Fehlverhalten vorgeworfen
Schalke kündigt Vertrag mit Ticketanbieter Viagogo

Schalke und Viagogo gehen wieder getrennte Wege. Nach nur einer Woche Zusammenarbeit hat der Verein den Vertrag mit der Ticketbörse fristlos gekündigt. Grund: ein Fehlverhalten von Viagogo. Der Anbieter widerspricht.
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Nach heftigen Fanprotesten hat der FC Schalke seinen Vertrag mit dem Ticketanbieter Viagogo fristlos gekündigt. Auf seiner Internetseite schreibt der Verein, Viagogo habe sich „trotz mehrfacher Aufforderungen“ nicht an „vertragliche Regelungen“ gehalten. Der Vertrag war erst am 01. Juli wirksam geworden.

Auf der Hauptversammlung im Juni hatte das Thema für lautstarke Diskussionen gesorgt. Die Faninitiative „ViaNOgo“ fürchtete durch die Vereinbarung zwischen Schalke und dem Ticketanbieter eine Legalisierung des Schwarzmarktes. Der Vorstand hatte den Vertrag verteidigt, aber auch versprochen, „genauestens darauf zu schauen, ob die Regeln des Vertrags eingehalten werden“. Das ist nun offenbar geschehen. „Wir haben unser Wort gehalten“, wird Marketingvorstand Alexander Jobst auf der Webseite zitiert.

Jobst bedankte sich für die „konstruktive Weise“, auf die die Anhänger des Vereins auf das Fehlverhalten von Viagogo aufmerksam gemacht hatten. Konkrete Beispiele nannte der Verein nicht. Zu weiteren Details will Schalke keine Stellung nehmen.

Die Ticketbörse zeigte sich von dem Ende der Partnerschaft „überrascht“. Auf Anfrage von Handelsblatt Online betonte eine Sprecherin, Viagogo habe „alle Aspekte unseres Vertrags erfüllt“. „Die Entscheidung ist für uns, für den Club und vor allem für die Fans sehr bedauerlich, da der Club von dem Sponsoring stark profitiert hätte“, hieß es im Statement. Negative Nachwirkungen erwartet Viagogo offenbar nicht. „Die gute Nachricht für die Käufer und Verkäufer von Tickets ist, dass wir nicht auf eine Partnerschaft mit den Fußballclubs angewiesen sind, um einen transparenten Marktplatz anzubieten.“

Auf der Internetseite von Viagogo wurde Schalke zunächst weiter als offizieller Partner geführt. Inzwischen wurde der Eintrag geändert.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Fehlverhalten vorgeworfen: Schalke kündigt Vertrag mit Ticketanbieter Viagogo"

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  • Auf welche Millionenbeträge müssen denn die Vereine Verzichten? Viagogo ist doch kein Samariter, sondern das Geschäftsmodel setzt am derzeit bestehenden Engpass an Bundeligakarten an und verschärft diesen durch ihre Ticketkontingente noch vielmehr.

    Die Millionen, die Schalke, Dortmund oder dem HSV zufließen, werden aus den eigenen Fans und Anhängern ausgepresst. Man muss sich also fragen, ob dies ein probates Mittel ist, mit dem die Vereine bewusst die eigenen Vereinsstatuten umgehen können, um mit diesem quasi "Back to Back" Deal Tickets zu "fair values" an den Markt zu bringen. Das wird für Hoffenheim nicht so interessant sein, aber bei den Mitgliedsstarken Vereinen tummelt sich Viagogo im Engpass.

    Dabei werden selbst schon Karten Verkauft, die es noch gar nicht gibt bzw. wo die Verkaufspreise noch nicht feststehen (siehe z.B. DFB Pokal Stuttgart).

    Der Verein, der mit Viagogo kooperiert, muss sich auch nachsagen lassen, dass er bewusst seinen Anhängern noch mehr Geld aus den Taschen ziehen möchte. Die ARD-Millionen der Pflichtabgabe reichen wohl nicht mehr, man möchte im deutschen Fußball noch mehr Geld verbrennen. Auf wie viele Spendenaufrufe man da verzichten könnte...

  • Richtig so und ganz großen Respekt für den Schritt! Dass Schalke jetzt den Vertrag nicht einfach weiterlaufen lässt und kündigt und so auf die Millionen von Viagogo letztendlich verzichtet macht mich auch etwas stolz als Schalker. Denn die massiven Proteste u.a. auf der Jahreshauptversammlung des eingetragenen Vereins Schalke 04 (ja, Schalke ist eben noch keine Aktiengesellschaft und schon gar keine börsennotierte KGaA nach Handelsrecht!) haben nicht nur ein eindeutiges Stimmungsbild gegen Viagogo offengelegt, sondern offensichtlich auch Eindruck bei den S04-Verantwortlichen hinterlassen und ihnen deutlich gemacht, dass Geld und damit womöglich erkaufter sportlicher Erfolg auf Schalke niemals alles sein darf: Schalke ist für seine Mitglieder und Fans viel mehr als die Summe wirtschaftlicher und sporlicher Erfolge, was gut so und zu respektieren ist!

    Viagogo hatte schon seit Vertragsabschluss im Dezember bis zum Vertragsbeginn in der letzten Woche permanent und massiv gegen Treuepflichten (§ 242 BGB) verstoßen, indem es z.B. Nordkurven-Stehplätze für die Rückrunde der letzten Saison für weit über 100 Euro und für das Champions League-Spiel gegen Istanbul sogar Karten für weit über 1000 Euro angeboten hat. Das alleine wären bereits Kündigungsgründe gewesen, Viagogo war zu keinem Zeitpunkt schutzwürdig! Ich gehe davon aus, dass Schalke das bereits abgemahnt und jetzt - als nach Vertragsbeginn noch weitere Verstöße hinzukamen - eben auch die richtigen und notwenigen Konsequenzen gezogen hat.

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