Ex-Coach äußert sich zur Trainerdiskussion
Vogts fordert Klinsmann-Verbleib nach der WM

Ex-DFB-Coach Berti Vogts hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann ein glänzendes Zeugnis ausgestellt und an den DFB appelliert, über seinen Schatten zu springen und den 41-Jährigen langfristig zu binden.

Der ehemalige DFB-Chefcoach Berti Vogts hat sich in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst hinter Bundestrainer Jürgen Klinsmann gestellt und einen Verbleib des 41-Jährigen, auch über die Weltmeisterschaft hinweg, gefordert. "Ich hoffe, dass DFB-Präsident Theo Zwanziger die Power hat, Klinsmann zu überzeugen, dass er seinen Vertrag verlängert. Den Weg, den Klinsmann geht, ist der einzig richtige", erklärt der 59-Jährige im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Zugleich forderte der Europameister-Coach von 1996, dass der DFB ähnlich wie bei der Verpflichtung von Klinsmann "noch einmal über seinen Schatten springt und die Einführung von Eliteschulen beschließt".

Nach Meinung von Vogts müssten die 14-Jährigen "weg vom Verband zu großen Bundesligavereinen, weil diese Altersklasse mehr unter Druck trainieren und spezielle Übungen machen muss. Das können die Verbandstrainer nicht leisten." Dass dies der nächste Schritt sein muss, sehe Klinsmann genauso. Auch deshalb sei es wichtig, dass er Bundestrainer bleibt.

Vogts sieht keine Klinsmann-Alternative

Vogts, der im Sommer 2004 maßgeblich dafür verantwortlich war, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach der Demission von Rudi Völler den früheren DFB-Kapitän Klinsmann in dessen kalifornischer Wahlheimat aufsuchte und ihm das Bundestraineramt anbot, sieht weit und breit keine Alternative zu seinem ehemaligen Schützling.

"Er hat alles umgesetzt, was nötig war"

"Er hat all das umgesetzt, was nötig war, um den deutschen Fußball aus seiner Lethargie zu wecken. Deshalb ist es wichtig, dass er mit dieser ausbaufähigen Mannschaft seinen Weg weitergeht", sagt der 96-malige Nationalverteidiger, der zuletzt verbal ähnlich gebissen hat wie zu seinen besten Zeiten als "Terrier".

Mit provokanten Thesen stellte der ehemalige schottische Teammanager die deutschen Profis in ein schlechtes Licht: "Deutsche Fußballer brauchen keine Regeneration. Kein deutscher Fußballer ist so übersäuert und übermüdet. Im Gegenteil, wir trainieren zu wenig. Andere Sportler trainieren täglich sechs Stunden", merkt der Weltmeister von 1974 an und sieht darin auch einen Grund, "dass viele Nationen mittlerweile an uns vorbeigezogen sind".

Genau dieses Problem habe Klinsmann erkannt, der mittlerweile für seine Arbeit "zu Recht" auch viel Respekt und Applaus bekomme. "Damals haben wir aber auch schon mit ähnlichen Methoden gearbeitet. Unser Training war auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse abgestimmt, allerdings nur auf die deutscher Experten. Zudem haben wir das nicht so an die große Glocke gehängt", berichtet Vogts. Auch die Philosphie Klinsmanns, der immer wieder den "Teamspirit" herausstelt, sei keine neue Erkenntnis: "Diese Philosophie hatten wir 1996 und 1998 auch. Bei uns hieß es auch: "Der Star ist die Mannschaft."

Freude über positive Resonanz

Dass Klinsmann und sein riesiger Tross von Spezialisten trotz anfänglicher Skepsis mittlerweile in der Öffentlichkeit eine positive Resonanz haben, freut Vogts. Mit Verwunderung stellt er aber fest, dass er selbst für eine ähnliche Arbeitsweise vor sechs Jahren als Chefcoach von Bayer Leverkusen Hohn und Spott geerntet hat: "Als ich Coach in Leverkusen war, wurde ich angemeckert, weil ich einige Spieler zum individuellen Nachmittagstraining lud. Zudem konnte keiner verstehen, dass ich von der Tribüne aus meine Beobachtungen gemacht und Spezialisten einen Teil der Trainingsarbeit überlassen habe. Bei der Nationalmannschaft ist das nun selbstverständlich", stellt er fest.

Das ist aber Vergangenheit, ebenso wie das Viertelfinalaus 1998 bei der WM in Frankreich gegen Kroatien. Sauer wird er aber, wenn er auf die jüngsten Aussagen von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder zu sprechen kommt, der den Viertelfinaleinzug bei der WM als Erfolg für die deutsche Mannschaft bezeichnet hat. "Er war 1998 unser größter Kritiker, als wir im Viertelfinale ausgeschieden sind. Deshalb ist es mehr als unklug, wenn er jetzt so etwas sagt. Dafür habe ich wenig Verständnis."

© SID

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