Fan-Tumulte bei Fortuna

Szenen eines skandalösen Fußballabends

Fortuna Düsseldorf feiert den Aufstieg in die erste Bundesliga - vielleicht zu früh. Hertha BSC Berlin erwägt, wegen der Fan-Tumulte Protest einzulegen. Wie es zur Eskalation beim Relegations-Rückspiel kam.
Update: 16.05.2012 - 12:18 Uhr 11 Kommentare
Das Chaos-Spiel der Fortuna
Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC
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Der Moment, in dem das Spiel eskaliert: Kurz vor einem Abschlag vom Berliner Tor, etwa eine halbe Minute vor dem Abpfiff stürmen Düsseldorfer Fans das Spielfeld.

Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC
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In dem Chaos kommt es auch zu Handgreiflichkeiten zwischen den Teams: Her rangelt Berlins Christian Lell (2.v.l.) mit Fortuna-Manager Wolf Werner (M) , Düsseldorfs Johannes van den Bergh. Düsseldorf kommt dazu.

German riot police officers arrest fan during Bundesliga soccer division relegation match between Fortuna Duesseldorf and Hertha Berlin in Duesseldorf
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Polizisten führen einen Fortuna-Fan ab, der aufs Spielfeld gestürmt war.

German riot police officers cordon off pitch from fans during Bundesliga soccer division relegation match between Fortuna Duesseldorf and Hertha Berlin in Duesseldorf
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Nur mit massivem Einsatz der Sicherheitskräfte gelang es, die Fans zurück auf die Blöcke zu drängen. Seit der WM 2006 im eigenen Land gibt es zwischen Spielfeld und Zuschauertribünen eine baulichen Trennungen mehr.

Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC
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Für 20 Minuten unterbrochen: Stadionsprecher, Fußballer, Ordnungskräfte und die Trainer forderten die Fans immer wieder auf, das Spielfeld zu verlassen.

Fortuna Duesseldorf's Jovanovic bids German riot policeman to leave pitch during German Bundesliga soccer division relegation match against Hertha Berlin in Duesseldorf
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Düsseldorfs Ranisav Jovanovic in der Diskussion mit Sicherheitskräften während der Spielunterbrechung kurz vor Ende. Die Spieler waren später für kurze Zeit in den Kabinen geflüchtet.

Hertha Berlin's goalkeeper Kraft jumps over burning advertisement board during German first soccer division relegation return match against Fortuna Duesseldorf in Duesseldorf
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Schon vorher drohte das Spiel im Chaos zu versinken: Die Hertha-Spieler (vorne Keeper Thomas Kraft) versuchen, die Feuer vom Platz zu bekommen.

DüsseldorfDer 14-Jährige Björn war proppenstolz auf sein Stück Rasen. Eine halbe Stunde nach dem Abpfiff zeigte er es im Foyer der Esprit-Arena fröhlich seinen Freunden. Eines war ihm aber wichtig: „Ich habe das Stück erst NACH dem Abpfiff herausgeschnitten.“

Auch Luca betonte, dass er sich sein Stück aus dem Tornetz erst dann herausgeschnitten hatte, als die Partie wirklich beendet war. Kein Wunder, dass die jungen Fans das so betonen, denn einige Rüpel hatten mit dem eigentlich so freudigen – in Düsseldorf üblichen – Prozedere deutlich zu früh begonnen.

Die Fan-Tumulte im Relegations-Rückpartie zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC sind eine Schande für den Gastgeber und werden so oder so ein Nachspiel haben. Ganz streng genommen darf sich Düsseldorf noch nicht einmal als Aufsteiger bezeichnen, denn die Hertha wird sehr wahrscheinlich Protest einlegen und entsprechend ist sogar eine Wiederholung des Spiels theoretisch möglich.

Sportrechtsexperte Michael Lehner sieht jedenfalls gute Erfolgschancen für einen möglichen Protest von Hertha BSC: „Das Spiel ist nicht ordnungsgemäß nach dem Prinzip der Chancengleichheit zu Ende gebracht worden. Es gab einen Bruch im Sinne der Spielentwicklung“, sagte Lehner im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid): „Die Mannschaft von Hertha BSC ist durch das Verschulden Dritter einer reellen Chance beraubt worden, das Spiel noch zu gewinnen. Deswegen müsste es aus juristischer Sicht eine Spielwiederholung geben.“ Trotz der Tatschenentscheidung von Schiedsrichter Wolfgang Stark, das Spiel nach 20-minütiger Unterbrechung wieder anzupfeifen, hält Lehner eine juristische Beurteilung für erforderlich. "Das Spiel musste schließlich aus übergeordneten Sicherheitsaspekten fortgeführt werden", sagte Lehner. Bei der Bewertung des Falls müssten aufgrund nicht eindeutiger gesetzlicher Grundlagen Präzedenzfälle betrachtet werden.

Herthas Anwalt Christoph Schlickhardt sagte, die Mannschaft habe sich Todesangst befunden. „Der Schiedsrichter Wolfgang Stark hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern wohl nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern.“

Klar ist, dass solche Ausschreitungen in Zukunft verhindert werden müssen. Und da sind nicht nur die Vereine in der Verantwortung. Hertha-Trainer Otto Rehhagel sagte: „Das war eine Katastrophe. Da muss sich der DFB etwas einfallen lassen, um dem Herr zu werden.“ Die Gewerkschaft der Polizei fordert gar härtere Strafen für randalierende Fußballfans.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat derweil Ermittlungen aufgenommen.

Die Berliner sind nach dem 2:2 am Dienstagabend zum sechsten Mal abgestiegen, Düsseldorf feierte nach dem 2:1-Hinspielerfolg damit die Bundesliga-Rückkehr nach 15 Jahren. „Es ist unsere Verantwortung, darüber nachzudenken. Das sind wir auch unseren Fans schuldig“, erklärte Michael Preetz, Manager des Fußball-Bundesligisten.

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer äußerte sich etwas zurückhaltender über einen möglichen Protest: „Wir haben den Düsseldorfern zum Aufstieg gratuliert“, sagte er. „Ich kann es sportrechtlich nicht beurteilten. Wir werden sehen, ob es eine Prüfung gibt.“ Und es gibt gute Gründe, warum eine Spielwiederholung sportlich und moralisch gerechtfertigt wäre – aber eben auch einige, die dagegen sprechen. Doch der Reihe nach.

Hundertschaft rückte an
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11 Kommentare zu "Fan-Tumulte bei Fortuna: Szenen eines skandalösen Fußballabends"

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  • Ich würde gerne mal wissen, wie es diese Hundertschaften überhaupt in den Innenraum geschafft haben? Schon als Lell den letzten Einwurf machen wollte musste er sich durch ein Dutzend Fans durchmogeln. Ich würde den Fokus mal eher auf die Organisatoren lenken. Dass ein Fan sich schon mal in die erste Reihe mogelt, ist wohl normal. Das er das kann, das ist eher die Schuld des Ausrichters.

    Hertha sollte ein Rückspiel im neutralen Stadion ohne Zuschauer bekommen.

  • jeder der schon mal Fussball oder sonst eine Sport betrieben hat weiss was es bedeutet zwischendurch, wenn man gerade voll im Saft und Adrenalin sthet, mehrmals für mehrer Minuten angehalten wird und Pause machen soll. MAn wird kalt und insbesondere wenn die fans da sind die nur darauf warten auf die Speiler zu stürmen, hätte ich die Hose voll überhaupt aufs gegnereishce Tor zuzughehen und dann ggf. noch ein Tor zu schiessen. Was wäre dann gewesen, die Spieler, der Schiri, etc. wären gelyncht worden. Auch wenn die Hertha über die Saison es vergeigt hat, ist es absolut gegen jede Regel des korrekten Sports. Das wren Umstände die kein korrektes Spiel mehr zugelassen haben, auch wenn es nur ein paar Mainuten waren. Spiel ist Spiel und das mus geregelt ablaufen bis zum Ende durch den Schiri und ohne das die Spieler Angst um ihr Leben haben müssen. Es wäre nur folgerichtig richtig wenn das Sportgericht auf Wiederholungsspiel entschieden würde, aber auf neutralem Platz. Damit würde ein Zeichen gesetzt an die sogenannten Fans, das so etwas im Stadion auf allen Ebenen nicht toleriert wird. Hertha hat zwar weitergespielt, aber nur auf Drängen des Schiris damit nicht noch schlimmeres durchden erzwungenen Speilabruch passiert.

  • Hertha oder Düsseldorf...egal...
    aber einen solchen Tumult müssen die Spieler nicht hinnehmen.

    Da wird man sich wohl auf neutralem Platz erneut treffen. Das sit dann auch eine Lektion für die D' dorfer Rabauken.

  • Das geschilderte Chaos kam ja wohl aus dem Hertha Block wo selbst auf die eigenen Spieler mit Raketen und Böller gezielt geworfen wurde. Die vorzeitigen "Fortuna Fans" haben zumindest aus dem was ich geshen habe niemanden angegriffen oder verletzt.

  • Sie haben ja Recht und ich möchte die Feuerwerkskörper nicht verharmlosen, die sind nicht umsonst verboten. Natürlich stellt sich die Frage, wie die alle ins Stadion gelangen konnten. Trotz allem finde ich es wichtig festzuhalten, dass man dieses Mal Glück gehabt hat - und dass es keine bewussten Agriffe gegen Gesundheit oder Eigentum Anderer gegeben hat.

  • Was wäre gewesen wenn ein Herha-Spieler in diesem totalen Kaos ein Tor geschossen hätte?

    Man hätte den Torschützen gelyncht, und das meine ich völlig im Ernst.

    Würden Sie unter dieser lebensbedrohlichen Situation versuchen ein Tor zu schissen? Ich nicht.

    Es ist ein Skandal, dass diese Gefahr bei der live TV-Übertragung nicht offen angesprochen wurde bzw. offensichtlich nicht erkannt wurde.

  • @romilly.kk23
    "...aber es wurde doch niemand verletzt ?"
    Es werden sehr hohe sicherungstechnische Bedingugen an einer Massenveranstalltung verlangt und eine Armie von Sicherheitskräften dazu eingestellt und bezahlt, diese zu garantieren. Wenn jemand verletzt (oder schlimmer) wird, dann ist es zu spät. Es gab schon zu viele Opfer auf Fußßballstadionen. Ich wünsche Ihnen, dass weder Sie noch jemand von den Angehörigen seine Gesundheit, oder sein Leben wegen einem auch friedlich angezundetem Feuerwerkkörper verliert. Mehr Verantwortung für die anderen, nicht "nur ich und meine Nase"

  • Einfach typisch für Fußball - immer mehr eine Sportart für die soziale Unterschicht (assoziale) deutschlands, und der Steuerzahler muß diesen Wahnsinn auch noch bezahlen - alle völlig bekloppt samt DFL.

  • Sorry, aber ... es ist doch nichts passiert, oder ?! Niemand hat gegnerische Fans angegriffen oder gar die Spieler - was deren Anwalt sagt, ist eine juristisch-strategische Behauptung und sollte als solche nicht allzu wörtlich genommen werden. Ok, die Feuerwerkskörper sind verboten, aber es wurde doch niemand verletzt ?! Ich konnte schon die Kommentare in der ARD nicht nachvollziehen, das klang gerade so, als hätten gerade wüste Prügeleien stattgefunden - aber nach allem was ich weiß, wurde niemand verletzt, die Leute haben sich einfach nur gefreut und dass Eltern sich Sorgen um ihre Kinder machen, darf doch immer und überall erwartet werden!

  • Ich habe zwar der Hertha die Daumen gedrückt, wünsche mir aber das es wegen des Chaos nicht zu einem Wiederholungsspiel kommt. Hertha hat im Heimspiel und über die gesamte Saison zu wenig Engagement aufgebracht, so dass sie verdient absteigen. Die "Tumulte" sind wieder eine Niederlage für den Sport. Schade das der Artikel das Problem ein wenig herunterspielt die Anmerkung, dass man dies nur aus der Kreisliga kenne ist gleichermaßen falsch wie überflüssig. Die Zuschauer beim Fußball sind nach meiner Erfahrung ein Querschnitt durch die Gesellschaft wobei der Anteil an "sozial Schwachen" überproportional verteten sein dürfte. Es entlädt sich Druck aus Hartz IV oder beruflichen Alltag dies geparrt mit Sorglosigkeit und hohem Aggresionspotential. Traurig das die Zuschauer bereits Sekunden nach dem Abpfiff wieder den Platz fluten konnten, was wäre passiert wenn Hertha das 3:2 erzielt hätte? Polizei und Ordner haben versagt. Während der WM 2006 gab es keine nennenswerten Zwischenfälle, daraus sollten positive Rückschlüsse möglich sein.

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