FC-Bayern gegen AC Florenz
Duell enger Freunde

Luca Toni tritt heute mit Bayern München gegen seinen Ex-Klub AC Florenz an. Dabei kämpft er um seinen Status als italienischer Stürmerstar - und auch in Deutschland regen sich zum ersten Mal so etwas wie Zweifel an Tonis Klasse.

BERLIN. Für die Gäste aus Florenz ist die Angelegenheit eindeutig. Sollte Luca Toni heute gegen sie ein Tor schießen - er wird besser verzichten auf seinen üblichen Jubel, den Ohrenschrauber. "Wenn er gegen uns trifft und so jubelt, dann schneide ich ihm ein Ohr ab", sagt Sandro Mencucci, Geschäftsführer der Fiorentina.

Ein Scherz, natürlich. Sie freuen sich auf das Wiedersehen mit ihrem Ex-Stürmer, der für sie einmal 31 Liga-Tore in einer Saison erzielte. "Ein aufregendes Match", erwartet Torhüter Sebastien Frey vom heutigen Auftritt in der Champions League beim FC Bayern München: "Gegen eine großartige Mannschaft, ,aber vor allem gegen einen formidablen Stürmer und engen Freund."

Auch Luca Toni freut sich auf das Wiedersehen. "Ich habe in Florenz noch viele Freunde bis zum Platzwart", sagt er. Aber auf den Jubel verzichten, wie in der Branche üblich beim Rendezvous mit dem Ex-Klub? Das kann er nicht versprechen. "Das hängt von der Situation und der Bedeutung des Treffers ab", sagt er, und legt man diese Kriterien zugrunde, dann lässt sich leicht prophezeien: Luca Toni wird, so er trotz seiner am Samstag im Punktspiel beim Karlsruher SC erlittenen Rippenprellung auflaufen kann und tatsächlich trifft, ganz bestimmt nicht auf den Jubel verzichten. Die Situation ist nämlich die, dass die Bedeutung eines Toni-Tores größer kaum sein könnte.

Erstmals seit er im Sommer 2007 zum und über den FC Bayern kam, regen sich in Deutschland dieser Tage so etwas wie Zweifel an seiner Klasse. Für seine Verhältnisse hat der 31-Jährige geradezu Ladehemmung - drei Tore in sieben Bundesliga-Spielen, noch keines bei zwei Auftritten in der Champions League, ungewohnt viele Fehlversuche trotz oft glänzender Schussposition. Toni ist ein Stürmer, der an Toren gemessen wird, nur an Toren, weil sein Spiel ansonsten nicht sonderlich gut aussieht und weil er, so sagen die Kritiker, nur vorn rumsteht und nicht in der Defensive mitarbeitet.

"Two amazing seasons in Bundesliga", verkündet das Intro seiner ungemein schicken Homepage lucatoni.com: "Zwei phantastische Saisons in der Bundesliga". Aber nicht alle sind mehr überzeugt, dass es dazu kommen wird, nach diesem unglaublichen Debütjahr in Deutschland mit 39 Toren in Liga, Pokal und Uefa-Cup. War nicht auch in Florenz seine zweite Saison die schlechtere? Nach den 31 Toren im Jahr zuvor traf er nur noch 16 mal. Es gibt Leute, die zweifeln an seiner Motivation.

Und doch läge die Bedeutung eines Treffers gegen Florenz weniger darin, die paar Nörgler in Germania ruhig zu stellen. Die sind Luca Tonis geringstes Problem - sie können warten. Heute geht es vor allem um eine italienische Angelegenheit.

In der Heimat befassen sie sich schon seit längerem mit der Flaute des Mittelstürmers, und sie tun das ungleich rücksichtsloser. Dabei war Toni vor der Europameisterschaft im Sommer noch der große Hoffnungsträger der Nation. Er traf auch das Tor, im Gruppenspiel gegen Rumänien, mit dem Kopf, absolut regulär. Doch der Schiedsrichter gab den Treffer nicht. Gegen Frankreich holte er dann einen Elfmeter samt Roter Karte für den Gegenspieler heraus. Aber das steht nicht in der Statistik. In der Statistik stand am Ende des Turniers unter dem Namen Luca Toni: Null Tore. Zuhause machten sie ihn verantwortlich für das frühe Ausscheiden im Viertelfinale.

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