Explosion des Schalkers bleibt aus
Kuranyi versagt beim Spießrutenlauf

Dem Spießrutenlauf folgte das große Schweigen. Kevin Kuranyi sagte gar nichts. Kein Kommentar zu den ständigen Pfiffen von den Rängen, kein Kommentar zu seiner schwachen Leistung, kein Kommentar zum Punktgewinn von Schalke 04 durch das 1:1 (1:0) in einem hochklassigen Bundesliga-Spitzenspiel beim Hamburger SV. Kuranyi wollte am liebsten abtauchen, fliehen wie bei der Nationalmannschaft.

HB HAMBURG. Kevin Kuranyi war bei seiner ersten Bewährungsprobe nach der Flucht aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wie gelähmt. Nur 18 Ballkontakte, jeder begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert aus dem Publikum des Hamburger SV, und lediglich drei (von insgesamt 13) gewonnene Zweikämpfe - das war das traurige Bild, das der Schalker Stürmer nach seiner Selbst-Ausbootung bei der DFB - Auswahl abgab. "Ich hätte eine Explosion von Kuranyi erwartet, aber nun bin ich sehr enttäuscht von ihm", sagte HSV-Idol Uwe Seeler am Sonntag nach dem 1:1 im Bundesliga-Spitzenspiel. Kuranyi gingen die Schmährufe offenbar dermaßen auf die Nerven, dass er zum schlechtesten Mann auf dem Platz avancierte. "Offensichtlich kommt er mit seiner Situation doch nicht so klar", stellte Seeler fest.

Der 26-Jährige erlebt derzeit wohl die härteste Phase seiner Profikarriere und wird das Uefa-Cup-Spiel am Donnerstag (18.15 Uhr/live im ZDF) gegen Paris St. Germain herbeisehnen. Endlich ein Heimspiel, die Hoffnung auf Fans, die ihn lieben und unterstützen. So wie es bereits die etwa 5 000 mitgereisten Schalke-Anhänger in der HSV-Arena taten. Mit ihren "Kuranyi"-Sprechchören kamen sie gegen die Schmähungen der HSV-Fans aber kaum durch.

Bei jedem Ballkontakt wurde der Angreifer ausgepfiffen. Es hätte allerdings noch weitaus lautstärker zugehen können, hätte Kuranyi in seiner schwierigen Situation so etwas wie Normalform geboten. 18-mal nur mussten die Hamburger Anhänger die Finger zum Pfeifen in den Mund stecken, mehr Ballkontakte hatte der Deutsch-Brasilianer nicht.

Nach einer guten Stunde hatte Schalkes Trainer Fred Rutten ein Einsehen und wechselte seinen eigenwilligen Stürmer aus. "Kevin war kaputt und körperlich nicht in der Lage durchzuspielen", verteidigte ihn der Niederländer, der die nationale Reizfigur unter der Woche im Training geschont hatte. "Er hat ja zuletzt nach den Vorfällen mit der Nationalmannschaft weniger trainiert." Natürlich schützen die königsblauen Verantwortlichen ihren Torjäger. Einen Maulkorb hatten sie ihm aber nicht gegeben. Reden wollte der Verzagte dennoch kein einziges Wort nach dem traurigen Gastspiel. "Es tut weh, Kuranyi zuzusehen", fand Premiere-Kommentator Marcel Reif und brachte die Situation auf den Punkt: "Es ist, als wäre er nicht da. Er verdient unser Mitgefühl."

Seite 1:

Kuranyi versagt beim Spießrutenlauf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%