Fans trotzen der Hitze
Der Hut wird zum Kassenschlager

Souvenirhändler, die sich vor der Fußball-WM Kopfbedeckungen in ihr Sortiment aufgenommen haben, haben in diesen Tagen Dollarzeichen in den Augen: Das heiße Sommerwetter zwischen Hamburg und München lässt die Kassen klingeln. Nur die Toilettenbetreiber haben aufgrund der Hitze keinen Grund zur Freude, denn die Fans schwitzen die gesamte Flüssigkeit aus.

HB BERLIN/FRANKFURT/STUTTGART. Fans und Spieler hatten an diesem fünften WM-Tag eines gemeinsam: Sie litten unter der Hitze. Dabei hatten die Fans Vorteile: In der Berliner Friedrichstraße flüchteten sich Brasilianer und Kroaten in der Nachmittagshitze erschöpft in Läden mit Klimaanlagen oder wenigstens unter die schattigen Säulengänge des Westin Grand Hotels in der Nähe des Boulevards Unter den Linden.

Für den Umsatz der Souvenirhändler hatten die 30 Grad unter strahlend blauem Himmel zählbare Folgen. In Stuttgart blieben die dicken wollenen Fan-Schals schwer wie Blei in den Regalen liegen. "Die nimmt mir doch keiner ab", klagte ein Händler. In Berlin, Frankfurt und Stuttgart rissen die Fans dagegen den Verkäufern Kopfbedeckungen zum Schutz gegen die Sonne regelrecht aus den Händen.

Eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes sagte auf der Fan- Meile am Brandenburger Tor in Berlin: "Der kluge Fan trägt Hut." Kopfbedeckung oder nicht: Viele Herren trotzten den Temperaturen mit blanker Brust. Auch Damen zeigten sich spärlich bekleidet, "aber alles noch im Rahmen", befand die DRK-Sprecherin. Erfinderisch waren Fans in Köln. Aus gesammelten Stöcken und bunten Flaggen bauten sie sich kurzerhand ein Sonnenschutz-Zelt.

Eine Sanitäterin in Berlin empfahl dringend, den sonst empfohlenen Flüssigkeitskonsum von mindestens zwei Litern auf gut vier Liter zu verdoppeln. Wenn der Körper von der Sonne permanent aufgewärmt werde, atme jeder Mensch viel mehr Feuchtigkeit als üblich wieder aus. Dieser Flüssigkeits- und Mineralverlust müsse postwendend ausgeglichen werden, sonst drohten Kreislaufprobleme ernsterer Art.

Die gefährlichste Kombination seien die Sonnenstrahlen und Alkohol im Übermaß, sagte ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr. Das Versorgungsunternehmen Hamburg Wasser steuerte mit elf - promillefreien - Trinkwasserspendern im Stadtgebiet dagegen. "Bei dem Wetter ist das doch eine Wohltat", sagte ein Unternehmenssprecher. Über die Hitze klagen aus besonderem Grund sogar die Toilettenbetreuer. Am Stuttgarter Schlossplatz sagte ein Kenner: "Bei der Hitze verdunstet die ganze Flüssigkeit wieder. Und dann läuft unser Geschäft an solchen Tagen nur tröpfchenweise."

Zu Gunsten der von der Hitze auch zusätzlich geforderten Spieler hat der Fußballweltverband Fifa bereits gehandelt. Die Wasserversorgung für die Profis wird während der Spiele erhöht. "Wir werden den Mannschaften mehr Wasser zur Verfügung stellen", versprach Fifa-Mediendirektor Markus Siegler am Dienstag in Berlin. Der englische Verband hatte sich bereits nach dem Auftakt gegen Paraguay (1:0) beschwert, dass seine Spieler nicht ausreichend trinken konnten.

Auch die deutsche Elf geht garantiert hitzefest in ihr zweites WM- Spiel am Mittwoch in Dortmund gegen Polen. Mannschaftsarzt Tim Meyer kündigte an: "Es geht richtig zur Sache beim Trinken, um gut aufgeladen auf den Platz zu laufen." Trinken sei in diesem Fall essenziell", sagte der Team-Internist. Die Spieler könnten zwar wie die Fans keine Flüssigkeit im Körper speichern. "Aber sie können ein Defizit vermeiden", versicherte der Mediziner. Dabei kommt es für alle Hitze-Opfer auch auf Kleinigkeiten an. "Es ist gut, wenn man auch die Suppe nicht stehen lässt." Das seien auch schon wieder einige hundert Milliliter Flüssigkeit.

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