FC Bayern München
Das Projekt Klinsmann hat begonnen

Nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft erwartet der FC Bayern die erste Checkliste seines neuen Trainers. Zugleich jedoch erfährt Jürgen Klinsmann mittlerweile schon so viele Nadelstiche, dass Hoeneß sorgenvoll versucht, dagegen zu steuern. Doch selbst aus Spielerkreisen wird die Debatte befeuert.

MÜNCHEN. Es ist ein Drahtseilakt, den der FC Bayern München täglich aufführt. Mal wieder war dies zwischen Sonntag und Montag zu beobachten. Nach dem 0:0 in Wolfsburg, einem erschreckend ödem Remis, feierten die Bayern bierselig den Gewinn ihrer 21. Meisterschaft, um nur wenige Stunden später wieder an der Säbener Straße in München aufzutauchen. Zum Training.

Immerhin erst am Nachmittag, denn morgen schon steht das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld an, das für den Titelträger an sich bedeutungslos wäre. Eigentlich, würde der Kontrahent nicht mitten im Abstiegskampf stehen. „Niemand würde uns verzeihen, wenn wir da unten jetzt mit einer Niederlage alles verfälschen“, sagt Manager Uli Hoeneß.

Sebastian Schweinsteiger wiederum bemerkte, „wir müssen mal sehen, ob wir überhaupt noch genug Spieler zusammen bekommen, die nicht zu viel Restalkohol haben“ und verdeutlichte somit zugleich, dass die Elf zwar gewillt ist, aber nicht unbedingt vermögend? Nach den inszenierten Weißbierduschen am Sonntag, der Sitzkissenschlacht im Charterflieger und dem anschließenden Gala-Diner nebst Discobesuch im P1 blühen jede Menge Zweifel an der Standhaftigkeit der Spieler in den letzten drei Bundesligaspielen.

Aber was soll es sie am Ende auch kümmern? Die Feierei mit den Fans auf dem Marienplatz wird bereits organisiert und findet nach dem letzten Spiel gegen Hertha BSC und der Schalenübergabe am 17. Mai statt. Und schließlich gilt es, mit Oliver Kahn und Trainer Ottmar Hitzfeld zwei Menschen zu verabschieden, die den FC Bayern der vergangenen Jahre geprägt haben wie niemand sonst. Da muss das Leid abstiegsbedrohter Klubs hinten anstehen.

Interessanter dürfte ohnehin sein, zu sehen, welchen Einfluss Hitzfeld auf die Arbeit seines Nachfolgers Jürgen Klinsmann haben wird. Nach dem 0:4 in St. Petersburg und dem müden 0:0 gegen den VfL stellte sich der zukünftige Auswahltrainer der Schweiz doch tatsächlich vor die Mikrophone und erklärte: „Ich freue mich, dass ich Jürgen Klinsmann eine Super-Elf übergeben kann.“ Die Substanz sei groß genug, um in der Champions League „weit zu kommen“. Jürgen Klinsmann hat auf die Worte seines Amtsvorgängers in spe mit ihrem leicht ironischen Unterton noch nicht geantwortet, jedenfalls nicht in den Textnachrichten, die er aus dem fernen Huntington Beach in Kalifornien am Sonntagabend an die Führungsriege seines neuen Klubs verschickte.

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