Fans begeistert
US-Milliardär Lerner kauft den Traditions-Klub Aston Villa

Aus sportlicher Sicht haben die amerikanische und die europäische Variante von „Football“ wenig gemein – doch Investoren scheinen plötzlich Synergien zu entdecken. Nach Manchester United bekommt jetzt auch der Birminghamer Traditionsverein Aston Villa einen Besitzer, der schon einen Klub der US-Football-Liga NFL sein eigen nennt.

LONDON. Der Milliardär Randy Lerner gab am Montag bekannt, dass er die Übernahme von Aston Villa für 62,6 Mill. Pfund (93 Mill. Euro) vereinbart habe. Er hat sich in der Sportwelt bisher als Besitzer der Cleveland Browns einen Namen gemacht. Doch anders als die Fans in Manchester scheinen die Aston-Villa-Anhänger froh über den finanzkräftigen Investor zu sein.

Aston Villa ist ein Traditionsclub des englischen Fußballs, dessen beste Tage allerdings lange zurückliegen – ein Verein wie der 1. FC Nürnberg etwa. Schon der Unterschied zwischen dem Kaufpreis und den umgerechnet 1,2 Milliarden Euro, die Malcolm Glazer, Besitzer der Football-Mannschaft Tampa Bay Buccaneers, für Manchester United gezahlt hat, spricht Bände. 1874 gegründet, war Aston Villa eine Spitzenmannschaft in den frühen Jahrzehnten der englischen Fußball-Liga. Bis 1920 gewann sie je sechsmal Meistertitel und Pokal. Nach langer Durststrecke und Abstieg bis in die dritte Liga gewann der Klub vor 25 Jahren noch einmal eine Meisterschaft – und schlug 1982 Bayern München im Europapokal der Landesmeister. Doch danach rutschte er ins Mittelmaß ab.

In der vergangenen Saison entrannen die „Villans“ auf Rang 16 knapp dem Abstieg. Zugleich schrieben sie rote Zahlen und rutschten aus den Top 20 der Deloitte-Rangliste der reichsten Fußballklubs der Welt heraus. Die bisherigen Klubbesitzer unter Führung des 82-jährigen Präsidenten und Drittel-Aktionärs Doug Ellis suchten daher schon seit längerem neue Geldgeber, um mehr in Spieler investieren zu können. In der Premier League ist es für die weniger finanzkräftige Mehrheit der Vereine immer schwerer geworden, mit den Top-Klubs mitzuhalten. Vor allem Roman Abramowitsch, Besitzer des FC Chelsea, investiert Jahr für Jahr zig Millionen Pfund in Weltklasse-Spieler. Sogar der FC Liverpool, der sportlich zur Spitzengruppe zählt, hat daher im März erklärt, dass er für Kaufangebote offen sei.

„Villa kann auf dem höchsten Niveau in der Liga und in Europa mithalten“, machte der 44-jährige Lerner den leidgeprüften Fans Mut. „Der Klub hat eine große Geschichte und eine lange Tradition leidenschaftlicher Fan-Unterstützung.“ Der US-Unternehmer, Ex-Chairman des Finanzdienstleisters MBNA, setzte sich in dem Übernahmekampf gegen den lokalen Geschäftsmann Michael Neville durch.

Anders als Malcolm Glazer, dem im Übernahmekampf um Manchester United wütende Fan-Proteste entgegenschallten, scheinen die Aston-Villa-Fans Lerner mit offenen Armen zu empfangen. Sie atmeten bereits vor zehn Tagen auf, als Klub-Chef Ellis nach langer Suche Martin O’Neill als neuen Trainer verpflichtete. Die Übernahme werde es O’Neill nun erlauben, die Mannschaft zu verstärken, sagte der Vorsitzende der Aktionärsvereinigung von Aston Villa, Jonathan Fear, in einem Fernsehinterview. Zu den wenigen international bekannten Spielern zählt der tschechische Stürmer Milan Baros. Fear nannte Lerners Pläne beeindruckend. „Er will den Club wiederaufbauen“, freute er sich, „ich kann nur Positives sehen.“

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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