FC Bayern München
Uli, der Unantastbare

Uli Hoeneß hat angekündigt, die „Vertrauensfrage“ zu stellen – ein wichtiger Schritt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Steueraffäre. Ein Sturz des Bayern-Präsidenten ist aber dennoch unwahrscheinlich.
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DüsseldorfUli Hoeneß kündigte bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern an, er wolle sich nach dem Ende seines Steuerprozesses im kommenden März auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dem Urteil der Vereinsmitglieder, also die Vertrauensfrage stellen. Es ist zu erwarten, dass die Mitglieder Hoeneß auch dann treu bleiben. Das hat folgende Gründe:

In der Causa Hoeneß agiert der FC Bayern München nicht rational, sondern vielmehr sentimental. Die Verdienste eines Uli Hoeneß in den vergangenen Jahrzehnten werden sowohl von der Vereinsspitze als auch von vielen Fans regelmäßig als Grund für die Duldung der aktuellen Situation herangezogen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bekräftigte diese Einschätzung: „Uns beeinflusst das gar nicht. Das belastet Uli Hoeneß, aber wir haben von Anfang an gesagt, wer solche Verdienste hat, der verdient es, dass er in schwierigen Zeiten vom Klub und uns allen unterstützt wird.“

Doch der FC Bayern macht einen Fehler, wenn er wie Rummenigge die Trennlinien falsch ansetzt und den Einfluss der Steueraffäre auf den Verein abstreitet: Wenn Uli Hoeneß in seiner Funktion als Aufsichtsrat im Verdacht steht, steuerrechtliche Straftaten begangen zu haben, dann muss sich das negativ auf die Bewertung seiner Eignung als Finanzaufseher auswirken, ungeachtet seiner sonstigen Leistungen. Es werde hier offenkundig mit „zweierlei Maß gemessen“, sagte Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), dem Tagesspiegel.

Denn jemand, der sich wie Hoeneß für seinen Verein – und bei vielen Gelegenheiten auch im gemeinnützigen Kontext – mit Herzblut eingesetzt hat, kann allein auf Grund dieser Tatsache keine Sonderbehandlung in strafrechtlichen Angelegenheiten für sich beanspruchen. Diese Verdienste sind von aktuellen strafrechtlichen Ermittlungen zu trennen. Wenn der Verein von einer schweren Zeit für Uli Hoeneß aus persönlicher Sicht spricht, dann ist das zu verstehen. Es ist auch zu verstehen, dass er in einer solch schweren Phase Unterstützung von Vereinsseite bekommt.

Es ist jedoch nicht zu verstehen, dass hier die persönliche und private Komponente mit der beruflichen und professionellen vermengt wird. Große börsennotierte Unternehmen wie Adidas, die Deutsche Telekom oder Volkswagen/Audi, die gleichzeitig Anteilseigner und Sponsoren des FC Bayern sind, müssen sich von eigenen Investoren und Aktionären kritische Fragen zur sauberen Unternehmensführung (Compliance) anhören, solange sie sich hinter einen mutmaßlichen Steuersünder stellen.

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  • Mitgliederversammlung als ,,Tarnung" vom 13.11.2013 FC Bayern München

  • Mitgliederversammlung als ,,Targung" vom 13.11.2013 FC Bayern München

    Daten und Fakten wurden auf der Mitgliederversammlung nebensächlich. Die beiden Straftäter Hoeneß und Rummenigge huldigen sich gegenseitig,Rummenigge huldigt Hoeneß für seine Verdienste beim FCB der wiederum huldigt
    Rummenigge für seine barmherzigen Worte,und drückt dabei auf die Tränendrüse. Nachdem die Tränendarbietung von Hoeneß vorbei war, ergreift Hoeneß das Wort und hebt seine vermeintlichen guten Verdienste wie Spenden,sowie kostenlose Vorträge hervor.

    Dabei vergisst der Steuerstraftäter Hoeneß dass sein Handeln durch Spenden und kostenlose Vorträge nur objektiv dafür benutzt wurden, um sich als Gutmensch darzustellen. Die Realität sieht anders aus Steuerhinterziehung.Was einen noch bedenklich machen kann, sind die Mitglieder vom FCB ob prominent oder nicht prominent dass man den Straftäter Hoeneß noch feiert. Die Justiz konnte somit auch Kenntnis nehmen dass die FCB Meute weiterhin den Straftäter Hoeneß feiert.Ob sich die Justiz von so einem inszenierten Auftritt beeindrucken lässt bleibt abzuwarten.

  • Die gestrigen ersten Tagungsordnungspunkte schienen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, obwohl sie nur mit Rekorden belegt waren. Ungeschlagene Spiele auf den Plätzen, das „Triple“, erneut gestiegene Mitgliederzahlen sowie auch ein neuer Umsatzrekord! Die ebenfalls gestiegenen Personalkosten wurden dagegen mit besseren Spielern und Trainern begründet….

    Die Frage des Abends, wie es mit U.Hoeneß weitergeht, brach aber alle Dämme! Erst trat „Pfarrer“ Rummenigge an das Rednerpult und las wie aus der Bibel über die Huldigungen seines langjährigen Freundes, während sich dabei genau bei diesem die Tränen lösten und natürlich nicht mehr aufzuhalten waren. Alle Zuhörer hätten es aber erwartet und bestimmt auch verstanden, wenn der Redner wenigstens eine kleine Beichte für sein eigenes, finanziell schwer bestraftes „Zollmissverständnis“ gefunden hätte, das ihm zukünftig noch ein paar Schwierigkeiten bereiten könnte.

    Über das anschließend überwiegende gegenseitige Treuebekenntnis ist schon viel berichtet worden. Sein minutenlanges reuebekennendes und tränenreiches Schluchzen schien aber für den Präsident und Aufsichtsratsvorsitzenden scheinbar die beste Medizin gewesen zu sein, um mit der (auch erwartenden) grandiosen Zustimmung seines ihm untergebenen Fußballvolkes für die schwere Zeit im nächsten Frühjahr gewappnet zu sein! Statt der vernünftigen und etwas beruhigenden vorübergehenden Niederlegung der beiden Ämter hat er sich nun für den steinigeren, nicht nur seine treuen Fans, sondern auch das Gericht im kommenden Frühjahr weiteres Vertrauen schenkt, was aber nicht so einfach sein wird.

    Mir schien, als ob alle Anwesenden den Ernst der Sache noch nicht so richtig verstanden haben und sich in einer Art anderen Welt fühlten, weil nur ein paar Journalisten.....

    Wenn allerdings der Richter mit gleicher Härte wie der Staatsanwalt bei dem Missgeschick von "Rolex-Kalle" die Akten von Hoeneß begutachten sollte, könnte das Licht für den Übervater des FC Bayern ausgehen!

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