FC Genau jüngster Fall
Italiens Fußball versinkt im Chaos

„Calcio Chaos“ - Italiens Fußball versinkt in Betrugsprozessen, Lizenzverweigerungen, Pleiten, Fan-Ausschreitungen und einstweiligen Verfügungen. Knapp drei Wochen vor dem geplanten Saisonstart am 28. August kann eine der stärksten Fußballligen der Welt nicht einmal einen Spielplan präsentieren. „Eine weltweite Blamage“, klagte die „La Gazzetta dello Sport“ am Mittwoch.

HB ROM. An Italiens Stränden lesen die Fußballfans in ihren Sommerferien nur wenig über neue Stars wie Figo oder die Titelchancen von Meister Juventus Turin und Herausforderer AC Mailand. Stattdessen beherrschen Finanzexperten und Juristen mit täglich neuen Horror-Meldungen die Schlagzeilen. Jüngstes Beispiel: Der wegen Ergebnismanipulation zum Zwangsabstieg in die dritte Liga verurteilte Erstliga-Aufsteiger FC Genua blockiert mit einer einstweiligen Verfügung die Erstellung des Spielplans und damit den pünktlichen Ligastart.

Die Sportjustiz sah es als erwiesen an, dass sich Genua für 250 000 € den entscheidenden 3:2-Heimsieg gegen Venedig und damit den Aufstieg in die Serie A erkauft habe. Genua bestreitet dies und klagt vor einem Zivilgericht. Ein schnelles Ende ist nicht absehbar. Deshalb versuchte der Fußballverband (FIGC) am Mittwoch zumindest die einstweilige Verfügung gegen die Erstellung des Spielplans zu kippen. „Die Autonomie des FIGC muss respektiert werden“, fordert auch der Präsident des Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI), Gianni Petrucci.

Der Streitfall Genua wird die Gerichte noch lange beschäftigen, die Klagen gegen die Lizenzverweigerung dagegen sind abgeschmettert. In letzter Instanz wurde in dieser Woche der Traditionsclub AC Turin wegen Überschuldung von der ersten in die zweite Liga zurückgeschickt. Auch die Zweitligisten aus Perugia und Salerno wurden zusammen mit einigen kleineren Clubs eine Etage tiefer einsortiert. Nutznießer der Zwangsabstiege sind vor allem Ascoli und Treviso, die in die Serie A aufrücken.

„Für uns ist es das erste Jahr in der Serie A. Das wird sehr schwer“, sieht Trevisos-Präsident Ettore Setten angesichts seines nicht erstligareifen Kaders die späte Beförderung ins Oberhaus mit eher gemischten Gefühlen. Ascoli kehrt nach 13 Jahren in die Serie A zurück, hat aber ähnliche Personalprobleme wie Treviso. Und teure Spielereinkäufe kann man sich auch nicht erlauben. Schließlich könnte sich Genua vor den Zivilgerichten ja doch noch in die Serie A klagen.

Alle hängen in der Luft. Nicht nur die betroffenen Vereine, auch das Fernsehen. Media Partners, Sportfive und RaiTrade haben weltweit ihre Übertragungsrechte an der Serie A verkauft. Und jetzt können sie ihren Geschäftspartnern von Albanien bis Zypern nicht einmal sagen, wann die Serie A startet.

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