Fans brauchen keine Tore: Nationalstürmer Poldi im Medienrummel

Fans brauchen keine Tore
Nationalstürmer Poldi im Medienrummel

Für die Geißböcke erzielt der Nationalstürmer zur Zeit wenig Treffer, bei den Fans hingegen punktet er weiter. Berater und Trainer wollen den 20-jährigen vor übermäßigem Medienrummel schützen, Lukas Podolski selbst macht sich allerdings wenig Sorgen.

HB DÜSSELDORF. Der jugendliche Fußball-Held ist derzeit nur Mittelmaß, doch das Trara um Lukas Podolski nimmt kein Ende. Ob es eine schwierige Anreise ins Portugal-Trainingslager ist, Lockrufe aus München, Hamburg, Bremen für Schlagzeilen sorgen oder Blessuren die Gazetten mehrspaltig füllen: Der 20-Jährige ist einfach "hype", wie seine jungen Bewunderer sagen würden. Doch gerade weil um seine Person so viel Aufhebens gemacht wird, sorgt sich sein Umfeld, ob der Nationalstürmer des 1. FC Köln nicht irgendwann unter einer riesigen Last zu leiden beginnt.

"Er muss sich, darf sich und soll sich in der Öffentlichkeit bewegen", sagt Wolfgang Overath. Doch der Kölner Clubchef ist besorgt. Weniger wegen der Abwerbe-Scharmützel, vielmehr wegen der Gefahr, dass der im polnischen Gleiwitz geborene Profi dem FC im Abstiegskampf nicht mehr richtig helfen kann. Gerade mal vier Tore hat er in der Hinrunde erzielt - zu wenig für einen "Überflieger", den nicht nur Overath trotz allem als "eines der größten Talente, die es im deutschen Fußball je gab" bezeichnet.

"Ein gewisses Maß an Medienrummel um meine Person macht mir nichts aus", behauptet Podolski auf seiner Homepage (http://www.lukas- podolski.com). Im "Focus" (Ausgabe: 16. Januar) teilt er salopp mit: "Da können die Medien noch so viel über Prinz Poldi schreiben. Wie heißt es so schön im Fußballjargon? Was zählt, ist auf'm Platz." Doch dort lief es nach dem Aufstieg und 24 Zweitliga-Toren bisher gar nicht rund. Overath sagt dazu: "Das ist das Normalste, was es gibt." Der Weltmeister von 1974 erinnert sich an seine eigenen Anfänge.

"Ich habe 1963/64 in der Bundesliga überragend gespielt, wir wurden deutscher Meister, ich bin Nationalspieler geworden." Darauf sei eine "furchtbare zweite Saison" gefolgt: "Das habe ich kaum ausgehalten." Overath weiß, dass auch Podolski vor Ehrgeiz brennt: "Er möchte am liebsten drei Mal am Tag trainieren."

Overath, Podolskis Berater Kon Schramm und auch der neue FC-Trainer Hanspeter Latour wollen den Jungstar vor einem Übermaß schützen. Overath: "Wir versuchen, Lukas so zu helfen, dass er seine Ruhe hat und nicht überlastet wird." Doch dass es schwer ist für einen 20-Jährigen, den sie anhimmeln, etwa weil er mit vier Treffern bei der ARD-Wahl zum "Tor des Jahres" vertreten ist, weiß Overath auch: "Deshalb muss immer wieder versucht werden, ihm zu erklären, was gut für ihn ist."

Gar nicht gut sei, so befand der neue FC-Manager Michael Meier, wenn sich Schramm - wie nun in Portugal geschehen - im gleichen Quartier einmietet. "Ich habe das noch nie erlebt, dass Berater im Trainingslager in einem Hotel mit der Mannschaft sind", klagte Meier im "Express" (Donnerstag-Ausgabe).

Meier fürchtet, dass die Last eher größer wird für Podolski, "wenn die Bayern 15 bis 20 Millionen Ablöse zahlen". Viel lieber sähe der Manager es, wenn der Stürmer auch über den Vertragsablauf 2007 in der Domstadt bliebe. Das würde er ihm raten, schließlich sei in München ein Sebastian Deisler "auch an hohen Zahlen zerbrochen".

Ein Podolski indes denkt an so etwas nicht, er ist "glücklich, dass ich endlich wieder richtig loslegen kann", wie er nach der verspäteten Ankunft in Portugal sagte. Und ergänzte: "Ich denke positiv" - um sich selbst hat Lukas Podolski die allerwenigsten Bedenken.

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