FC Bayern München
Katar-Millionen für die Weltspitze

Der FC Bayern hat einen neuen Finanzpartner. Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen Doha bringt in den kommenden Jahren benötigte Millionen. Der Außenminister stellt dem Deal mit dem Katar den politischen Persilschein aus.

MünchenAußenminister Frank-Walter Steinmeier äußert sich selten öffentlich zum Fußball, aber im Fall FC Bayern München macht er eine Ausnahme. Aus „außenpolitischer Sicht“ sei nichts gegen den jüngsten Deal des deutschen Rekordmeisters mit Katar einzuwenden, sagt der SPD-Politiker.

Mit diesem Persilschein von höherer Stelle konnte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern, jetzt in Katar eine langjährige Partnerschaft mit dem Flughafen Doha verkünden. Mehrere Millionen Euro sollen innerhalb von  sieben Jahren fließen, der Hamad International Airport Doha wird auf Banden in der Allianz-Arena zu sehen sein. Auch soll sich der Fußballklub in Katar sozial engagieren. Er freue sich, „mit Doha Airport einen Sponsor aus der Tourismusbranche begrüßen zu dürfen“, erklärt Rummenigge. Die Partnerschaft sei ein weiterer Schritt der  Internationalisierungsstrategie.

Die Beziehungen waren schon vor dem Millionen-Vertrag eng. Bereits sechsmal haben die Münchener ihr Winter-Trainingslager nach Katar verlegt. Debatten um nicht eingehaltene Menschenrechte oder Sklaven-Arbeitsbedingungen von Bauarbeitern waren meist eine Begleiterscheinung.

Doch der ökonomische Zwang, unter dem die Münchener stehen, ist groß.  Jüngst rutschten sie in der internationalen Statistik des Beratungsunternehmens Deloitte über die umsatzstärksten Klubs der Welt vom dritten auf den fünften Platz ab. Mit mehr Erlösen aus der Internationalisierung will der FC Bayern (Umsatz: 524 Millionen Euro) im wirtschaftlichen Wettbewerb mithalten. So wurde der Doha Airport einer von zehn „Platin-Partnern“ – zusammen etwa mit der Lufthansa oder Goodyear.

Der 2014 fertiggestellte neue Flughafen Doha kann 8.700 Passagiere in der Stunde abfertigen und hat eine Jahreskapazität von 30 Millionen Fluggästen. Tourismus und Sport sieht die Herrscherfamilie von Katar als neues Wachstumsfeld. Das Stammgeschäft Gasförderung leidet unter weltweit fallenden Preisen und dem Aufkommen alternativer Energien. Im Jahr 2022 wird Katar, so der Plan,  die Fußball-WM im Winter ausrichten.

Katar wiederum ist ein wichtiger Partner der deutschen Wirtschaft. Die Investoren von dort sind an der Deutschen Bank (6,1 Prozent) und VW (15,6 Prozent) beteiligt. Und VW wiederum ist über die Tochter Audi Gesellschafter der FC Bayern München AG.

Die zu erwartende Kritik von Menschenrechtsorganisationen am Katar-Geschäft kontert Rummenigge vorab mit der Ankündigung, „gemeinsam soziale Projekte und den Dialog über gesellschaftspolitisch kritische Themen  zu fördern“.

Das hätte Frank-Walter Steinmeier nicht besser sagen können.

Hans-Jürgen Jakobs Quelle: dpa
Hans-Jürgen Jakobs
Handelsblatt / Senior Editor
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