FC Bayern
Uli Hoeneß ist wieder frei

Uli Hoeneß muss nicht mehr ins Gefängnis. Nach 21 Monaten in Haft wurde der 64-Jährige heute vorzeitig entlassen. Erst einmal will er Urlaub machen. Im Sommer fällt die Entscheidung über seine Zukunft beim FC Bayern.
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MünchenUli Hoeneß ist wieder ein freier Mann. Schon nach der Hälfte seiner dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe wurde der 64-Jährige am Montag vorzeitig aus der Haft entlassen, wie das bayerische Justizministerium der Deutschen Presse-Agentur in München auf Anfrage mitteilte. Einzelheiten zum genauen Zeitpunkt und zum Ort der Entlassung nannte das Ministerium nicht. Hoeneß ist auf Bewährung frei.

Das Münchner Landgericht hatte Hoeneß am 13. März 2014 wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Am 2. Juni 2014 trat er seine Strafe im Gefängnis von Landsberg am Lech an.

Bereits Anfang 2015 wurde er Freigänger. Er arbeitete seitdem tagsüber in der Jugendabteilung des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern, dessen Präsident er bis zu seiner Verurteilung war. Die meisten Wochenenden verbrachte er in seinem Haus in Bad Wiessee am Tegernsee, weil ihm Urlaub zustand.

Hoeneß kam aufgrund der selten angewandten Halbstrafenregelung bereits nach 21 Monaten Gefängnis frei. Üblicherweise werden Haftstrafen erst nach zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt. Paragraf 57 des Strafgesetzbuchs ermöglicht aber in Ausnahmefällen die Aussetzung der Strafe schon nach der Hälfte der Zeit. Die Bewährungszeit wurde im Fall von Hoeneß auf drei Jahre festgelegt. Er darf sich in dieser Zeit strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen.

Bei der Entscheidung zugunsten des 64-Jährigen wurden unter anderem dessen Persönlichkeit, sein Vorleben, die Umstände der Tat und das Verhalten während der Haft berücksichtigt. Hoeneß habe sich trotz seiner Position stets in die Gefangenengemeinschaft integriert, so das zuständige Gericht.

Bei seinen zahlreichen Ausgängen sei es zu keinen Beanstandungen gekommen. Den Schaden habe der ehemalige FC-Bayern-Chef durch Zahlungen in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro wieder gutgemacht. Hoeneß dürfte als freier Mann erst einmal Urlaub machen und die Öffentlichkeit vorerst meiden, hieß es aus seiner Umgebung.

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Auftritt in Mönchengladbach

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  • "Ich bezweifle gar, dass der Staat über die Mittel verfügt, diesen Fall tatsächlich aufzuklären."

    Ich denke, dem Staat ging es auch gar nicht darum, alles komplett aufzuklären. Können könnte er bestimmt, warum auch nicht?, aber auch der Staat denkt wirtschaftlich. Es war klar, dass einige zigmillionen EUR hinterzogen wurden, und ob das nun 20mio mehr oder weniger sind, spielt für die Höhe der Strafe in diesem Berich vermutlich keine Rolle mehr. Aber Monate Akten wälzen, Rechtshilfegesuche, Gutachten, etc., das ist sehr teuer.

    Und der Staat hatte ja, was er wollte. Eine bekannte Persönlichkeit, die zudem oft noch eine große Klappe hatte, konnte man medial perfekt an den Pranger stellen, um Druck auf andere Steuerbetüger auszuüben. Und so etwas kommt bei den Menschen an, "diesen großkotzigen Geldsack haut man jetzt mal so richtig in die Pfanne!"
    Es geht also nicht mehr darum, jemanden für eine Straftat zu bestrafen und danach zu rehabilitieren, sondern ein Exempel zu statuieren. Deshalb ist mir auch der Kommentar von Herrn Baer auf die Nerven gegangen.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Hoeneß wurde bestraft, und damit ist es nun gut. Wenn er möchte, soll er mit seinem Verein da weiter machen, wo er vor zwei Jahren aufgehört hat, wenn nicht, ist es auch ok, wenn auch schlecht für den Verein.

  • Sie schreiben, dass in Deutschland eine zwei Klassen Justiz herrscht, die so aussieht, dass man die Großen laufen lässt und die Kleinen hängt. Und dass man - um bei diesem Bild zu bleiben - die Großen gefälligst auch hängen soll.

    Unsere Rechtsprechung ist aber stattdessen so, dass die Schwere der Tat eine Rolle spielt. In diesem Fall der Steuerhinterziehung ist es also relevant, wie hoch der hinterzogene Betrag ist. Entsprechend sitzen Sie länger oder gar nicht im Knast. Mit anderen Worten: Mit 5 tausend EUR hinterzogerner Steuer wäre "der kleine Mann" sicher nicht im Gefängnis gelandet, Uli Hoeneß schon.

    Insgesamt ist es also falsch, wenn Sie schreiben, dass man "Großbetrüger" laufen lässt.
    Sie schreiben von Moral. Moralisch ist es gleich, ob jemand 5.000 oder 30 mio EUR hinterzieht, er ist ein Betrüger. Rechtlich landet der eine aber im Knast, der andere nicht. Der, der im Knast landet, ist nach Ihrem Verständnis demnach durch unsere Justiz bevorzugt. Soviel zum Thema "Verständnis Tugend und Ehrlichkeit"!

    Leute wie Uli Hoeneß haben viel geleistet, um in ihre Position zu kommen. Wenn sie gegen Gesetze verstoßen, werden sie bestraft, was ja nicht strittig ist. Durch ihn übrigens auch nicht. Aber irgendwann reicht es auch mal, man muss diese Leute nicht für alle Zeiten zum Teufel jagen und an den Pranger stellen! Das meinte ich mit Neid, eben Ihre Meinung, dass man die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt.

  • Ziemlich naiv, dumm, Ihre Antwort.
    Zu Ihrer Info: Ich bin kein kleiner Mann, der neidisch auf die Großbetrüger schaut.
    Mir geht es sehr gut, deswegen muß ich auch nicht an mir arbeiten, weil ich ein Leben lang erfolgreich mein Geld auf ehrliche Art und Weise verdient habe.
    Wie siehts da bei Ihnen aus, Sie Versteher von Großbetrügern?

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