FC Bayern vor Umbruch
Wann wird’s mal wieder richtig Sammer?

Wieder nix mit Champions League: Der FC Bayern München scheitert im Viertelfinale an Real – und hat eine Menge Ausreden parat. Die treffen durchaus zu. Helfen kann sich der FCB jedoch nur selbst. Ein Kommentar.
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DüsseldorfReal Madrid gegen den FC Bayern München. Es hätte ein großer Champions-League-Abend werden sollen für die Münchener. Und es hätte auch durchaus einer werden können. Als der FCB nach der Hinspielpleite drauf und dran ist, sich in die Verlängerung gegen die Madrilenen zu retten, schickt Schiedsrichter Viktor Kassai Arturo Vidal vom Platz. In der Verlängerung selbst bringt der Unparteiische Real dann zurück auf die Siegerstraße, indem er ein klares Abseitstor anerkennt. Und so wurde das 112. Champions-League-Spiel von Philipp Lahm auch dessen letztes. Kein Abschied mit Pauken und Trompeten, kein Finale zum Karriereende, eher ein leiser Abgang im Viertelfinale.

So sehr die Münchener jetzt den äußeren Umständen – Verletzungen, Lospech, allen voran dem Schiedsrichter – die Schuld für das Aus geben und so sehr sie damit in Teilen auch Recht haben, so sehr steht der Abgang für das fehlende Selbstverständnis des Rekordmeisters.

Lahm geht in den Ruhestand, mit ihm in Xabi Alonso eine weitere Legende. Die Superstars Robben und Ribery sind jenseits der 30 und sehr verletzungsanfällig. Manuel Neuer, der mit seinen 31 Jahren als Torwart zwar noch ein paar Jahre vor sich hat, aber auch kein Nachwuchstalent mehr ist, fällt mit einer Fußverletzung zwei Monate aus. Feststehende Zugänge bisher: Sebastian Rudy und Niklas Süle von der TSG Hoffenheim. Wenn die Bayern international nicht vollends aus dem Tritt geraten wollen, muss mal wieder einmal eine Transferoffensive her.

Erstmals seit 2011 stehen die Münchener nicht unter den besten vier Mannschaften Europas. Sie sind zwar noch lange nicht abgehängt, die Champions League verschafft ihnen auch so Einnahmen in Höhe von 70 Millionen Euro, was eine Menge Spielgeld auf dem Transfermarkt ist. Aber allein der Zukauf fertiger Spieler hat den Bayern in den vergangenen Jahren nicht den Erfolg gebracht, den sie sich versprochen haben. National dominieren sie wie eh und je. Für die ganz großen Siege reicht es derzeit aber nicht. Die Bayern, immer Mitfavorit. Aber seit dem Gewinn der Champions League 2013 trotz aller Investitionen nicht mehr im Finale.

Das eine sportliche Krise zu nennen, wäre falsch. Aber der Verein analysiert sich seit auffällig langer Zeit selbst. Unter Trainer-Primus Pep Guardiola wurde nicht weniger als Unbesiegbarkeit erwartet, doch die gab es nicht. Der Verlust der eigenen Identität, der Verlust des berüchtigten „Mia san Mia“, des widerspruchslosen Selbstverständnisses, wurde als Wurzel allen Übels ausgemacht.

Die bayerischen Originale fehlten, Präsident Uli Hoeneß fehlte und überhaupt wirkte der unnahbare Guardiola immer wie ein Fremdkörper. Nur, diese Saison hat nicht die erhoffte Richtungsänderung gebracht. Es fehlt an einem klaren Spielsystem, es mangelt an eigenem Nachwuchs. Trainer Carlo Ancelotti wirkt herzlicher, aber nicht weniger ratlos als sein Vorgänger. Selbst die Re-Installation von Hoeneß als Vereinspräsident, von Bayern-Fans reflexionslos umjubelt, brachte nicht den Stimmungswechsel.

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