FC Bayern vs. Hoffenheim
Ein Anfang voller Zauber

Es ist das erste Mal, dass sich Bayern München und 1899 Hoffenheim zu einem Fußballspiel treffen, und noch selten wohnte einem Anfang so viel Zauber inne.

BERLIN. Heute Abend in der Münchner Arena (20.30 Uhr, Premiere live) geht es um die Tabellenführung - Bayern liegt drei Punkte hinter Hoffenheim auf Rang zwei - und um die "Herbstmeisterschaft". Aber das ist es nicht allein, solche Konstellationen gab es auch früher schon, wenn Bremen oder Leverkusen, Dortmund oder Schalke dem Branchenführer ihre Aufwartung machten. Dieses Spiel ist anders: Es riecht nach Geschichte.

Vordergründig mag es aussehen wie der biblische Kampf zwischen Goliath und David. Hier der Rekordmeister, die einzige Supermacht des deutschen Fußballs, (erfolg-)reicher als alle Konkurrenten zusammen, Zugpferd und Hegemon, Glück und Unglück der ganzen Liga. Dort die Jungs vom Dorf, gerade erst aufgestiegen in die Elite, null Titel, null Tradition. Sie sind einen langen Weg gekommen in den letzten Monaten, vom Retortenklub zur heimlichen Lieblingsmannschaft der Nation. Und sie verursachen Nervosität auf des Gegners Seite, weil sie die klare Botschaft ausstrahlen: Wir sind gekommen, um zu bleiben.

Franz Beckenbauer hat dieser Tage gesagt, die Euphorie bei den Hoffenheimern erinnere ihn an jene beim FC Bayern nach dem Bundesligaaufstieg 1965. Auf Anhieb wurden die Münchner damals Dritter, mit jungen Spielern wie Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier. Es war die Geburtsstunde einer großen Elf, und sie sollte den deutschen Fußball für immer verändern. Vorher hatten die Bayern eine Meisterschaft gewonnen, sie waren ein Klub unter vielen. In der Euphorie von 1965 nahm nun eine Entwicklung ihren Anfang, die sie zum Herrscher über die Liga machen würde. 20 Meistertitel haben die Münchner seitdem gewonnen.

Ebenbürtige Konkurrenz kannten sie allenfalls am Anfang noch, in den Siebziger Jahren mit Borussia Mönchengladbach. Es war die größte Epoche in der Geschichte des deutschen Fußballs, dank vieler Ausnahmespieler und der erfolgreichen Nationalelf, aber auch wegen des faszinierenden Dualismus zwischen den immer arrivierteren Bayern und den stürmischen "Fohlen" vom Niederrhein. Er begeisterte eine ganze Generation.

Man kann durchaus behaupten, dass der dieser Tage im Europapokal mal wieder manifeste Niedergang des deutschen Klubfußballs seinen Anfang nahm, als Mönchengladbach in den Achtziger Jahren aus der Spitze verschwand. Als die Bayern aufhörten, einen echten Gegner zu haben, wie anderswo Real Madrid im FC Barcelona oder neuerdings Manchester United im FC Chelsea. Sie haben seitdem zum Naturgesetz erklärt, dass kein Rivale auf Augenhöhe kommen darf. Sie haben ihr Reich gefestigt, indem sie die Konkurrenz schwächten, gerne auch durch gezielte Abwerbungsmanöver wie zuletzt bei Miroslav Klose und Werder Bremen. Die Bayern gedeihten prächtig unter dem von ihnen errichteten Vasallen-System, in dem es am Ende kaum mehr einer wagte, auch nur zu widersprechen. Sie gewannen elf der letzten 20 ausgespielten Meistertitel. Aber die Bundesliga als Ganzes wurde immer mediokrer.

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