Fanmeilen sind der Knackpunkt
Wirten wandern die Gäste weg

Was einige Hotels und Gaststätten gewinnen, geht anderen verloren: Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest zufolge sind deutschlandweit 52 Prozent der Hoteliers und Gastwirte unzufrieden mit dem Geschäft zur WM.

DÜSSELDORF. Wenn heute um 17 Uhr im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland gegen Argentinien spielt, werden wieder zwischen 700 000 und einer Million Zuschauer auf der Fanmeile im Berliner Tiergarten zusammen fiebern, feiern - und trinken. Knapp eine halbe Million Liter Bier haben die Buden an der Straße des 17. Juni und um das Brandenburger Tor bisher ausgeschenkt. Allein in den ersten zwei Wochen gingen 2,8 Mill. Portionen Bratwurst, Leberkäse oder Schnitzel weg. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäft", freut sich Fanmeilen-Organisator Oliver Hellwig.

So gut geht es allerdings nur den Wirten bei öffentlichen Fernsehübertragungen in den Innenstädten der Spielorte. Bereits am Rande von Berlin, im Vorort Friedrichshagen, bleiben die Restaurants leer. "Ich habe meine Lehrlinge in den Urlaub geschickt", sagt Willi Pannek, Wirt im gutbürgerlichen Gasthaus Rolandseck. Am Mittwoch, am spielfreien Tag, habe er den Laden zum ersten Mal wieder voll gehabt. In Friedrichshagen seien auch diejenigen Gastronomen enttäuscht, die eine Leinwand aufgestellt hätten und auf ein Umsatzplus gehofft hätten. Klaus-Dieter Richter, Vizevorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Berlin und Umgebung, beklagt in seinem eigenen Restaurant "Kolk" in Spandau vor allem das Ausbleiben von Busreisenden.

Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest zufolge sind deutschlandweit 52 Prozent der Hoteliers und Gastwirte unzufrieden mit dem Geschäft zur WM. Nur 9,3 Prozent der Gastronomen zeigten sich "sehr oder vollkommen zufrieden". "Nicht jeder gastgewerbliche Unternehmer profitiert unmittelbar von der WM. Des einen Freud ist des anderen Leid", sagt Ernst Fischer, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Biergärten in Innenstädten mit Großbildleinwand seien die Gewinner, während die Gäste der Restaurants zum Fußballgucken oft zuhause blieben.

Auch die Hotels sind trotz WM nicht ausgebucht. "Einigen Häusern hat die WM genützt, anderen sogar geschadet", sagt Fritz-Georg Dreesen, Vorsitzender des Hotelverbandes Deutschland. Tagungen, Kongresse und Bildungsreisen seien verschoben worden. Da jedoch die Buchungslage für den Herbst gut aussehe, gehe er trotz der Ausfälle von einem leichten Plus für das Gesamtjahr aus.

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