Ex-Torschützenkönig Christiansen
„Bei Barca durfte Pep alles machen“

In Barcelona hatte Guardiola freie Bahn, dort war er „teilweise größer als der Club“, sagt der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Christiansen. In München wird dies anders sein, gibt er zu bedenken.
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Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Thomas Christiansen kennt Bayerns neuen Startrainer Pep Guardiola aus gemeinsamen Spielertagen beim FC Barcelona. Außerdem sind sie Nachbarn und wohnen nur 500 Meter auseinander in dem 30 Kilometer von Barcelona entfernten Küstenort Llavaneres. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa spricht der ehemalige Fußball-Profi des VfL Bochum und von Hannover 96 über das größte Anpassungsproblem, das Guardiola in München erwarten könnte.

Herr Christiansen, Sie kennen Pep Guardiola seit vielen Jahren. Wo sehen Sie Probleme auf ihn in München zu kommen?
Christiansen: Beim FC Barcelona durfte Pep alles machen. Dort war er beliebter als der Präsident Joan Laporta und teilweise größer als der Club selbst. Das wird beim FC Bayern anders sein. Dort gibt es viele starke Männer: Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer.

Einige Trainer sind in München an der Machtfülle der Bayern-Bosse gescheitert....
Davon gehe ich jetzt nicht aus. Guardiola wird sich daran gewöhnen müssen, dass der Sportdirektor neben ihm auf der Bank sitzt und sich eventuell in seinen Arbeitsbereich mit einmischt. In Barcelona hat Pep dafür gesorgt, dass alles, was in der Kabine gesprochen wird, nicht nach draußen dringt. Ich denke, das wird in München schwieriger sein, weil hier viele Leute mitreden wollen.

Wie wichtig ist es, dass Guardiola die deutsche Sprache beherrscht. Bei seiner offiziellen Vorstellung hat er bereits deutsch gesprochen?
Sehr wichtig. Ich habe es während meiner Zeit als Spieler in Deutschland erlebt. Als Trainer ist es aber noch wichtiger, sich in der Landessprache ausdrücken zu können. Seine Stärke ist die Empathie, das muss er den Spielern sprachlich vermitteln können.

Glauben Sie, dass er mit der deutschen Kultur Probleme bekommen könnte?
Das weiß ich nicht. Als ich gehört habe, dass Pep Trainer beim FC Bayern München wird, habe ich seinen Bruder Pere angerufen und ihn gefragt, ob ich ihn zu Beginn nicht quasi als Kulturführer unterstützen soll. Ich spreche gut deutsch und perfekt spanisch. Außerdem verfüge ich über fünf Jahre Erfahrung in Deutschland. Er hat mich aber nicht zurückgerufen. So ist er eben, er will es alleine schaffen, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden.

Sie wären gerne auch sein Co-Trainer in München geworden, oder?
Stimmt, ich habe seit 2008 die A-Lizenz und wäre sehr gerne Guardiolas Assistent geworden. Dazu ist es aber nicht gekommen. Ich habe dann einen Vertrag beim Al-Jazira Club in Abu Dhabi unterschrieben.

Sie haben mehrere Jahre zusammen mit Pep Guardiola in Barcelona gespielt. Wie haben Sie ihn als Spieler wahrgenommen?
Er war ein netter Kerl mit einem sehr guten Fußballverständnis - kein Wunder, er hat im defensiven Mittelfeld gespielt. Für mich war es daher nicht überraschend, dass er später Trainer geworden ist.

Glauben Sie, dass Guardiola gut zum FC Bayern passt?
Mit seinen Qualitäten passt er sehr gut zu einem so erfolgreichen Club wie den Bayern. Auch seine Philosophie mit offensiven Außenverteidigern und einem dominanten Mittelfeld das Spiel zu bestimmen, passt gut zu den Bayern. Er ist ein Trainer, der gerne breit spielen lässt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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