Felix Magath
Ein Idealist auf schwieriger Mission

Als Trainer und Manager will Felix Magath den VfL Wolfsburg an die Spitze führen – und damit auch ein Modell für die Bundesliga schaffen. Nach Wolfsburg hat er im Sommer viele junge Talente geholt. Elf Spieler sind insgesamt gegangen, zehn neue gekommen. Idealismus beginnt häufig mit einer Revolution. Und die ist nötig.

WOLFSBURG. Die Suche nach der neuen Zeitrechnung beginnt mit einer Enttäuschung. Vielleicht fünfzehn Fans und eine Handvoll Journalisten verfolgen an diesem Morgen das Training der Fußballer der VW-Stadt. Wolfsburg ist ausgestorben. Die Werksferien bei Deutschlands größtem Autobauer hat auch Felix Magath noch nicht abgeschafft.

Obwohl er in Wolfsburg doch jetzt sonst angeblich alles bestimmt. Seit Wochen fallen in der Presse bevorzugt Begriffe wie Zampano, Alleinherrscher, Monarch. Eine Machtfülle wie die von Magath, seit kurzem Trainer, Sportdirektor und Mitglied der Geschäftsführung beim VfL, hat die Liga in den vergangenen Jahren allenfalls gesehen, als der Trainer Magath einmal in Stuttgart kommissarisch den Manager-Posten ausfüllte.

Die morgendliche Session firmiert offiziell als Auslaufen, erst spät in der Nacht sind die Spieler vom Pokalausflug nach Würzburg zurückgekehrt. Andererseits ist Auslaufen bei Felix Magath wohl relativ zu verstehen: Es geht intensiver zur Sache als bei vielen Klubs in einer normalen Einheit. Magath beobachtet strengen Blickes ein Trainingsspielchen auf halbem Feld. Andernorts ertönt zackiges Bayerisch: Konditionstrainer Werner Leuthard, Oberleutnant a.D. der Bundeswehr und seit Jahren in Magaths Trainerstab, kommandiert die Dehnübungen der Stammkräfte.

Wer mag, kann hier jedes Klischee über Magath finden. Den Schleifer. Den Schweiger. Den Zampano. Aber dann unterwirft er sich plötzlich Leuthards Regiment und kugelt mit kindlicher Freude über den Rasen. Nach Ende des Trainings scherzt er mit Jacek Krzynowek, seinem „ersten Härtefall“, wie es in einer Lokalzeitung stand. Der Pole, ein Lieblingsspieler von Magaths Vorgänger Klaus Augenthaler, hatte gegen Würzburg nicht im Kader gestanden.

Vielleicht war der kurze Dialog mit Krzynowek ein kalkuliertes Manöver für die Handvoll Journalisten. Aber eigentlich spielt es keine Rolle. Denn an Klischees, sagt Magath, könne er sowieso nichts ändern.

Die dunkelblaue Trainingskluft hat er gegen einen beigefarbenen Anzug eingetauscht, er sitzt jetzt in seinem Büro im ersten Stock der Geschäftsstelle. Auf dem Tisch liegt ein weißes Trikot mit rotem Diagonalstreifen von River Plate, dem argentinischen Kooperationspartner des VfL Wolfsburg. Daneben eine Packung Tee, „Sir Felix Blend“, ein lokales Café hat sie ihm gewidmet. Das beliebteste Klischee über Magath ist immer noch seine Vorliebe für Tee. Aber die Packung ist noch unbenutzt, und auch jetzt trinkt er keinen.

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