams an der altehrwürdigen White Hart Lane versetzte den Dortmunder Trainer regelrecht in Euphorie. „Es war ein großer Anreiz für uns, das zu schaffen“, schwärmte der Fußball-Lehrer nach dem 2:1 (1:0) bei Tottenham Hotspur, „ich finde es absolut bemerkenswert, welche Haltung die Mannschaft zeigt - und das alle drei Tage.“ Zu seinem Wohlgefallen strotzte der BVB auch in der sechsten englischen Woche in Serie vor Tatendrang: „Es ist ein großes Vertrauen zwischen uns entstanden. Die Spieler bringen den Klebstoff ein, der alles zusammenhält.“

Obwohl kein deutsches Team in dieser Saison mehr Partien bestritten hat als der BVB (44), sind Abnutzungserscheinungen nicht erkennbar. Selbst die komfortable Ausgangslage nach dem 3:0 eine Woche zuvor im Hinspiel verleitete niemanden, es in London gemächlicher angehen zu lassen. Der Erfolgshunger seiner Mitstreiter ist nach Einschätzung von Roman Weidenfeller noch lange nicht gestillt: „Wir wollen weiter für Furore sorgen.“ Selbstsicher fügte der Torhüter an: „Wir haben den Tabellenzweiten aus England sowohl im Hin- als auch im Rückspiel beherrscht. Das ist ein echtes Ausrufezeichen.“

Die souveränen Leistungen in der Europa League machen die Dortmunder inzwischen auch zum Top-Favoriten auf den Gewinn der Trophäe. Wer den Zweiten der englischen Liga so ungefährdet abfertigt, braucht auch Top-Teams wie Sevilla, Liverpool oder Villareal nicht zu fürchten. Auf wen die Schwarz-Gelben im Viertelfinale treffen, muss die heutige Auslosung zeigen. Liverpools Trainer Jürgen Klopp, bis zur vorigen Saison selbst Coach in Dortmund, weiß jedenfalls, dass er seinen Ex-Verein lieber vermeiden möchte. „Ich bin doch nicht dumm“, sagte Klopp auf die Frage, ob er sich ein direktes Duell wünsche. Der BVB wiederum fühlt sich in der Favoritenrolle offenbar pudelwohl.

Die famose Rückrunden-Bilanz mit nunmehr zwölf Siegen und zwei Remis gibt Rückenwind für die entscheidenden Wochen in Meisterschaft, DFB-Pokal und Europa League. „Wir sind voller Selbstvertrauen und streben in jedem Spiel nach Perfektion - auch wenn das auf diesem Niveau sehr schwer ist“, sagte Marco Reus. Bei aller Zufriedenheit über den anhaltenden Höhenflug seines Teams sehnt Tuchel jedoch eine geringere Taktzahl als zuletzt herbei. „Ich freue mich, wenn Länderspielpause ist. Aber wir sind in Augsburg schon noch einmal bereit“, sagte er mit Blick auf die kommende Partie am Sonntag beim Bundesliga-13.

Wie so oft in dieser Saison war auch in der englischen Hauptstadt Wieder einmal Verlass auf Pierre-Emerick Aubameyang. Mit seinen Saison-Pflichtspieltoren 34 und 35 (24. und 71. Minute) stellte Afrikas „Fußballer des Jahres“ den Sieg fast im Alleingang sicher. Beim Versuch, Tottenham daheim zu schlagen, waren bisher sieben deutsche Teams gescheitert. „Auba strahlt ein großes Selbstvertrauen aus, ich freue mich sehr, dass es in einem besonderen Spiel wieder zwei Mal geklappt hat“ kommentierte Tuchel, „wenn er fleißig und bescheiden bleibt, kann alles gehen“.

Einziger Schönheitsfehler des reifen Auftritts war der Lapsus des bis dahin starken Hummels-Ersatzes Neven Subotic. Sein zu kurzer Rückpass auf Keeper Weidenfeller, den der ehemalige Bundesliga-Profi Heung-Min Son (74.) zum 1:2 nutzte, brachte die Borussia um das elfte Zu-Null-Spiel seit der Winterpause. Dennoch lobte Subotic die Abwehrarbeit aller Beteiligten. „Es kamen kaum gefährliche Chancen für Tottenham zustande. Es war nach der Pause nichts Dramatisches mehr dabei“ befand der Serbe. Augenzwinkernd fügte er hinzu: „Von meiner Vorlage auf Son einmal abgesehen.“

Die guten Leistungen kommen der gesamten Bundesliga zugut. Das bisherige internationale Abschneiden hat den zweiten Platz Deutschlands in der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union gefestigt. Das Weltmeister-Land kommt nach der jüngsten Erhebung der UEFA vom Freitag auf 78 891 Punkte und damit auf über 4000 Zähler mehr als England auf Rang drei (74 784). An der Spitze bleibt unangefochten Spanien (100 713).

Aus der Primera Division sind im Viertelfinale der Champions League noch drei Mannschaften vertreten: Titelverteidiger FC Barcelona, Ex-Champion Real Madrid und Atlético Madrid. In der Europa League kommen ebenfalls von acht noch verbliebenen Mannschaften drei aus Spanien: Titelverteidiger FC Sevilla, Athletic Bilbao und der FC Villarreal, der sich gegen Bayer Leverkusen durchgesetzt hatte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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