Fan-Bericht aus dem Dortmunder Stadion
„Vorbildliches Krisenmanagement“

Spielabsage in Dortmund: Die Partie zwischen dem BVB und Monaco wird nach einer Sprengstoffattacke auf den Mannschaftsbus abgesagt. Die Fans im Stadion reagieren ruhig und besonnen. Ein Fan über seine Eindrücke.
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DortmundViertelfinale der Champions League, Heimspiel unter Flutlicht und zu Gast ein eher unbekannter und deshalb so attraktiver Gegner: Die Partie in Dortmund zwischen dem BVB und dem AS Monaco sollte in vielerlei Hinsicht eine denkwürdige werden. Sie bleibt nicht sportlich, sondern irgendwie anders in Erinnerung, berichtet ein Fan, der im Stadion war.

Wie so oft bei einem Spiel, das unter der Woche stattfindet, bin ich heute spät dran. Als ich 75 Minuten vor dem Anpfiff am Stadion eintreffe, sind die Tore längst geöffnet und die ersten Fans bereits auf ihren Plätzen. Schnellen Schrittes gehe ich an der Strobelallee am Nordvorplatz des Stadions entlang in Richtung Eingang. Es ist üblich, dass sich die Polizei vor dem Spiel hier versammelt. So ist es auch heute.

Ich bin zwar flott unterwegs, werde allerdings von vier Polizisten noch überholt. Einer von ihnen spricht hastig über Funk mit einem Kollegen. Zahlreiche Beamte eilen zu ihren Autos, schalten Blaulicht und Martinshorn an. Etwa ein Dutzend Mannschaftswagen der Polizei fahren anschließend vom Stadionvorplatz über die Zufahrtsstraße in Richtung Norden. Wahrscheinlich haben sie über Funk von den Explosionen am Mannschaftsbus der Borussia erfahren.

Vorerst läuft alles wie immer

Ein solches Verhalten der Polizei ist eher ungewöhnlich. Ich mache mir zu diesem Zeitpunkt allerdings keine weiteren Gedanken darüber – und die Fans, die sich in meiner Nähe befinden, auch nicht. Danach ist vorerst alles wie immer: Ticket scannen, Leibesvisitation, die Zeit bis zum Anpfiff überbrücken.

Etwa eine Stunde vor dem Anstoß, gegen 19:45 Uhr, sickern erste Informationen über einen Sprengstoffanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus durch. Eilmeldungen erscheinen auf meinem Handy, Neuigkeiten häufen sich. Die Dortmunder Polizei schreibt auf Twitter von einer Explosion im Stadtteil Höchsten.

Verschiedene Medien hatten da schon von einer Attacke auf den BVB-Mannschaftsbus berichtet. Es passt zusammen: Das Teamhotel der Dortmunder befindet sich in diesem gutbürgerlichen Stadtteil im Südosten der Stadt, etwa zehn Kilometer vom Stadion entfernt.

Es wird leicht unruhig. Fans tuscheln, diskutieren, mutmaßen. „Wo ist denn Höchsten?“, fragt ein Anhänger. Dieser Stadtteil zählt eben nicht zu den bekannten Orten in Dortmund. Viele blicken gespannt auf ihr Smartphone. Auch die Ordner scheinen informiert. Eine Spielabsage steht im Raum, ist jedoch noch nicht offiziell bestätigt. Als Stadionsprecher Norbert Dickel gegen 20.00 Uhr ins Mikro spricht, wird es auf und unter den Tribünen schlagartig still. Er berichtet von einem „Vorfall“ bei der Abfahrt des Mannschaftsbusses. Konkreter wird er vorerst nicht.

Für Fans im Stadion bestehe keine Gefahr, versichert Dickel mehrfach – und bittet um Geduld. Von einer Explosion spricht Dickel auch wenige Minuten später nicht, vielmehr ist von „einem gravierenden Zwischenfall“ die Rede. Und erneut der Hinweis, der auch auf den Anzeigetafeln und Fernsehern eingeblendet wird: „Es besteht kein Grund zur Panik innerhalb des Stadions. Sie sind sicher!“ Weitere Informationen sollen zeitnah erfolgen. „Wat ’ne Scheiße“, sagt ein Fan laut. „Aber wat willse machen.“ Sein Begleiter zuckt mit den Schultern. Stille Zustimmung.

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Auf den Rängen herrscht Ruhe

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