FC Paris Saint-Germain
Neue Geldgeber verzweifelt gesucht

Frankreichs Hauptstadtklub FC Paris Saint-Germain (PSG) ist hoch verschuldet. Dazu läuft er seit Jahren den Erfolgen aus alten Glanzzeiten hinterher. Der Besitzer Colony Capital sucht jetzt nach neuen Investoren - und könnte in Katar fündig werden.
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Paris/DüsseldorfDie PSG-Fans haben es nicht leicht in diesen Tagen. Erst schied der Verein vor heimischer Kulisse gegen Benfica Lissabon aus der Europa League aus. Dann setzte es auch noch in der Liga eine 1:2-Niederlage im prestigeträchtigen Derby de France gegen Erzrivalen Olympique Marseille. Und als wäre das nicht schon genug, begrub der Siegtor-Torschütze André Ayew mit seinem Treffer auch die Hoffnungen der Blau-Roten auf eine Teilnahme in der europäischen Königsklasse, der Champions League - und damit die Hoffnungen auf einen warmen Geldregen für die chronisch leere Klubkasse.

Es ist, als läge ein Fluch auf dem Verein: Seit Jahren läuft PSG den Erfolgen aus den glorreichen 90er-Jahren hinterher, als man auf nationaler Ebene Titel hamsterte und 1996 sogar den Europapokal der Pokalsieger mit nach Paris brachte. Noch schlimmer: Der Klub ist höchst defizitär, sitzt auf einem riesigen Schuldenberg. Für den Klub und seinen Besitzer, den US-Investmentfonds Colony Capital, der 2006 gemeinsam mit den beiden Partnern Butler Capital Partners und der Bank Morgan Stanley eingestiegen ist, mittlerweile seit 2009 aber 95,8 Prozent an PSG hält, ist das durchaus ein Problem. Denn die nächsten Wochen werden entscheidend für die sportliche und finanzielle Zukunft. Während die Anhänger auf viele Tore ihrer Mannschaft hoffen, sucht der Besitzer händeringend nach Investoren, die PSG mit frischem Kapital wieder fit spritzen sollen.

Doch das ist einfacher gesagt als getan. Seit geraumer Zeit wird über einen Verkauf oder Teilverkauf des PSG spekuliert. Doch die Anteile am PSG liegen schwer wie Blei im Verkaufsregal. Sébastien Bazin, Europachef des Mehrheitseigners, sucht bereits seit März 2010 nach einem neuen Geldgeber. Nun scheint er seinem Ziel nahe: Als aussichtsreichster Retter ist der Investmentfonds von Katar im Gespräch. Doch nach Informationen der Sportzeitung "L'Equipe" will der lediglich mit 40 Millionen Euro einsteigen. Das wäre nur die Hälfte von dem, was Colony Capital, der auch am Hotelkonzern Accor und der französischen Supermarktkette Carrefour Anteile hält, bisher in den Verein gesteckt hat. Dennoch verdichteten sich zuletzt die Gerüchte, dass eine Einigung näher rückt und nur noch Details verhandelt werden.

Colony Capital hält sich auf Anfrage von Handelsblatt Online äußerst bedeckt, eine Sprecherin räumt lediglich ein, dass man seit etwa einem Jahr einen Partner suche. "Bisher haben wir nicht festgelegt, ob Minderheits- oder Mehrheitsaktionär." Der US-Investmentfonds kann sich aber auch vorstellen, längerfristig ganz auszusteigen. Schon beim Einstieg habe man gesagt, dass man nach sechs oder sieben Jahren vermutlich wieder verkaufen wolle. "Doch zunächst geht es darum, einen Partner zu finden", erläuterte die Sprecherin. Europachef Bazin gibt sich ebenfalls wortkarg: "Ich werde etwas sagen, wenn es etwas zu sagen gibt", sagte er erst kürzlich der französischen Presse.

Doch die Zeit drängt, die Finanzschwierigkeiten blockieren den Verein. Der Schuldenberg des Klubs ist seit 1998 nach Zahlen der französischen Fußball-Liga auf über 300 Millionen Euro angewachsen, rund 60 Millionen davon fallen in die Ära Colony Capital. Experten schließen nicht aus, dass der Verein auch im laufenden Jahr wieder Verluste in zweistelliger Millionenhöhe schreiben wird. Für die Investition in neue Stars bleibt angesichts dieser Zahlen ebenso wenig Spielraum wie für eine intensive Nachwuchsarbeit mit Talenten, die anderswo einfach bessere Bedingungen antreffen.

Hinzu kommt die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Stadionfrage: Der Mietvertrag mit der Stadt Paris für den "Parc des Princes", in dem der Klub seine Heimspiele austrägt, läuft 2014 aus. Seit über einem Jahr laufen inzwischen Verhandlungen zwischen dem US-Fonds und der Stadt über die Bedingungen für eine Verlängerung des Kontrakts, dessen Laufzeit dann bei 40 bis 60 Jahren liegen soll. Die Aussicht auf diesen Deal war einer der wichtigsten Gründe für Colony Capital, überhaupt bei PSG einzusteigen. Doch bislang haben es die Gesprächspartner nicht geschafft, sich über Konditionen zu einigen. Insbesondere geht es um die Frage, welche Summe die Amerikaner in den Prinzenpark stecken würden, wenn er ab 2016 renoviert werden soll. Die Rede ist von 100 Millionen Euro, die Colony Capital angeboten haben soll. Der Stadt ist dies aber offenbar zu wenig.

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