Ex-Teamchef blickt zurück
Völler beneidet Klinsi nicht

Rudi Völler möchte kurz vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft nicht mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann tauschen.Der Ex-Teamchef, unter dem die DFB-Auswahl das WM-Finale 2002 erreichte,blickt dennoch mit gemischten Gefühlen auf seinen Rücktrittsentschluss zurück.

HB LEVERKUSEN. Der ehemalige DFB-Teamchef, Rudi Völler, hätte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wohl auch während der Weltmeisterschaft im eigenen Lande betreuen können. Doch mit seinem Rücktritt nach dem enttäuschenden Abschneiden der DFB-Auswahl bei der Europameisterschaft 2004 zog Völler seine persönlichen Konsequenzen, obwohl die DFB-Spitze wohl auch weiterhin auf ihn gesetzt hätte. Der einstige Weltklasse-Stürmer sah sich verbraucht, ein Nationalcoach werde nun mal an den Erfolgen gemessen. "Als ich das Amt 2000 übernommen hatte, gab es so Stimmen: Wenn es in Japan und Südkorea nicht so läuft, sei es ja nicht so schlimm. Hauptsache 2006. Das ist ja völliger Schwachsinn", betonte Völler. Die Zeiten eines Sepp Herberger oder auch eines Berti Vogts seien vorbei, als es für Bundestrainer quasi noch lebenslängliche Verträge gegeben hat. "Du kannst nur noch planen für zwei Jahre, weil du immer vom Erfolg abhängig bist. Jedes Turnier, ob EM und WM, ist wichtig", begründete Völler seinen Entschluss zum Rücktritt.

Es sollte Völlers Weltmeisterschaft werden und die Pläne mit dem heimischen Leverkusen als Trainingszentrum lagen schon in der Schublade des EX-Teamchef bereit. Das Schloss Lehrbach in Bergisch-Gladbach war als WM-Hotel ausgesucht. Heute, fast zwei Jahre nach seinem Rücktritt sieht es Völler gelassen: "Das Ding ist durch. Ich bin froh, dass es so ist", sagte er am Rande des WM-Testspiels Deutschland gegen Japan. "Diese Euphorie zu entfachen wie Jürgen Klinsmann - das wäre für mich viel schwieriger gewesen", glaubt "Rudi Nationale" rund zwei Jahre nach jener Juni-Nacht im portugiesischen Almancil, in der er die Brocken hingeworfen hatte. Ein neuer, "unbelasteter" Coach sollte versuchen, die WM-Mission zum Erfolg zu führen: "Es musste einfach etwas Neues her."

Ob Völler, mittlerweile Sportdirektor bei Bayer 04 Leverkusen, noch eine Träne im Knopfloch habe, wollten beim Gastspiel seines Ex-Teams in der BayArena viele wissen. "Nein, nein, nein. Es war ja meine Wahl, ich hätte ja da sitzen können", entgegnete der Ex- Nationalspieler, der bei 53 Länderspielen von 2000 bis 2004 als Teamchef auf der Bank gesessen hatte. Leverkusen tat Völlers Rücktritt besonders weh: Als WM-Spielort war die Chemie-Stadt wegen des zu kleinen Stadions schon vorher gescheitert, die deutsche Nationalmannschaft bezieht ihr WM-Quartier nun in Berlin statt am Rhein. "Wenn sich der neue Verantwortliche neue Gedanken macht, ist das doch normal und logisch", sagt Völler heute.



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Vor 20 Monaten hatten die Verantwortlichen bei Bayer noch ganz anders reagiert, fühlten sich von Klinsmann und dem DFB verladen. Wenigstens für das WM-Testspiel gegen Japan hatte Bundestrainer Jürgen Klinsmann nun Völlers "Wohnzimmer" gebucht. "Mit dieser großen Euphorie der Zuschauer und dem Heimvorteil ist alles möglich", meinte Völler. Er hält einen ähnlichen Turnier-Verlauf wie vor vier Jahren für möglich, als er mit der Nationalelf in Asien bis ins WM-Finale gegen Brasilien (0:2) vorstieß. Vor allem Michael Ballack gönnt Völler nach seiner Gelb-Sperre in Yokohama eine zweite Final-Chance: "Die wurde ihm jäh gestohlen - auch wenn es berechtigt war." Die Entwicklung unter Klinsmann, mit dem Völler 1990 gemeinsam den WM-Titel gewann, hat er genau verfolgt. "Es ist genauso gekommen, wie ich es vorausgesagt habe", erklärte Völler mit Hinweis auf die neuen Methoden und die neue Stimmung bei der Nationalelf. "Du musst immer alles dafür tun, damit du erfolgreich bist. Da sind manchmal Kleinigkeiten entscheidend."

Als TV-Experte bei RTL wird Völler die WM analysieren, seinen ehemaligen Sturmpartner Klinsmann will er im Fernsehen aber nicht beurteilen. Bereits als Profis seien sie unterschiedliche Typen gewesen. "Schon als Spieler habe ich es gern etwas ruhiger gehabt", erzählte Völler. Klinsmann hat dagegen die lebendige Hauptstadt als WM-Quartier ausgewählt.

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